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Die dicken Brillen haben ausgedient

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Zwei Millionen Österreicher sehen schlecht. Sie sind entweder kurzsichtig, weitsichtig oder leiden an Astigmatismus (Stabsichtigkeit). Somit zählen Augenprobleme zu den am meisten verbreiteten Leiden in Österreich.

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Zwei Millionen Österreicher sehen schlecht. Sie sind entweder kurzsichtig, weitsichtig oder leiden an Astigmatismus (Stabsichtigkeit). Somit zählen Augenprobleme zu den am meisten verbreiteten Leiden in Österreich.

Das Tragen von Brillen oder Kontaktlinsen ist für die Betroffenen nicht immer frei von Problemen und Belastungen. Brillenträger fühlen sich beim Sport oder beim Autofahren häufig in ihrem Sichtfeld eingeschränkt. Kontaktlinsenträger leiden nicht selten unter Allergien gegen ihre Reinigungsmittel. Reizungen des Auges führen daher oft zu Unverträglichkeit.

Gutes Sehen hat seinen Ursprung in der Abbildung scharfer Bilder auf der Netzhaut des Auges. Das optische System des Auges (Hornhaut, Linse und Glaskörper) lenkt die ankommenden Lichtstrahlen (die Bilder die wir sehen) so ab, daß diese sich bei normalsichtigen Augen in einem Brennpunkt genau auf der Netzhaut treffen. In der Regel ist das auf dem Punkt des schärfsten Sehens. Diese Strahlenablenkung nennt man "Brechung".

Aus den verschiedenen Anteilen des optischen Systems des Auges ergibt sich die Gesamtsehkraft, die in Dioptrien (dpt) angegeben wird. Stimmt die Brechkraft, so werden die Bilder, die wir sehen, scharf auf der Netzhaut abgebildet. Liegt der Brennpunkt nicht genau auf der Netzhaut, also entweder davor oder dahinter, so wird die Umgebung nur unscharf abgebildet und man spricht von einem Brechungsfehler oder einer Fehlsichtigkeit, umgangssprachlich auch von einem "Sehfehler". Die Fehlsichtigkeit umfaßt: Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Stabsichtigkeit (Hornhautverkrümmung) und Alterssichtigkeit.

In den achtziger Jahren fand die sogenannte "Excimerlasertechnologie" ihren Eingang in die Augenheilkunde. Excimerlaser sind ultraviolettes Licht ausstrahlende Lasergeräte, die pro Schuß eine exakt einstellbare Gewebsabtragung bewirken und das Gewebe dabei förmlich verdampfen lassen. Den ersten sogenannten photorefraktiven Eingriff führte Theo Seiler, Professor in Berlin, im Jahr 1985 durch. Bei dieser Methode (PRK-Methode) wird die nötige Gewebsverdampfung zur Änderung der Hornhautbrechkraft direkt an der Hornhautoberfläche vorgenommen.

Im Excimerlasercomputer wird die erforderliche Dioptrienabtragung eingegeben, das heißt, der Patient wird exakt positioniert und die Abtragung kann genau im optischen Zentrum staffinden.

Dieser Laser arbeitet mit ultraviolettem Licht, das geeignet ist, Hornhautgewebe Schicht für Schicht berührungsfrei abzutragen. Nach diesem Eingriff kann es in den ersten zwei Tagen zu Schmerzen kommen (die aber medikamentös gut zu behandeln sind), die Heilung wird in den ersten Wochen nach der Operation vom Arzt mit Augentropfen unterstützt. Diese Methode wird heute routinemäßig für die Korrektur von niedriger bis mittlerer Kurzsichtigkeit (also von minus ein bis etwa minus sechs Dioptrien) und bei geringen Hornhautverkrümmungen (bis etwa minus zwei Dioptrien) eingesetzt.

Mit Messer und Laser Vor zehn Jahren veröffentlichte der griechische Augenarzt Joannis Pallikaris die erste "LASIK-Operation". Schon in den siebziger Jahren hatte Jose Barraquer ein spezielles Messer (Keratom) entwickelt, mit dessen Hilfe bei der Operation eine dünne Scheibe der Hornhaut eingeschnitten und wie einen Buchdeckel aufgeklappt werden kann.

Bei LASIK-Operationen kommt dieses nun in einer ersten Phase zum Einsatz. In einem zweiten Schritt werden dann mit dem Laser tiefere Hornhautschichten modelliert (siehe Graphik). Anschließend wird der mit dem Messer abgehobene "Buchdeckel" wieder zugeklappt. Die Hornhautlamelle haftet durch innere Bindungskräfte von selbst wieder fest an und schützt die entstandene Wunde.

Die Patienten haben nach dieser Operationsmethode in der Regel keine Schmerzen. Die Wundheilung im Inneren der Hornhaut verläuft ohne Medikamente von selbst, langsam und gleichmäßig. Die LASIK-Methode wird bei Kurzsichtigkeit bis minus zehn Dioptrien, bei Weitsichtigkeit bis etwa fünf Dioptrien und bei Hornhautverkrümmung bis circa minus fünf Dioptrien eingesetzt.

Wie bei fast allen Operationsverfahren ist auch diese Methode nicht bei allen Patienten und bei jeder Art von Fehlsichtigkeit möglich.

Folgende Kriterien müssen beachtet werden: Das Alter der Patienten sollte zwischen 18 und 65 Jahren liegen. Außerdem sollten sie nicht an schweren Krankheiten wie zum Beispiel starker Diabetes oder Rheumatismus leiden. Weiters sollte die Fehlsichtigkeit bereits stabil, also mindestens ein bis zwei Jahre unverändert sein. Schließlich sollten keine Augenkrankheiten (zum Beispiel Grauer oder Grüner Star) vorliegen. Bei Allergikern sollte die Operation in die allergiefreie Zeit verlegt werden, Operationen währen der Schwangerschaft und Stillzeit sind natürlich ebenfalls ausgeschlossen.

Ambulanter Eingriff Werden diese Kriterien erfüllt, so ist die LASIK-Methode nach dem derzeitigen Stand der Medizin sicher das erfolgreichste Verfahren. Wenn man die Tatsache berücksichtigt, daß ein beträchtlicher Anteil der Fehlsichtigen mit ihrer Brille oder ihren Kontaktlinsen zufrieden ist, so ist anzunehmen, daß LASIK heute für etwa 250.000 bis 300.000 Österreicher als Behandlungsmethode in Frage kommt.

Ein großer Vorteil der LASIK-Methode ist die Möglichkeit, daß die Operation ambulant durchgeführt werden kann, und die Patienten anschließend sofort wieder nach Hause dürfen. Sie sind außerdem während des Eingriffs bei vollem Bewußtsein, eine Lokalanästhesie macht diese Sehkorrektur schmerzfrei.

Nach der Operation des ersten Auges kann der zweite Eingriff erfolgen, sobald das bereits behandelte Auge ausreichende Sehkraft hat. Üblicherweise wird die zweite Operation nach etwa einer Woche durchgeführt. Die Patienten sind im Normalfall rund eine Woche arbeitsunfähig.

Soferne keine außergewöhnlichen Beschwerden auftreten, ist in dieser Zeit Lesen und Fernsehen möglich und auch erlaubt. Bei dem in Wien angewendeten Verfahren ist das Risiko von Komplikationen als sehr gering einzuschätzen. Eine gründliche und ausführliche Beratung vor dem Eingriff trägt wesentlich dazu bei, daß etwaige Risiken ausgeschlossen werden können. Leider werden die Kosten für die neuen Verfahren derzeit weder von den gesetzlichen noch von den privaten Krankenkassen übernommen. Die Operationskosten liegen etwa bei 28.000 Schilling (2.035 Euro) pro Auge.

Informationen und Terminvereinbarungen für ein kostenloses "Pre-screening": "Augen Laser Klinik" Wien, Zentrum für Augenchirurgie 1080 Wien, Lange Gasse 72/7, Univ.Prof. Prim. Dr. Hans Gnad, OA Dr.Reinhard Schranz, Tel: +43(1)408 19 66, Fax:+43(1)408 19 66-16.

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