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Die kulturelle Identität pflegen

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Ehrenamtliche Kirchenpfleger kümmern sich in der Diözese Linz um sakrale Kulturgüter. Nicht nur die materielle Erhaltung ist wichtig, es geht auch um kulturelle Werte.

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Ehrenamtliche Kirchenpfleger kümmern sich in der Diözese Linz um sakrale Kulturgüter. Nicht nur die materielle Erhaltung ist wichtig, es geht auch um kulturelle Werte.

Weit über 60 Prozent der Denkmäler in Oberösterreich stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Kirche. Kunst- und Kulturgüter haben nicht nur sakrale Bedeutung, sondern stellen auch kulturelle Werte dar. Sie sind Dokumente unserer kulturellen Identität, ihre Erhaltung kostet jedoch Geld - und wer hat das schon ...?

"Es wird immer schwieriger, für aufwendige Restaurierungen und Sanierungen von Kirchen, Kapellen und ihre Ausstattungen die nötigen Gelder aufzutreiben", so lautet denn auch die Einleitung der Informationsbroschüre des Lehrgangs für "Kirchenpflege". Erstmals in Österreich wurde dieser Lehrgang 1997 in der Diözese Linz angeboten. Eingeladen waren alle, die an Kunst und Denkmalpflege interessiert sind, egal ob als Privatperson oder als pfarrlicher Mitarbeiter. Erreichen möchte man mit dieser Veranstaltung, wie der Leiter des Kunstreferats Conrad Lienhardt im Gespräch erklärt, daß die in Zukunft ehrenamtlich tätigen Kirchenpfleger einerseits "den Schaden erkennen und wissen, wann professionelle Hilfe gebraucht wird", hier geht es um Hilfe zur Selbsthilfe. Andererseits sollen die Kirchenpfleger aber auch über die richtige Pflege und Wartung von Kunstobjekten Bescheid wissen, damit bereits im Vorfeld das Schlimmste verhindert werden kann.

Denn wenn ein Denkmal oder eine Kapelle bereits kurz vor dem Zusammenbruch steht, ist eine Restaurierung besonders kostenintensiv. In Zeiten der Geldknappheit könnte das für das eine oder andere Objekt das Ende bedeuten. Darüber hinaus ist man auch bemüht, ein gewisses Kunstverständnis zu vermitteln: regionale Kunstgeschichte und die Vermittlung zeitgenössischer Kunst stehen daher für die künftigen Kirchenpfleger ebenso am Programm. Lienhardt dazu: "Wenn die Kirchen nicht zu Museen werden sollen, ist es wichtig, daß Neu- und Umgestaltungen nicht historisierend und geschmäcklerisch erfolgen, sondern zeitgenössische Kunst hoher Qualität zu den historischen Kunstwerken, die uns wertvoll geworden sind, zu stellen."

Kirchenpfleger sind also Männer und Frauen, die vor Ort als ehrenamtliche Mitarbeiter tätig sind: nicht als Restauratoren, sondern als diejenigen, deren Auge dafür geschult ist, Kunstschätze wahrzunehmen und zu pflegen, die z. B. für ausreichende Belüftung in Kirchenräumen Sorge tragen oder darauf achten, daß geeignete Pflegemittel für Metallgegenstände verwendet werden und die mit geschärftem Blick frühzeitig etwaige Beschädigungen erkennen.

Die 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartete vergangenes Jahr folgendes Angebot: in 39 Lehrblöcken vermittelten 28 Referenten Informationen über Bau- und Kunstpflege, hinzu kamen Exkursionen zu "Originalschauplätzen" und ein Werkstättenbesuch im Bundesdenkmalamt Wien. Vorträge über Finanzierung und Organisation von Sanierungsvorhaben rundeten das Programm ab.

Praxisorientiert Herbert Bitter, Leiter des Katholischen Bildungswerkes in Antiesenhofen, OÖ, hat sich, als er vom Lehrgang hörte, sofort angemeldet. Für ihn bedeutete der Lehrgang eine "ausgesprochen gute Weiterbildung in Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Liturgieverständnis". Bitter, der den Lehrgang wie alle 24 Teilnehmer mit Zertifikat abschloß, schätzte besonders den praxisorientierten Inhalt betreffend Finanzierung und Sponsoring wie auch die Einführung in Aspekte der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Helene Hartmann aus Linz meldete sich als Privatperson für den Kurs an, da sie selbst Familienforschung betreibt und grundsätzlich an archivarischen Tätigkeiten interessiert ist. Frau Hartmann ist als besonderes Ereignis die Besichtigung in Wien in Erinnerung geblieben.

Die Kosten für den Fortbildungslehrgang - um die 4.000 Schilling - müssen von den Teilnehmern selbst getragen werden, bei Abgesandten einer Pfarre kann auch die Pfarre für die Unkosten aufkommen. Als ausgebildeter Kirchenpfleger wird man jedoch nicht einfach sich selbst überlassen, eine Arbeitsgemeinschaft für Kirchenpflege soll künftig als Forum dienen, in dem mehrmals jährlich Erfahrungen und Informationen ausgetauscht werden können.

Aufgrund der Nachfrage gibt es heuer wieder einen Kurs, der im März beginnt und allen interessierten Bürgern und Bürgerinnen offensteht.

Informationen: Kunstreferat der Diözese Linz, Petrinumstraße 12, 4040 Linz, Tel: 0732/736581-30.

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