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Gesellschaft

Die Zeit der Alten

1945 1960 1980 2000 2020

Immer größer wird das Heer der älteren und alten Menschen. Was wird die Gesellschaft mit ihnen anfangen?

1945 1960 1980 2000 2020

Immer größer wird das Heer der älteren und alten Menschen. Was wird die Gesellschaft mit ihnen anfangen?

Sie strahlen uns von den Plakatwänden entgegen, mit der Zigarette, dem Sportwagen, in verführerischer Unterwäsche - die jungen frischen Twens. Kanzlerkandidaten werden europaweit auf jugendlich gestylt, Jung-Sein ist "in".

Aber da macht sich unsere Gesellschaft etwas vor: In Wirklichkeit wird unsere Mitwelt immer älter. Die Alterspyramide dreht sich um. Die Lebenserwartung steigt, weil die Medizin Fortschritte macht und die Gesellschaft für das Altwerden auch finanzielle Aufwendungen erbringt.

Das bringt Probleme mit sich, und sie werden noch brisant werden. Früher hatte man vor dem Älterwerden auch Angst, weil man gebrechlich und hilfsbedürftig wurde. Aber die nachfolgende Generation war bereit, für das materielle Auskommen zu sorgen (auch wenn das Leben für die Alten deshalb nicht immer annehmlich war). Es gab den "Generationenvertrag". Die Jüngeren leisteten Beiträge in die große Sozialkassa und sichern damit den Lebensabend der Älteren.

Das alles ist heute nicht mehr selbstverständlich: Die Eltern werden, wenn sie Großeltern sind, ins Heim abgeschoben. Die Pflegeversicherung gilt als die große soziale Errungenschaft des späten 20. Jahrhunderts.

Wird es zu neuen Spannungen kommen, wenn die Jüngeren jetzt allmählich den Eindruck bekommen, daß sie nicht nur für das Finanzamt, sondern auch für die "nutzlosen" Alten arbeiten? Wird die Caritas Anlaß haben, nicht mehr die hungernden Kinder aus Somalia oder sonstwo auf Spendenaufrufe und Plakate zu drucken, sondern die einsam und verlassen, ihre letzten Jahre verbringenden Achtzig-, Neunzigjährigen bei uns?

Es geht bei dem ganzen Problem aber nicht nur um materielle Dinge. Die Verständigung zwischen Jung und Alt wird zunehmend schwieriger. Die Welten, in denen heute bis zu fünf Generationen nebeneinander leben, driften zusehends auseinander. Acht- und Zehnjährige steuern Computer. Die Großeltern schauen kopfschüttelnd zu. Die Sprache der "Kids" ist für die "Oldies" bereits eine Fremdsprache. Bald wird es auch umgekehrt so sein. Aber schon 40jährige haben manchmal das Empfinden, daß die 70jährigen ihren Auffassungen und Verhaltensweisen verständnislos gegenüberstehen. Und allmählich fragen wir uns: Was wird die junge Generation mit uns anfangen, wenn wir einmal siebzig sind? Werden wir auf ein "Altenteil" verschoben, das aus Seniorendörfern oder aus dem Rollstuhl vor den TV-Gerät besteht? Was passiert, wenn wir krank sind und "die Gesellschaft" meint, das Geld für Operationen soll doch lieber für Jüngere, Produktive aufgewendet werden?

Und wenn man sich nicht mehr versteht, wenn man in verschiedenen Welten lebt - führt das nicht zu einer ganz neuen Art von gegenseitiger Entfremdung? ("Der Feind", meinte vor Jahrzehnten Carl Schmitt, das ist der "existentiell Andere" - der, mit dem man keine Verständigungsbasis mehr findet. Diese These war es, deretwegen er als Wegbereiter des Faschismus gesehen wurde.) Man könnte es mit der Angst zu tun bekommen. Auch, wenn die Vereinten Nationen das nun begonnene Jahr zum "Internationalen Jahr der Senioren" erklärt haben und damit Zuversicht suggerieren möchten ...

Aber halt! Es gibt auch gute Nachrichten: Es ist viel mehr an Hilfsbereitschaft und Solidarität zwischen den Generationen vorhanden, als die Unheilspropheten uns einreden möchten. Noch ist die Gemeinsamkeit zwischen den Generationen nicht verloren. Die Befunde des führenden Experten auf dem Gebiet der Familienforschung, Leopold Rosenmayr (siehe Dossier), sprechen eine deutliche Sprache. Es gibt Chancen, diese Gemeinsamkeiten zu stärken. Aber sie müssen formuliert und wahrgenommen werden. Um uns dafür sensibel zu machen, ist das "Jahr der Senioren" vielleicht doch eine sehr gute Sache.

Zahlen & Fakten: Internationales Jahr der Senioren 1999 Die alten und ältesten Altersgruppen werden weltweit so schnell wie nie zuvor wachsen. Die Zahl der 80jährigen hat sich in Westeuropa seit 1950 etwa verfünffacht, die der über 90jährigen im gleichen Zeitraum fast verachtfacht. Im Jahr 2030 wird die Überalterung der europäischen Gesellschaft ihren Höhepunkt ereichen.

In den Entwicklungsländern wird sich die Zahl älterer Menschen von 171 auf rund 1,5 Milliarden verneunfachen. Laut UN-Berechnungen wird dabei sich diese Veränderung in den asiatischen Ländern am stärksten bemerkbar machen.

Für Afrika wird diese Entwicklung erst im späteren 21. Jahrhundert erwartet.

Im Jahr 2050 werden knapp zwei Milliarden Menschen älter als 60 Jahre alt sein. Derzeit sind es 580 Millionen.

Östereich hat 1.384 000 Pensionisten, die über 60 Jahre alt sind. Mehr als ein Drittel der österreichischen Wähler sind bereits Pensionisten.

Mit der Ausrufung des "Internationalen Jahres der Senioren 1999" will die UNO auf die weltweite Bedeutung dieser, meist "sorgenvoll" diskutierten demografischen Entwicklung aufmerksam machen, die Welt sensibilisieren. Es soll die Notwendigkeit verdeutlicht werden, daß das Thema auch über die jeweiligen Landesgrenzen und Kontinente hinweg diskutiert werden muß.

Die Ausrufung wurde allerdings an keine bindenden Vorgaben geknüpft. Jedes UN-Mitglied entscheidet selbst, wie und in welchem Umfang es zu diesem brisanten Thema beitragen will. Maßgeblich wird daher die Bereitschaft diverser Organisationen, Institutionen, Verbände und Politiker sind, sich aktiv daran zu beteiligen.

Als Senioren gelten Frauen und Männer über 65 Jahre. Menschen zwischen 55 und 64 Jahren gelten als "fast Alte".Die Mehrheit der älteren Menschen, besonders die über 80jährigen, sind Frauen.

Sie strahlen uns von den Plakatwänden entgegen, mit der Zigarette, dem Sportwagen, in verführerischer Unterwäsche - die jungen frischen Twens. Kanzlerkandidaten werden europaweit auf jugendlich gestylt, Jung-Sein ist "in".

Aber da macht sich unsere Gesellschaft etwas vor: In Wirklichkeit wird unsere Mitwelt immer älter. Die Alterspyramide dreht sich um. Die Lebenserwartung steigt, weil die Medizin Fortschritte macht und die Gesellschaft für das Altwerden auch finanzielle Aufwendungen erbringt.

Das bringt Probleme mit sich, und sie werden noch brisant werden. Früher hatte man vor dem Älterwerden auch Angst, weil man gebrechlich und hilfsbedürftig wurde. Aber die nachfolgende Generation war bereit, für das materielle Auskommen zu sorgen (auch wenn das Leben für die Alten deshalb nicht immer annehmlich war). Es gab den "Generationenvertrag". Die Jüngeren leisteten Beiträge in die große Sozialkassa und sichern damit den Lebensabend der Älteren.

Das alles ist heute nicht mehr selbstverständlich: Die Eltern werden, wenn sie Großeltern sind, ins Heim abgeschoben. Die Pflegeversicherung gilt als die große soziale Errungenschaft des späten 20. Jahrhunderts.

Wird es zu neuen Spannungen kommen, wenn die Jüngeren jetzt allmählich den Eindruck bekommen, daß sie nicht nur für das Finanzamt, sondern auch für die "nutzlosen" Alten arbeiten? Wird die Caritas Anlaß haben, nicht mehr die hungernden Kinder aus Somalia oder sonstwo auf Spendenaufrufe und Plakate zu drucken, sondern die einsam und verlassen, ihre letzten Jahre verbringenden Achtzig-, Neunzigjährigen bei uns?

Es geht bei dem ganzen Problem aber nicht nur um materielle Dinge. Die Verständigung zwischen Jung und Alt wird zunehmend schwieriger. Die Welten, in denen heute bis zu fünf Generationen nebeneinander leben, driften zusehends auseinander. Acht- und Zehnjährige steuern Computer. Die Großeltern schauen kopfschüttelnd zu. Die Sprache der "Kids" ist für die "Oldies" bereits eine Fremdsprache. Bald wird es auch umgekehrt so sein. Aber schon 40jährige haben manchmal das Empfinden, daß die 70jährigen ihren Auffassungen und Verhaltensweisen verständnislos gegenüberstehen. Und allmählich fragen wir uns: Was wird die junge Generation mit uns anfangen, wenn wir einmal siebzig sind? Werden wir auf ein "Altenteil" verschoben, das aus Seniorendörfern oder aus dem Rollstuhl vor den TV-Gerät besteht? Was passiert, wenn wir krank sind und "die Gesellschaft" meint, das Geld für Operationen soll doch lieber für Jüngere, Produktive aufgewendet werden?

Und wenn man sich nicht mehr versteht, wenn man in verschiedenen Welten lebt - führt das nicht zu einer ganz neuen Art von gegenseitiger Entfremdung? ("Der Feind", meinte vor Jahrzehnten Carl Schmitt, das ist der "existentiell Andere" - der, mit dem man keine Verständigungsbasis mehr findet. Diese These war es, deretwegen er als Wegbereiter des Faschismus gesehen wurde.) Man könnte es mit der Angst zu tun bekommen. Auch, wenn die Vereinten Nationen das nun begonnene Jahr zum "Internationalen Jahr der Senioren" erklärt haben und damit Zuversicht suggerieren möchten ...

Aber halt! Es gibt auch gute Nachrichten: Es ist viel mehr an Hilfsbereitschaft und Solidarität zwischen den Generationen vorhanden, als die Unheilspropheten uns einreden möchten. Noch ist die Gemeinsamkeit zwischen den Generationen nicht verloren. Die Befunde des führenden Experten auf dem Gebiet der Familienforschung, Leopold Rosenmayr (siehe Dossier), sprechen eine deutliche Sprache. Es gibt Chancen, diese Gemeinsamkeiten zu stärken. Aber sie müssen formuliert und wahrgenommen werden. Um uns dafür sensibel zu machen, ist das "Jahr der Senioren" vielleicht doch eine sehr gute Sache.

Zahlen & Fakten: Internationales Jahr der Senioren 1999 Die alten und ältesten Altersgruppen werden weltweit so schnell wie nie zuvor wachsen. Die Zahl der 80jährigen hat sich in Westeuropa seit 1950 etwa verfünffacht, die der über 90jährigen im gleichen Zeitraum fast verachtfacht. Im Jahr 2030 wird die Überalterung der europäischen Gesellschaft ihren Höhepunkt ereichen.

In den Entwicklungsländern wird sich die Zahl älterer Menschen von 171 auf rund 1,5 Milliarden verneunfachen. Laut UN-Berechnungen wird dabei sich diese Veränderung in den asiatischen Ländern am stärksten bemerkbar machen.

Für Afrika wird diese Entwicklung erst im späteren 21. Jahrhundert erwartet.

Im Jahr 2050 werden knapp zwei Milliarden Menschen älter als 60 Jahre alt sein. Derzeit sind es 580 Millionen.

Östereich hat 1.384 000 Pensionisten, die über 60 Jahre alt sind. Mehr als ein Drittel der österreichischen Wähler sind bereits Pensionisten.

Mit der Ausrufung des "Internationalen Jahres der Senioren 1999" will die UNO auf die weltweite Bedeutung dieser, meist "sorgenvoll" diskutierten demografischen Entwicklung aufmerksam machen, die Welt sensibilisieren. Es soll die Notwendigkeit verdeutlicht werden, daß das Thema auch über die jeweiligen Landesgrenzen und Kontinente hinweg diskutiert werden muß.

Die Ausrufung wurde allerdings an keine bindenden Vorgaben geknüpft. Jedes UN-Mitglied entscheidet selbst, wie und in welchem Umfang es zu diesem brisanten Thema beitragen will. Maßgeblich wird daher die Bereitschaft diverser Organisationen, Institutionen, Verbände und Politiker sind, sich aktiv daran zu beteiligen.

Als Senioren gelten Frauen und Männer über 65 Jahre. Menschen zwischen 55 und 64 Jahren gelten als "fast Alte".Die Mehrheit der älteren Menschen, besonders die über 80jährigen, sind Frauen.