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"Die Zentralbank erledigt die Schmutzarbeit“

Fritz Breuss ist Professor am Europainstitut der Wirtschaftsuniveristät Wien und Mitarbeiter des WIFO. Seine Spezialgebiete: Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik.

Die Furche: Vor einem Jahr haben Sie im Furche-Interview gesagt, Europa bewege sich auch in der Finanzkrise nur mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Wie es aussieht, besteht dieser Nenner darin, dass die Parlamente nicht mehr mitentscheiden und die EZB alleine Feuerwehr spielt.

Fritz Breuss: Tatsächlich ist die Krisensituation sehr komplex und schnelle Lösungen im demokratischen Umfeld nicht gut möglich. Deshalb entscheiden die Regierungen. Die Parlamente vor allem aber auch das Europaparlament sind praktisch unsichtbar. Und zur Rolle der EZB: Da nehme ich an, ist es Frau Merkel ganz recht, wenn die EZB die Schmutzarbeit erledigt.

Die Furche: Mit der Entscheidung, Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt zu kaufen, nähert sich die EZB der Politik der US-Notenbank an.

Breuss: Das tut sie und sie versucht damit einen Teil der Probleme der Eurozone zu lösen, nämlich das der Risikoaufschläge für Schuldenstaaten, und damit die Finanzierbarkeit der Staatshaushalte. Das funktioniert bisher. Die EZB sagt den Spekulanten, dass sie keine Chance haben. Ein zweites Problem ist die sehr unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit der Vorlkswirtschaften. Das geht nicht so schnell. Immerhin bemerken wir einen Rückgang bei den Lohnstückkosten, etwa in Griechenland. Diese Entwicklung ist allerdings nicht auf Strukturreformen, sondern auf die Krise zurückzuführen. Der Konsum ist eingebrochen und die Importe gehen zurück.

Die Furche: Die Investitionen in Geldmarktfonds, also in kurzfristige Staatsanleihen, ist in den letzten vier Jahren auf ein Zehntel geschrumpft, von 100 auf 12,9 Milliarden Dollar.

Breuss: Der Grund dafür ist, dass man dort keine Gewinne mehr machen kann, weil die Renditen bei null Prozent liegen. Im Markt sind aber noch institutionelle Anleger, etwa staatliche Pensionsfonds.

Die Furche: Wird es wegen der Anleihenkäufe und der Zurverfügungstellung von frischem Geld für die Banken durch die EZB zu einer hohen Inflation kommen?

Breuss: Es gibt einige Ökonomen, die behaupten, die Notenbanken könnten diese Entwicklung verhindern. Dass das frische Geld also nur auf dem Interbankenmarkt zirkuliert und damit die Realwirtschaft über Kredite nicht erreicht. Man muss aber noch sehen, ob das tatsächlich funktioniert. Ich meine, dass es bereits eine indirekte Inflation gibt. Die Banken brauchen Profit und investieren in Rohstoffmärkten. Wenn dort die Preise steigen, dann spüren das am Ende auch die Verbraucher, wie etwa beim Erdöl.

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