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Gesellschaft

Ein Plädoyer für die Freundschaft

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Am Anfang jeder Freundschaft steht oft eine Art gemütliche Ahnung, dass man einander versteht; und ein paar Sätze, vielleicht, ein paar Augenblicke. Es gibt eigentlich keine treffende Bezeichnung für diesen runden Zustand, der einem irgendwie zustößt, ohne sich aufzudrängen. Unser magerer Sprachhaushalt mäandert zwischen trägen Beschreibungen wie „Freundschaften schließen“, „sich anfreunden“ oder schlichtweg „befreundet sein“. „Ich glaube, ich habe soeben mit jemandem Freundschaft geschlossen“, „Ich habe mich befreundet“ sagt im Grunde genommen niemand, um diesen stimmigen Moment feierlich zu gestehen. Der Satz „Ich freunde mich langsam (damit) an“, wäre wohl am ehesten dazu geeignet, den Akt des Anfreundens nachvollziehbar zu machen. In unserem alltäglichen Sprachgebrauch verwenden wir ihn aber in aller Regel nur in Bezug auf eine eher unliebsame, befremdende Sache oder Tätigkeit. Wir haben also der Freundschaft offenbar zu wenig Ausdruck geschenkt.

Befreundete Individualisten

Schätzen wir Freundschaften womöglich auch im Alltag zu wenig wert? Ja, sagt Wolfgang Krüger dazu, der sich dem Thema Freundschaft buchstäblich verschrieben hat. In seinem kürzlich erschienenen Buch mit dem Titel „Wie man Freunde fürs Leben gewinnt“, betont der Autor die Wichtigkeit von Freundschaften. Wer Freundschaften pflege, lebe erheblich länger, sei seelisch ausgeglichener und glücklicher. Krüger ist überzeugt, dass wir in den letzten Jahrhunderten zu Individualisten geworden sind, aber dennoch und gerade deshalb intensive Bindungen brauchen, die uns nicht zu sehr einengen. In zehn Kapiteln untersucht der Berliner Psychotherapeut, was eine gute Freundschaft ausmacht und wie man sie erhält. Dabei beschränkt er sich jedoch nicht nur auf zwischenmenschliche Beziehungen, sonder n räumt auch der Freundschaft zu sich selbst einen wichtigen Platz ein. Dass es in diesem Zusammenhang sogar eine Krankheit oft nur freundschaftlich mit einem meinen könnte, ist eine originelle Idee, wie das Buch insgesamt. Es ist mehr als ein Ratgeber, eine Bereicherung für unseren Sprachhaushalt.

Wie man Freunde fürs Leben gewinnt

Von Wolfgang Krüger

Verlag Herder 2010

192. Seiten, e 9,95

Am Anfang jeder Freundschaft steht oft eine Art gemütliche Ahnung, dass man einander versteht; und ein paar Sätze, vielleicht, ein paar Augenblicke. Es gibt eigentlich keine treffende Bezeichnung für diesen runden Zustand, der einem irgendwie zustößt, ohne sich aufzudrängen. Unser magerer Sprachhaushalt mäandert zwischen trägen Beschreibungen wie „Freundschaften schließen“, „sich anfreunden“ oder schlichtweg „befreundet sein“. „Ich glaube, ich habe soeben mit jemandem Freundschaft geschlossen“, „Ich habe mich befreundet“ sagt im Grunde genommen niemand, um diesen stimmigen Moment feierlich zu gestehen. Der Satz „Ich freunde mich langsam (damit) an“, wäre wohl am ehesten dazu geeignet, den Akt des Anfreundens nachvollziehbar zu machen. In unserem alltäglichen Sprachgebrauch verwenden wir ihn aber in aller Regel nur in Bezug auf eine eher unliebsame, befremdende Sache oder Tätigkeit. Wir haben also der Freundschaft offenbar zu wenig Ausdruck geschenkt.

Befreundete Individualisten

Schätzen wir Freundschaften womöglich auch im Alltag zu wenig wert? Ja, sagt Wolfgang Krüger dazu, der sich dem Thema Freundschaft buchstäblich verschrieben hat. In seinem kürzlich erschienenen Buch mit dem Titel „Wie man Freunde fürs Leben gewinnt“, betont der Autor die Wichtigkeit von Freundschaften. Wer Freundschaften pflege, lebe erheblich länger, sei seelisch ausgeglichener und glücklicher. Krüger ist überzeugt, dass wir in den letzten Jahrhunderten zu Individualisten geworden sind, aber dennoch und gerade deshalb intensive Bindungen brauchen, die uns nicht zu sehr einengen. In zehn Kapiteln untersucht der Berliner Psychotherapeut, was eine gute Freundschaft ausmacht und wie man sie erhält. Dabei beschränkt er sich jedoch nicht nur auf zwischenmenschliche Beziehungen, sonder n räumt auch der Freundschaft zu sich selbst einen wichtigen Platz ein. Dass es in diesem Zusammenhang sogar eine Krankheit oft nur freundschaftlich mit einem meinen könnte, ist eine originelle Idee, wie das Buch insgesamt. Es ist mehr als ein Ratgeber, eine Bereicherung für unseren Sprachhaushalt.

Wie man Freunde fürs Leben gewinnt

Von Wolfgang Krüger

Verlag Herder 2010

192. Seiten, e 9,95