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Gesellschaft

Eine profunde Stimme für die Kleinsten ist verstummt

1945 1960 1980 2000 2020
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"Alle Kinder haben das Recht auf Bildung von Anfang an. Zu viele Kinder kommen im derzeitigen Bildungssystem zu kurz": Mit diesen scheinbar lapidaren, aber zentralen Feststellungen hat Heidemarie Lex-Nalis zu Jahresbeginn 2017 ihr Statement für diese Zeitung begonnen. DIE FURCHE hatte alle wesentlichen Stimmen im bildungspolitischen Diskurs nach ihren Wünschen für das neue Jahr gefragt -und wer wäre prädestinierter gewesen, für die Elementarpädagogik zu sprechen, als Lex-Nalis? Den Kindergarten von einer Aufbewahrungsstätte zu einem (inklusiven) Hort der Bildung zu machen - und zu einem Ort, an dem adäquat ausgebildete und bezahlte Elementarpädagoginnen und -pädagogen diese Bildungsarbeit mit Begeisterung leisten können: Dafür hat Lex-Nalis jahrzehntelang gekämpft. 1950 in Spittal an der Drau geboren, begann sie 1968 ihre Arbeit als Kindergärtnerin bei der Gemeinde Wien. Von 1972 bis 1980 war sie als Lehrerin an der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik tätig (daneben studierte sie Sozial-und Wirtschaftswissenschaft an der Universität Linz), nach ihrem Doktoratsstudium an der Uni Klagenfurt avancierte sie schließlich 1993 zur Direktorin an der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik in Wien und blieb zehn Jahre in dieser Funktion. Den Stellenwert der Elementarpädagogik in der öffentlichen Diskussion und in der Politik zu heben, hat Heide Lex-Nalis nicht nur als gefragte Vortragende versucht, sondern auch als begnadete Netzwerkerin: Bis Sommer 2017 war sie ehrenamtliche Koordinatorin und Sprecherin der Plattform "EduCare", die laufend für Verbesserungen im Bereich der Elementarpädagogik eintritt. Mit der neuen gemeinsamen Schuleingangsphase sei ein erster Schritt gesetzt worden, schrieb Lex-Nalis Anfang 2017 für die FURCHE. Nachhaltig könne dies jedoch nur gelingen, wenn es auch fortlaufende Bildungsrahmenpläne für Kindergarten und Schule gäbe -sowie eine gleichwertige (akademische) Ausbildung von Elementar-und Primarschulpädagogen. Vehement trat sie auch für ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr ein - und zwar für alle Kinder. "Dafür muss Geld in die Hand genommen werden, und zwar doppelt so viel wie bisher", meinte sie während des Nationalratswahlkampfs. "Erst dann bin ich bereit zu glauben, dass Chancengerechtigkeit nicht nur in Sonntagsreden gefordert wird." Vergangenen Samstag ist Heidemarie Lex-Nalis nach kurzer, schwerer Krankheit im 68. Lebensjahr gestorben. Ihre Stimme wird fehlen.

"Alle Kinder haben das Recht auf Bildung von Anfang an. Zu viele Kinder kommen im derzeitigen Bildungssystem zu kurz": Mit diesen scheinbar lapidaren, aber zentralen Feststellungen hat Heidemarie Lex-Nalis zu Jahresbeginn 2017 ihr Statement für diese Zeitung begonnen. DIE FURCHE hatte alle wesentlichen Stimmen im bildungspolitischen Diskurs nach ihren Wünschen für das neue Jahr gefragt -und wer wäre prädestinierter gewesen, für die Elementarpädagogik zu sprechen, als Lex-Nalis? Den Kindergarten von einer Aufbewahrungsstätte zu einem (inklusiven) Hort der Bildung zu machen - und zu einem Ort, an dem adäquat ausgebildete und bezahlte Elementarpädagoginnen und -pädagogen diese Bildungsarbeit mit Begeisterung leisten können: Dafür hat Lex-Nalis jahrzehntelang gekämpft. 1950 in Spittal an der Drau geboren, begann sie 1968 ihre Arbeit als Kindergärtnerin bei der Gemeinde Wien. Von 1972 bis 1980 war sie als Lehrerin an der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik tätig (daneben studierte sie Sozial-und Wirtschaftswissenschaft an der Universität Linz), nach ihrem Doktoratsstudium an der Uni Klagenfurt avancierte sie schließlich 1993 zur Direktorin an der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik in Wien und blieb zehn Jahre in dieser Funktion. Den Stellenwert der Elementarpädagogik in der öffentlichen Diskussion und in der Politik zu heben, hat Heide Lex-Nalis nicht nur als gefragte Vortragende versucht, sondern auch als begnadete Netzwerkerin: Bis Sommer 2017 war sie ehrenamtliche Koordinatorin und Sprecherin der Plattform "EduCare", die laufend für Verbesserungen im Bereich der Elementarpädagogik eintritt. Mit der neuen gemeinsamen Schuleingangsphase sei ein erster Schritt gesetzt worden, schrieb Lex-Nalis Anfang 2017 für die FURCHE. Nachhaltig könne dies jedoch nur gelingen, wenn es auch fortlaufende Bildungsrahmenpläne für Kindergarten und Schule gäbe -sowie eine gleichwertige (akademische) Ausbildung von Elementar-und Primarschulpädagogen. Vehement trat sie auch für ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr ein - und zwar für alle Kinder. "Dafür muss Geld in die Hand genommen werden, und zwar doppelt so viel wie bisher", meinte sie während des Nationalratswahlkampfs. "Erst dann bin ich bereit zu glauben, dass Chancengerechtigkeit nicht nur in Sonntagsreden gefordert wird." Vergangenen Samstag ist Heidemarie Lex-Nalis nach kurzer, schwerer Krankheit im 68. Lebensjahr gestorben. Ihre Stimme wird fehlen.