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Frauenpolitik ist mehr als die Quote

Neulich war wieder Weltfrauentag. Jährlich wiederkehrend wird der Frauen gedacht. Grundsätzlich halte ich es dabei mit Alice Schwarzer, die meinte, den gönnerhaften Frauentag sollte man abschaffen und ersetzen durch 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer. Das ist das Ziel. Wir sind noch meilenweit weg davon.

Frauen haben es vielfach schwerer. Der Großteil der unbezahlten Haushalts- und Pflegearbeit wird von ihnen geleistet. Im Beruf erklimmen sie seltener die Karriereleiter und verdienen erheblich weniger. Natürlich auch deshalb, weil sie die Familienarbeit leisten. Das muss sich ändern. Ist die Quote die Lösung? Genauso wie einmal jährlich „Frauentag“ zu wenig ist, greift der eine Quotenregelung zu kurz. Wenn wir Frauen uns darauf einlassen, wird das irgendwann gesetzlich geregelt und die zugrunde liegenden Probleme werden nicht geändert. Uns wird entgegengehalten werden, ihr habt, was ihr wollt, und Frauen werden weiterhin in der Falle der Zwei- und Dreifachbelastung stecken. McKinsey hat nachgewiesen, dass es ökonomisch Sinn macht, Männer und Frauen in allen Hierarchiestufen vertreten zu haben. Es ist ein mehr an Qualität. Aber nicht nur das. Es ist eine Gerechtigkeitsfrage. Dafür lohnt es sich zu kämpfen. Und da muss uns mehr einfallen als der Ruf nach Quote. Wir müssen unseren Männern und Söhnen beibringen, wie wir behandelt werden wollen. Wir dürfen nicht Ungerechtigkeit im Umfeld tolerieren. Akzeptieren wir nicht „Frauenthemen“. Familie oder Kindererziehung ist genauso ein Männer- und Väterthema. Nehmen wir Männer nicht aus der Verantwortung für Kindererziehung und lassen wir ihnen nicht ungestört Machtthemen. Dazu brauchen wir „role models“, Mentoren und Mentorinnen, Solidarität, Beharrlichkeit und Mut. Wir müssen mit Kränkungen umgehen lernen und wir brauchen Zivilcourage. Für unsere Töchter.

* Die Autorin ist Mitglied im Verbund-Vorstand

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