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DISKURS
LeO

Helfen unter viralen Bedingungen

1945 1960 1980 2000 2020

Inwieweit beeinträchtigt die Covid-19-Pandemie auch die Arbeit von Hilfsorganisationen? Die FURCHE hat sich ein Bild vom Caritas-Projekt „Le+O“ (Lebensmittel und Orientierung) gemacht und mit Vertretern der Dreikönigsaktion gesprochen.

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Inwieweit beeinträchtigt die Covid-19-Pandemie auch die Arbeit von Hilfsorganisationen? Die FURCHE hat sich ein Bild vom Caritas-Projekt „Le+O“ (Lebensmittel und Orientierung) gemacht und mit Vertretern der Dreikönigsaktion gesprochen.

Die Menschenschlange reicht bis auf den Gehsteig. An einem Mittwochvormittag Ende November warten etwa 30 Personen auf den Beginn der Lebensmittelausgabe vor der Pfarre Erlöserkirche in Wien-Liesing. Hier bietet das Projekt „Le+O“ (Lebensmittel und Orientierung) der Caritas Wien jede Woche Hilfe für Armutsbetroffene an. Auch während der Coronakrise – trotz aller Schwierigkeiten. Für Hilfsorganisationen ist die Situation alles andere als einfach. Arbeitslosigkeit und Not in der Bevölkerung steigen, zudem gibt es durch die Corona-Maßnahmen Einschränkungen im Angebot. In der Endresstraße stellen sich Hilfs- bedürftige trotz des unwirtlichen Wetters um Essen an. Es ist nebelig und kalt, die Wartenden sind in dicke Jacken gehüllt. Alle tragen Mund-Nasen-Schutz. Die meisten haben einen Einkaufstrolley im Schlepptau und sind allein gekommen, wie von der Caritas angeraten. So sollen allzu große Ansammlungen vermieden werden.

Dankbarkeit und Scham

Im Inneren der Kirche beginnt die Aus- gabe. Vor dem Altar sind Tische aufgebaut, darauf gelbe Kisten mit Hygieneartikeln, etwa Shampoo und Windeln. Die „Gäste“ müssen sich im Vorhinein telefonisch anmelden, um die Planung zu erleichtern. Für einen symbolischen Beitrag von vier Euro gibt es ein Essenspaket für ein bis zwei Personen. Knapp 80 solcher Pakete werden heute verteilt. Im Nebenraum ist eine „Markthalle“ mit Lebensmitteln aufgebaut. Die u-förmig angeordneten Stände biegen sich unter der Last von Obst und Gemüse. Dahinter stehen knapp zehn Freiwillige, die bei der Ausgabe helfen. Eine davon ist Dorothea Schlögl, sie verteilt die Essens- pakete. Reis, Nudeln und Proteinriegel. „Wollen Sie auch etwas Süßes? Wir haben heute Pudding.“ Schlögl ist seit drei Monaten für die Caritas aktiv, neben Le+O auch beim „Louisebus“, der medizinische Betreuung anbietet, sowie der Telefonhotline. Dreimal wöchentlich nimmt sich die junge Frau Zeit, um anderen zu helfen: „Zu Beginn schämen sich die Leute oft, Hilfe anzunehmen. Später sind sie dann sehr dankbar.“ Die Freiwilligen in der Erlöserkirche sind durchwegs junge Erwachsene. Dass das nicht selbstverständlich ist, weiß der Projektleiter von Le+O, Georg Engel: „Beim ersten Lockdown im Frühling gab es die Vorgabe, keine Freiwilligen über 65 Jahren einzusetzen. Damit sind uns 80 Prozent
weggefallen.“ Innerhalb kürzester Zeit hätten sich tausende Menschen gemeldet, um die Ausfälle zu kompensieren. Mittlerweile seien zwar viele der Älteren wieder im Einsatz, die Jungen spielen aber weiterhin eine wichtige Rolle. Aktuell sind vor allem Freiwillige mit C-Führerschein gefragt, die beim Transport der Waren helfen können. Engel leitet Le+O seit Anfang des Jahres, just als die Pandemie gleich einmal alle Planungen auf den Kopf gestellt hat: Von ursprünglich 16 Ausgabestellen musste man auf fünf reduzieren. Langsam wird das Angebot wieder ausgebaut.

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