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Gesellschaft

HOFFNUNG AUF DIE GÖTTER

1945 1960 1980 2000 2020
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Jetzt müssen die Götter ran. Den Streit um die Ärztearbeitszeit soll jetzt ausgerechnet ein Grieche lösen: Asklepios, Gott der Heilkunst, ist Namensgeber einer neuen Gewerkschaft für Spitalsärzte, die mitbestimmen will, wie ein Gesetz, das schon längst in Kraft ist, tatsächlich umgesetzt wird. Wer nicht selbst davon betroffen ist, hat dafür mittlerweile oft nur mehr ein müdes Lächeln über. Ein Fehler - denn betroffen sind mehr, als man meinen könnte. Und zwar nicht, weil wir alle im Krankheitsfall uns selbst überlassen sein werden, während Österreichs Ärzte im besser zahlenden Ausland praktizieren. Dass Ärztekammer und Co. in ihrer Argumentation wiederholt mit kollektiven Ängsten spielen, bedingt das genervte Augenrollen erst.

Nein, betroffen sind viele, weil das Arbeitszeitgesetz eine Generationenproblematik enttarnt, die sich in Österreich quer durch alle Branchen zieht. In Büros, Werkstätten und eben auch Spitälern, arbeiten Menschen in zwei Klassen nebeneinander. Die Etablierten, mit ihren Gehaltsvorrückungen, unbefristeten Verträgen, satten Pensionsansprüchen. Und die "Jungen", zwar schon längst im Familiengründungsalter, allerdings mit freien oder befristeten Verträgen und Überstundenpauschalen. Noch nicht etabliert, und im gegenwärtigen System auch ohne Aussicht darauf, es jemals zu werden. Dass es in Spitälern möglich ist, dass eine Ärztegeneration nach dem Mittagessen in ihre Privatpraxis verschwindet, während eine andere ein Drittel ihres Einkommens durch Nachtdienste bestreitet, ist Symptom einer gewaltigen gesellschaftlichen Schieflage, die auch die Statistik belegt: Junge Menschen zwischen 20 und 29 mussten seit 2001 bei ihrem Reallohn zehn Prozentpunkte einbüßen. 40- bis 59-Jährige konnten ihr Einkommen hingegen fast halten.

Die Politik redet lieber über Ärztearbeitszeiten als über das wahltaktische, weil demographisch heikle, Thema Generationengerechtigkeit: Die SPÖ steht eng bei den Gewerkschaften, die wiederum damit beschäftigt sind, erkämpfte Pfründe zu verteidigen. Und die (Junge) ÖVP blendet ihr einstiges Lieblingsthema konsequent aus, seit Sebastian Kurz für das Weltgeschehen zuständig ist. Bleibt also nur noch die Hoffnung auf die Götter.

Jetzt müssen die Götter ran. Den Streit um die Ärztearbeitszeit soll jetzt ausgerechnet ein Grieche lösen: Asklepios, Gott der Heilkunst, ist Namensgeber einer neuen Gewerkschaft für Spitalsärzte, die mitbestimmen will, wie ein Gesetz, das schon längst in Kraft ist, tatsächlich umgesetzt wird. Wer nicht selbst davon betroffen ist, hat dafür mittlerweile oft nur mehr ein müdes Lächeln über. Ein Fehler - denn betroffen sind mehr, als man meinen könnte. Und zwar nicht, weil wir alle im Krankheitsfall uns selbst überlassen sein werden, während Österreichs Ärzte im besser zahlenden Ausland praktizieren. Dass Ärztekammer und Co. in ihrer Argumentation wiederholt mit kollektiven Ängsten spielen, bedingt das genervte Augenrollen erst.

Nein, betroffen sind viele, weil das Arbeitszeitgesetz eine Generationenproblematik enttarnt, die sich in Österreich quer durch alle Branchen zieht. In Büros, Werkstätten und eben auch Spitälern, arbeiten Menschen in zwei Klassen nebeneinander. Die Etablierten, mit ihren Gehaltsvorrückungen, unbefristeten Verträgen, satten Pensionsansprüchen. Und die "Jungen", zwar schon längst im Familiengründungsalter, allerdings mit freien oder befristeten Verträgen und Überstundenpauschalen. Noch nicht etabliert, und im gegenwärtigen System auch ohne Aussicht darauf, es jemals zu werden. Dass es in Spitälern möglich ist, dass eine Ärztegeneration nach dem Mittagessen in ihre Privatpraxis verschwindet, während eine andere ein Drittel ihres Einkommens durch Nachtdienste bestreitet, ist Symptom einer gewaltigen gesellschaftlichen Schieflage, die auch die Statistik belegt: Junge Menschen zwischen 20 und 29 mussten seit 2001 bei ihrem Reallohn zehn Prozentpunkte einbüßen. 40- bis 59-Jährige konnten ihr Einkommen hingegen fast halten.

Die Politik redet lieber über Ärztearbeitszeiten als über das wahltaktische, weil demographisch heikle, Thema Generationengerechtigkeit: Die SPÖ steht eng bei den Gewerkschaften, die wiederum damit beschäftigt sind, erkämpfte Pfründe zu verteidigen. Und die (Junge) ÖVP blendet ihr einstiges Lieblingsthema konsequent aus, seit Sebastian Kurz für das Weltgeschehen zuständig ist. Bleibt also nur noch die Hoffnung auf die Götter.