Chris Lohner - © picturedesk / Starpix
Gesellschaft

"Ich war einfach da"

1945 1960 1980 2000 2020

Chris Lohner – „Stimme der Nation“ und TV-Legende – über ihren Kultstatus, die Unsterblichkeit und die Vorteile, ein Promi zu sein.

1945 1960 1980 2000 2020

Chris Lohner – „Stimme der Nation“ und TV-Legende – über ihren Kultstatus, die Unsterblichkeit und die Vorteile, ein Promi zu sein.

Seit April 2019 schreibt Chris Lohner an ihrem 13. Buch, in dem sie ihre Jugend in Wien thematisiert (erscheint im März). Das FURCHE-Interview nimmt sie zum Anlass, um einen Tag Pause einzulegen. Sie hätte es die vergangenen Monate etwas übertrieben mit der Arbeit, erzählt Österreichs wohl bekanntester Rotschopf in ihrem Haus in Wien-
Liesing. Im Sommer wird die TV-Legende und Stimme der ÖBB (täglich hören sie über 1,4 Millionen Pendler) 77 Jahre alt – für sie dennoch kein Grund, künftig kürzer zu treten. Sie hat noch viel vor. „Reisen zum Beispiel oder Sprachen lernen.“ Fasziniert zeigt sich die regelmäßige Facebook-Userin und YouTuberin auch von der Digitaltechnologie. Sie sagt: An dem eigentlich blöden Spruch, ‚Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit‘, ist schon etwas dran.“

DIE FURCHE: Frau Lohner, wie erklären Sie sich Ihren Kultstatus?
Chris Lohner:
Das empfindet man ja selber nicht so. Aber was ich dazu sagen kann: Als ich 1973 zum Fernsehen gekommen bin, damals gab es weder Privatsender noch Internet, kam man an mir quasi nicht vorbei. Man schaltete das Gerät ein und ich war einfach da. Ob man mich mochte oder nicht. Man musste sich mit mir abfinden.

DIE FURCHE: Wer sich 47 Jahre in der Öffentlichkeit behaupten kann, der muss etwas haben, das anderen fehlt. Was ist das bei Ihnen?
Lohner:
Offenbar habe ich etwas richtig gemacht, oder auch einen Nerv der Zeit getroffen. Einige attestieren mir Charisma. Ich weiß nicht, ob sie recht haben. Das kann ich über mich schlecht beurteilen. Was ich sagen kann: Ich war fleißig, neugierig und ich habe Freude ausgestrahlt. Ich hatte eben das Glück, mein Talent auszuleben.

DIE FURCHE: Auch mit Ihrer Stimme?
Lohner:
Dass meine Stimme so unverkennbar ist, dafür habe ich keine Erklärung. Für mich ist sie ganz normal. Ich bin damit groß geworden. Dass meine Stimme einen besonderen Wiedererkennungswert hat, das sagen die Leute oft zu mir. Für mich selbst ist das schwer nachvollziehbar. Aber offenbar stimmt es. Ich bekomme oft noch Post von Menschen, die schreiben, dass, wenn sie aus dem Urlaub nach Hause kommen und meine Stimme am Bahnsteig hören, das für sie ein Stück Nachhausekommen ist.