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Gesellschaft

"Ich will in Bewegung bleiben“

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Seit zehn Jahren ist Ursula Schmalzl Obfrau des Pfarrgemeinderates im salzburgischen Bergheim und Mitarbeiterin diözesaner Gremien. Ebenso lange hat sie das Gehen für sich entdeckt: "Nicht stehen bleiben“ lautet ihr Motto - in der Kirche wie an der frischen Luft.

Hier in der Pfarrkirche von Bergheim bei Salzburg stören die Kinderwägen im Mittelgang der Kirche überhaupt nicht. Kleinkinder glucksen, lachen und einige granteln bereits dem Schluss-Segen entgegen. Dieser Sonntagsgottesdienst steht ganz im Zeichen der Täuflinge. "Wir feiern die Täuflingsmesse einmal pro Jahr“, erklärt Ursula Schmalzl das fröhliche Kirchenambiente, in dem auch den Musikern mit Applaus gedankt wird. "Zu dieser Harmonie sind wir als Pfarrgemeinde durch unsere Klarheit gelangt. Das war ein nicht immer friktionsfreier Prozess, den wir gemeinsam gegangen sind.“

Bis zum Jahr 2002 war die Juristin, die zehn Jahre lang in der Anwaltskanzlei ihres Vaters in Salzburg gearbeitet hat und seither Rechts- und Buchhaltungskurse in der beruflichen Erwachsenenbildung gibt, eine ganz normale Kirchgängerin in Bergheim. Regelmäßig den Sonntagsgottesdienst zu besuchen, ist ihr als Schülerin der Ursulinen, aber auch von der Großmutter und ihrem Vater als Verpflichtung ins Leben mitgegeben worden. Ein Auftrag, der für sie mit den zunehmenden Herausforderungen des Lebens immer wichtiger geworden ist. Als Schmalzl schließlich gefragt wird, ob sie nicht für die Pfarrgemeinderatswahl 2002 in Bergheim kandidieren möchte, sagt sie deshalb "ja“ - und wird nach der Wahl sogleich zur Obfrau gewählt.

Anstoßen an der gläsernen Decke

Ungefähr zehn Stunden pro Woche engagiert sich die 51-Jährige heute ehrenamtlich für ihre Kirche: in der Pfarre (unter anderem auch als Leiterin des Katholischen Bildungswerks Bergheim), im diözesanen Pastoralrat sowie als Dekanatsvertreterin. "Ich bin eine gute Analytikerin und benenne die Schwierigkeiten“, sagt sie über sich selbst. "Außerdem verweise ich immer wieder auf die gläserne Decke: Einerseits werden Reformideen eingebracht, andererseits scheint man diese Decke - etwa in der Frage der wiederverheirateten Geschiedenen - nicht durchstoßen zu können.“

Die Menschen in der Pfarre Bergheim vertrauen jedenfalls ihrer Obfrau, die sich nach dem Pfarrcafé im Anschluss an die Messe zielstrebig auf den Heimweg macht. "Ich war lange Zeit meines Lebens zu schnell unterwegs. Früher bin ich gelaufen, heute gehe ich alles ruhiger an - symbolisch und auch ganz real“, erzählt sie. "Ich will nicht stehen, sondern einfach in Bewegung bleiben.“ Mit einem Schmunzeln erläutert die verheiratete Frau und Mutter einer 23-jährigen Tochter und eines 13-jährigen Sohnes ihre momentane "Gangart“ durchs Leben - und holt zu Hause ihre Wanderschuhe aus dem Regal. Ihre Jagdprüfung erwähnt sie beiläufig, von der Zeit, die sie in der Natur verbringt, schwärmt sie hingegen ausführlicher. Der Kontakt zu den Menschen in der Pfarre, die Freundschaften, die sich daraus ergeben, sind genauso Antrieb zum Weitermachen wie der Wunsch, dem eigenen Leben Sinn zu verleihen: "Ich finde diesen Sinn in den konkreten Aussagen, die Jesus in den Evangelien zu den verschiedenen Fragen des menschlichen Lebens macht“, erklärt sie ihre Motivation. "Daher will ich auch, dass dieser Zugang vielen anderen Menschen möglich bleibt und nicht verstellt wird durch theologisch und menschlich nicht mehr zu vertretende Vorstellungen zur Sexual- und Gesellschaftsmoral der Amtskirche.“

Voll Leidenschaft arbeitet Ursula Schmalzl auch in der Taxhamer Pfarrgemeinderats-Initiative mit, die sich kritisch mit der geplanten Gründung von Pfarrverbänden als Folge des Priestermangels auseinandersetzt und mehr Kompetenzen für engagierte Laien fordert. Sie selbst sieht es als ihre größte Aufgabe, in ihrer dritten Amtsperiode nach der Pfarrgemeinderatswahl am 18. März die Seelsorge für die Menschen am Ort trotz drohenden Pfarrverbands sicherzustellen. Sie will von den kirchlichen Entscheidungsträgern wissen, wie diese Strukturebene mit Leben und Spiritualität erfüllt werden kann: "Ich weiß, worauf ich mich einlasse. Dafür will ich auch kein Geplänkel in den Sitzungen, sondern echte Diskussionen.“

Nicht gleich in möglichst viele Gremien

Was die Pfarrgemeinderatswahl selbst betrifft, so freue sie sich, "wenn auch neue Mitglieder kommen und mittun wollen, weil es bei uns hier nett ist“, so Schmalzl. "Das ist ein Erfolg, dafür müssen die Neuen nicht gleich in möglichst vielen Gremien und Ausschüssen dabei sein.“ Ehrenamtliche schrecke es ab, nach dem "Ja“ zur Pfarrgemeinderats-Kandidatur gleich weitere Ehrenämter nachdrücklich angeboten zu bekommen.

Sie selbst will jedenfalls weiter vermitteln, was das Zweite Vatikanum an Laienbeteiligung vorgegeben hat und was noch immer nicht erfüllt ist. "Laien sind keine Notnägel, sondern engagierte Christinnen und Christen, die gestalten können und auch wollen“, sagt sie. Im Schaukasten hinter ihr leuchtet das Wahlplakat für den 18. März in rot und gelb den Passanten entgegen: "Gut, dass es die Pfarre gibt“, so das Wahlmotto. Ursula Schmalzl wird diese Aussage mit Nachdruck in Bewegung halten.

Seit zehn Jahren ist Ursula Schmalzl Obfrau des Pfarrgemeinderates im salzburgischen Bergheim und Mitarbeiterin diözesaner Gremien. Ebenso lange hat sie das Gehen für sich entdeckt: "Nicht stehen bleiben“ lautet ihr Motto - in der Kirche wie an der frischen Luft.

Hier in der Pfarrkirche von Bergheim bei Salzburg stören die Kinderwägen im Mittelgang der Kirche überhaupt nicht. Kleinkinder glucksen, lachen und einige granteln bereits dem Schluss-Segen entgegen. Dieser Sonntagsgottesdienst steht ganz im Zeichen der Täuflinge. "Wir feiern die Täuflingsmesse einmal pro Jahr“, erklärt Ursula Schmalzl das fröhliche Kirchenambiente, in dem auch den Musikern mit Applaus gedankt wird. "Zu dieser Harmonie sind wir als Pfarrgemeinde durch unsere Klarheit gelangt. Das war ein nicht immer friktionsfreier Prozess, den wir gemeinsam gegangen sind.“

Bis zum Jahr 2002 war die Juristin, die zehn Jahre lang in der Anwaltskanzlei ihres Vaters in Salzburg gearbeitet hat und seither Rechts- und Buchhaltungskurse in der beruflichen Erwachsenenbildung gibt, eine ganz normale Kirchgängerin in Bergheim. Regelmäßig den Sonntagsgottesdienst zu besuchen, ist ihr als Schülerin der Ursulinen, aber auch von der Großmutter und ihrem Vater als Verpflichtung ins Leben mitgegeben worden. Ein Auftrag, der für sie mit den zunehmenden Herausforderungen des Lebens immer wichtiger geworden ist. Als Schmalzl schließlich gefragt wird, ob sie nicht für die Pfarrgemeinderatswahl 2002 in Bergheim kandidieren möchte, sagt sie deshalb "ja“ - und wird nach der Wahl sogleich zur Obfrau gewählt.

Anstoßen an der gläsernen Decke

Ungefähr zehn Stunden pro Woche engagiert sich die 51-Jährige heute ehrenamtlich für ihre Kirche: in der Pfarre (unter anderem auch als Leiterin des Katholischen Bildungswerks Bergheim), im diözesanen Pastoralrat sowie als Dekanatsvertreterin. "Ich bin eine gute Analytikerin und benenne die Schwierigkeiten“, sagt sie über sich selbst. "Außerdem verweise ich immer wieder auf die gläserne Decke: Einerseits werden Reformideen eingebracht, andererseits scheint man diese Decke - etwa in der Frage der wiederverheirateten Geschiedenen - nicht durchstoßen zu können.“

Die Menschen in der Pfarre Bergheim vertrauen jedenfalls ihrer Obfrau, die sich nach dem Pfarrcafé im Anschluss an die Messe zielstrebig auf den Heimweg macht. "Ich war lange Zeit meines Lebens zu schnell unterwegs. Früher bin ich gelaufen, heute gehe ich alles ruhiger an - symbolisch und auch ganz real“, erzählt sie. "Ich will nicht stehen, sondern einfach in Bewegung bleiben.“ Mit einem Schmunzeln erläutert die verheiratete Frau und Mutter einer 23-jährigen Tochter und eines 13-jährigen Sohnes ihre momentane "Gangart“ durchs Leben - und holt zu Hause ihre Wanderschuhe aus dem Regal. Ihre Jagdprüfung erwähnt sie beiläufig, von der Zeit, die sie in der Natur verbringt, schwärmt sie hingegen ausführlicher. Der Kontakt zu den Menschen in der Pfarre, die Freundschaften, die sich daraus ergeben, sind genauso Antrieb zum Weitermachen wie der Wunsch, dem eigenen Leben Sinn zu verleihen: "Ich finde diesen Sinn in den konkreten Aussagen, die Jesus in den Evangelien zu den verschiedenen Fragen des menschlichen Lebens macht“, erklärt sie ihre Motivation. "Daher will ich auch, dass dieser Zugang vielen anderen Menschen möglich bleibt und nicht verstellt wird durch theologisch und menschlich nicht mehr zu vertretende Vorstellungen zur Sexual- und Gesellschaftsmoral der Amtskirche.“

Voll Leidenschaft arbeitet Ursula Schmalzl auch in der Taxhamer Pfarrgemeinderats-Initiative mit, die sich kritisch mit der geplanten Gründung von Pfarrverbänden als Folge des Priestermangels auseinandersetzt und mehr Kompetenzen für engagierte Laien fordert. Sie selbst sieht es als ihre größte Aufgabe, in ihrer dritten Amtsperiode nach der Pfarrgemeinderatswahl am 18. März die Seelsorge für die Menschen am Ort trotz drohenden Pfarrverbands sicherzustellen. Sie will von den kirchlichen Entscheidungsträgern wissen, wie diese Strukturebene mit Leben und Spiritualität erfüllt werden kann: "Ich weiß, worauf ich mich einlasse. Dafür will ich auch kein Geplänkel in den Sitzungen, sondern echte Diskussionen.“

Nicht gleich in möglichst viele Gremien

Was die Pfarrgemeinderatswahl selbst betrifft, so freue sie sich, "wenn auch neue Mitglieder kommen und mittun wollen, weil es bei uns hier nett ist“, so Schmalzl. "Das ist ein Erfolg, dafür müssen die Neuen nicht gleich in möglichst vielen Gremien und Ausschüssen dabei sein.“ Ehrenamtliche schrecke es ab, nach dem "Ja“ zur Pfarrgemeinderats-Kandidatur gleich weitere Ehrenämter nachdrücklich angeboten zu bekommen.

Sie selbst will jedenfalls weiter vermitteln, was das Zweite Vatikanum an Laienbeteiligung vorgegeben hat und was noch immer nicht erfüllt ist. "Laien sind keine Notnägel, sondern engagierte Christinnen und Christen, die gestalten können und auch wollen“, sagt sie. Im Schaukasten hinter ihr leuchtet das Wahlplakat für den 18. März in rot und gelb den Passanten entgegen: "Gut, dass es die Pfarre gibt“, so das Wahlmotto. Ursula Schmalzl wird diese Aussage mit Nachdruck in Bewegung halten.