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Ignorieren ist der falsche Weg

Ab sofort erhalten knapp 200.000 Wienerinnen zwischen 50 und 70 einen persönlichen Einladungsbrief zu einer Mammographie, der wichtigsten Vorsorgeuntersuchung für Brustkrebs (Mammakarzinom). Damit startet eine der größten Brustkrebsvorsorge-Kampagnen Europas. Im Rahmen der Kampagne, die über 20 Monate laufen wird, erhält jede Wiener Frau dieser Altersgruppe einen persönlichen Brief mit einem kostenlosen Mammographie-Untersuchungsscheck. Dieser macht das Besorgen eines eigenen Krankenscheins überflüssig. Ebenfalls in dem Brief befinden sich ein Folder mit dem Titel "Die Klügere sieht nach", eine Kurzinfo sowie eine Anleitung zur Brust-Selbstuntersuchung.

Jede Frau bekommt innerhalb einer bestimmten Woche einen Untersuchungstermin bei einem radiologischen Institut in ihrer Nähe vorgeschlagen. Neben einer klinischen Untersuchung und einer Mammographie kann hier - freiwillig - eine Ultraschalldiagnose erfolgen. Als Qualitätssicherung bei nicht eindeutigem Befund erfolgt eine Zweitbegutachtung des Mammographiebildes. Innerhalb von acht Tagen wird der Befund geliefert. Bei Karzinom-Verdacht wird in einem persönlichen Gespräch eine Liste aller teilnehmender Brustambulanzen übergeben. Unabhängig davon werden auf Wunsch die Befunde auch dem Vertrauensarzt übermittelt. In der Brustambulanz erfolgt schließlich die eventuell notwendige individuelle Krankenbehandlung. Insgesamt rechnen die Organisatoren - die Stadt Wien, die Wiener Gebietskrankenkasse, die Wiener Ärztekammer und die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte, Universitätsprofessor Beate Wimmer-Puchinger - jährlich mit bis zu 35.000 zusätzlichen Untersuchungen. Zum Vergleich: 1998/99 wurden in Wien rund 50.000 Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren mammographiert.

Rund 900 Wienerinnen erkranken jährlich an Brustkrebs, Tendenz steigend. Etwa 400 sterben daran. Insgesamt muss jede neunte Frau damit rechnen, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. 25 Prozent aller bösartigen Krebse bei Frauen gehen auf diesen Krebs zurück. Wien ist in Österreich trauriger Spitzenreiter.

In den letzten Jahren wurden bei der Brustkrebsbehandlung große Fortschritte erzielt. So werden heute 75 bis 80 Prozent der Brustoperationen "brusterhaltend" durchgeführt. Bei kleinen Tumoren, die rechtzeitig entdeckt werden und noch nicht auf die Lymphknoten übergegriffen haben, liegt die Überlebensrate bei 75 bis 80 Prozent. Kommt eine zusätzliche Behandlung hinzu, steigt diese sogar auf 92 Prozent an. Eine mögliche Erkrankung zu ignorieren ist daher sicherlich nicht der richtige Weg, appellieren die Ärzte. Trotzdem nimmt nur die Hälfte aller Frauen zwischen 50 und 70 routinemäßig die Mammographie in Anspruch, obwohl bis zu 30 Prozent der Brustkrebserkrankungen dadurch verhindert werden könnten. Langfristig, so die Initiatoren, sollen mit dem neuen Vorsorgeprogramm 75 Prozent der Frauen zwischen 50 und 70 zur regelmäßigen Kontrolle motiviert werden.

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