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Ihr seid Kapital und Visitenkarte Christi/Sich ins Alphabet des Glaubens einlesen

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Pfarren sollen um Berufungen beten, Priester können nur durch Priester ersetzt werden und sind kein Auslaufmodell: Auszüge aus der St. Pöltner Papstpredigt.

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Pfarren sollen um Berufungen beten, Priester können nur durch Priester ersetzt werden und sind kein Auslaufmodell: Auszüge aus der St. Pöltner Papstpredigt.

Ihr seid Gesprächspartner Gottes! Seit ihr in der Taufe zu Christus gehört, hat Gott euch in Christus zu seinen Söhnen und Töchtern adoptiert. Seid euch dieser hohen Würde bewußt! Verspielt nicht diese große Ehre!

Gott hat mit jedem von euch einen ganz persönlichen Plan. Sein Auge ist jedem liebend zugewandt. Er schenkt allen immer sein Ohr. Wie ein treusorgender und feinfühliger Vater ist Er euch nahe. Er gibt euch das, was Ihr zum neuen Leben braucht: Seinen Heiligen Geist.

Hören und Anbeten Mit eurer Eingliederung in die Kirche habt Ihr nicht nur den Namen "Christen, Gesalbte", erhalten, sondern auch die Salbung des Heiligen Geistes. Deshalb sollt ihr nicht nur Christen heißen, sondern es in Wahrheit sein. Der Geist Gottes ruht auf euch. Denn der Herr hat euch gesalbt (Lk 4, 18).

Im neuen Leben, das der Taufe entspringt und sich durch das Wort und die Sakramente entfaltet, finden die Gnadengaben, die Ämter und die verschiedenen Formen des gottgeweihten Lebens ihre Nahrung ...

Neue Berufungen sind auch heute möglich durch den Heiligen Geist. Dafür muß man eine Umgebung schaffen, die dem Hören auf Gottes Anruf förderlich ist. Große Bedeutung kommt dabei den Pfarrgemeinden zu. Wenn dort eine Haltung wahrer Treue zum Herrn gelebt wird und ein Klima tiefer Religiosität und ehrlicher Bereitschaft zum Zeugnis herrscht, ist es für einen Berufenen leichter, mit "Ja" zu antworten. Die Lebendigkeit einer Pfarrgemeinde wird ja nicht nur an der Anzahl ihrer Aktionen gemessen, sondern an der Tiefe ihres Gebetslebens. Das Hören auf Gottes Wort auf der einen und die Feier und Anbetung der Eucharistie auf der anderen Seite sind die beiden tragenden Säulen, die einer Pfarrgemeinde Halt und Festigkeit geben.

Das Klagen über den Mangel an Priestern und Ordensleuten hilft wenig. Berufungen sind menschlich nicht zu "machen". Berufungen können aber von Gott erbeten werden. Mein Wunsch ist es, daß Ihr den Herrn der Ernte inständig und stetig um neue Berufungen zum Priestertum und zum gottgeweihten Leben bittet. - Als Jesus am Kreuz seinen Geist an den Vater zurückgab, machte er aus allen Jüngern ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk (Ex 19,6). Er baute sie zu einem geistigen Haus auf, zu einer heiligen Priesterschaft, um geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen (1 Petr 2,5). Dies ist das gemeinsame Priestertum, zu dessen Dienst er die Zwölf berufen hat, daß sie mit ihm seien (Mk 3,14). Dann sandte er sie aus, damit sie in seinem Namen und an seine Stelle handelten.

Durch das Amtspriestertum führt Christus bis heute seine Heilssendung ununterbrochen fort. Er hat dafür Bischöfe und Priester eingesetzt, die in der Kirche und für die Kirche eine sakramentale Vergegenwärtigung Jesu Christi, des Hauptes und Hirten, sind; sie verkündigen mit Vollmacht sein Wort, sie wiederholen sein vergebendes Wirken und sein umfassendes Heilsangebot. Sie sind gesandt, um den Armen eine gute Nachricht zu bringen, um den Gefangenen die Entlassung zu verkünden und den Blinden das Augenlicht und um die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen (vgl. Lk 4, 18). Das Amt in der Kirche ist also keine menschliche Errungenschaft. Es ist eine göttliche Stiftung. Bei aller Anerkennung und Wertschätzung für die kostbaren Dienste der Laien in den Pfarrgemeinden darf man nicht vergessen: Im sakramentalen Bereich kann der Laie nie das ersetzen, was den Priester auszeichnet. Letztlich kann ein Priester nur von einem Priester ersetzt werden ...

Liebe Priester, die jungen Menschen schauen auf Euch. Sie sollen feststellen, daß ihr trotz Eurer Arbeitslast frohe Diener des Evangeliums seid und in der Wahl Eurer Lebensform Erfüllung und Zufriedenheit findet. An Eurem Zeugnis sollen die jungen Menschen sehen: Das Priestertum ist kein Auslaufmodell, sondern eine Berufung mit Zukunft! ...

Nicht vergessen möchte ich die christlichen Eheleute. Auch eure Lebensform ist eine Berufung! Ich spreche euch mein Lob aus und ermutige euch in allen Euren Anstrengungen, aus der Gnade des Ehesakramentes zu leben. Eure Familien mögen "Hauskirchen" sein, in denen die Kinder lernen, den Glauben zu leben und zu feiern ...

Grammatik des Lebens In den Familien entscheidet sich auch die Zukunft von Kirche und Gesellschaft. Neben den vielen pastoralen Initiativen und Hilfen erwähne ich besonders das Internationale Theologische Institut für Studien zu Ehe und Familie, das als junge Pflanze in Gaming eingesetzt wurde und von den Bischöfen Österreichs mitgetragen wird ...

Liebe Schwestern und Brüder! Wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott (1 Joh 4, 7). Viele unserer Zeitgenossen haben Gott als Vater verloren. Deshalb fehlt ihnen auch die Muttersprache des Glaubens. Helfen wir ihnen, sich in das Alphabet des Glaubens einzulesen. Zuneigung, Anteilnahme und Liebe gehören in den religiösen Grundwortschatz, den jeder versteht. Darauf kann man eine Grammatik des Lebens aufbauen, die dem Menschen hilft, den Plan, den Gott mit ihm hat, im Heiligen Geist zu buchstabieren.

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