Schule - © Margit Ehrenhöfer

Inklusion mit Ablaufdatum: Behinderung und Förderbedarf im Schulsystem

1945 1960 1980 2000 2020

Mit der neunten Schulstufe endet für Kinder mit Behinderung oder sonderpädagogischem Förderbedarf inklusives Lernen automatisch. Was ihnen für die Zukunft bleibt und wie Covid-19 den Schulalltag beeinflusst.

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Mit der neunten Schulstufe endet für Kinder mit Behinderung oder sonderpädagogischem Förderbedarf inklusives Lernen automatisch. Was ihnen für die Zukunft bleibt und wie Covid-19 den Schulalltag beeinflusst.

„Wer hat denn hier Haare?“, fragt die Museumsführerin eine Gruppe Kinder und zieht die zusammengehaltenen Zeigefinger und Daumen von ihren Wangen zur Seite weg. „In der Gebärdensprache bedeutet das ‚Katze‘.“ In der Vitrine hinter der Kindergruppe sind Hörapparate und Hörrohre in unterschiedlichen Größen aufgereiht. „Taub. Stumm.“ steht auf der Informationstafel darüber. Der Raum rundherum ist einer Mathematikklasse um 1900 nachempfunden. Kaiser Franz-Joseph blickt neben der Tafel auf die Schulbänke herab.

Im Schulmuseum Michelstetten im Weinviertel können Besucher(innen) in die Entwicklung des österreichischen Schulsystems eintauchen. Aktuell gibt der Schwerpunkt „Blind. Taub. Krüppel … Zur Geschichte von Behinderung und Schule“ (noch bis 31. Oktober) Anstoß, sich mit Vielfalt und Inklusion und der Frage nach einer „Schule für alle“ auseinanderzusetzen. Die entsprechenden Bereiche in den fünf historischen Klassenräumen widmen sich jeweils einer Form von Behinderung (siehe Titelbild). Am Ende steht die Frage: Ist die Inklusion aller in ein gemeinsames Lernen möglich?

Inklusion statt Sonderschule

Wie sieht der Zugang zu Bildung für Kinder mit Sinnes- oder kognitiven Behinderungen, körperlichen Einschränkungen sowie Lernschwierigkeiten heute aus? Umgangssprachlich spricht man meist von der Sonderschule, die Kinder und Jugendliche, welche dem Regelunterricht nicht folgen oder beiwohnen können, besuchen.

Dabei gibt es „die Sonderschule“ in Österreich grundsätzlich nicht, denn man unterscheidet zwischen zehn verschiedenen Sparten. Neben der Allgemeinen Sonderschule (ASO) gibt es etwa jene für Gehörlose, für Blinde oder Schwerstbehinderte beziehungsweise Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. Bis zum Jahr 2020 hätten Sonderschulen überdies zur Ausnahme werden sollen. Stattdessen standen Modellregionen mit inklusivem Unterricht auf dem Plan, in denen Schülerinnen und Schüler mit und ohne Beeinträchtigung unter einem Dach unterrichtet werden sollten. Die Realität sieht anders aus.

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