Digital In Arbeit
Gesellschaft

Komm, wir üben Diktat!

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Die heutige Sichtweise zum Thema Legasthenie ist ernüchternd. Die Schwierigkeiten eines Kindes beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens bei normaler Intelligenz werden als Schul- und Lernproblem wie jedes andere auch gesehen. Auf den verwirrend-diskriminierenden Begriff "Legasthenie" wird zunehmend verzichtet, statt dessen spricht man von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (LRS).

Von entscheidender Bedeutung ist die Einstellung zum Kind. Es gilt, an seinem individuellen Leistungsstand und Lerntempo anzusetzen, sein angeschlagenes Selbstwertgefühl wieder aufzubauen und konkret an seinen Defiziten zu arbeiten. In jedem Fall ist die Arbeit mühsam, Spontanerfolge sind selten.

Eltern neigen immer wieder zu Maßnahmen, die absolut nicht empfehlenswert sind: * Entweder sie beginnen damit, zuhause verstärkt "Diktat" zu üben. Wie der Lehrer in der Schule, so geben auch sie dem Kind immer wieder Texte an, die sie anschließend mit zunehmend finster werdender Miene korrigieren. Im positiven Fall endet das ganze mit einem gerade noch kontrollierbaren Ausbruch an elterlicher Enttäuschung. Der grundsätzliche Fehler dabei: Diktate sind kein Mittel des Übens. Denn das rechtschreibschwache Kind erlebt dabei nur immer wiederkehrend dasselbe: Schon wieder so viele Fehler! Diktate haben nur dann Sinn, wenn sie der Kontrolle vorhergehender Lernschritte dienen.

* Der zweite Reflex, dem Eltern unterliegen, ist der voreilige Griff zu einem "Legastheniker"-Programm. Im Handel gibt es davon Dutzende. Leider raten manchmal auch Experten zu einseitigen Übungsmaterialien. Dazu kommen die vielversprechenden neuen Multimedia-CD-Roms mit ihren Versprechungen vom "easy-learning". Auf unterhaltsame Weise werden dort die Kinder in Fantasiewelten entführt (wie im Schreib-Spiel "Fürst Marigor"), oder sie betätigen sich als Detektive (im Lese- und Rechtschreib-Krimi vom "Meisterdetektiv Lork").

Leider haben derartige Spielereien meist nur geringe Auswirkungen auf die schulische Rechtschreibleistung. Was nützten schließlich die schönsten Bild- und Toneinspielungen, wenn das Programm nicht dort ansetzt, wo die spezifischen Probleme des Kindes liegen. Denn viele Übungsmaterialien haben für das Erlernen der Rechtschreibung denselben Übungseffekt wie Trockenübungen im Sport: Nämlich keinen! Es findet - psychologisch ausgedrückt - kein "Lern-Transfer" statt, das Kind erlebt keinen Lernfortschritt.

Die heutige Sichtweise zum Thema Legasthenie ist ernüchternd. Die Schwierigkeiten eines Kindes beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens bei normaler Intelligenz werden als Schul- und Lernproblem wie jedes andere auch gesehen. Auf den verwirrend-diskriminierenden Begriff "Legasthenie" wird zunehmend verzichtet, statt dessen spricht man von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (LRS).

Von entscheidender Bedeutung ist die Einstellung zum Kind. Es gilt, an seinem individuellen Leistungsstand und Lerntempo anzusetzen, sein angeschlagenes Selbstwertgefühl wieder aufzubauen und konkret an seinen Defiziten zu arbeiten. In jedem Fall ist die Arbeit mühsam, Spontanerfolge sind selten.

Eltern neigen immer wieder zu Maßnahmen, die absolut nicht empfehlenswert sind: * Entweder sie beginnen damit, zuhause verstärkt "Diktat" zu üben. Wie der Lehrer in der Schule, so geben auch sie dem Kind immer wieder Texte an, die sie anschließend mit zunehmend finster werdender Miene korrigieren. Im positiven Fall endet das ganze mit einem gerade noch kontrollierbaren Ausbruch an elterlicher Enttäuschung. Der grundsätzliche Fehler dabei: Diktate sind kein Mittel des Übens. Denn das rechtschreibschwache Kind erlebt dabei nur immer wiederkehrend dasselbe: Schon wieder so viele Fehler! Diktate haben nur dann Sinn, wenn sie der Kontrolle vorhergehender Lernschritte dienen.

* Der zweite Reflex, dem Eltern unterliegen, ist der voreilige Griff zu einem "Legastheniker"-Programm. Im Handel gibt es davon Dutzende. Leider raten manchmal auch Experten zu einseitigen Übungsmaterialien. Dazu kommen die vielversprechenden neuen Multimedia-CD-Roms mit ihren Versprechungen vom "easy-learning". Auf unterhaltsame Weise werden dort die Kinder in Fantasiewelten entführt (wie im Schreib-Spiel "Fürst Marigor"), oder sie betätigen sich als Detektive (im Lese- und Rechtschreib-Krimi vom "Meisterdetektiv Lork").

Leider haben derartige Spielereien meist nur geringe Auswirkungen auf die schulische Rechtschreibleistung. Was nützten schließlich die schönsten Bild- und Toneinspielungen, wenn das Programm nicht dort ansetzt, wo die spezifischen Probleme des Kindes liegen. Denn viele Übungsmaterialien haben für das Erlernen der Rechtschreibung denselben Übungseffekt wie Trockenübungen im Sport: Nämlich keinen! Es findet - psychologisch ausgedrückt - kein "Lern-Transfer" statt, das Kind erlebt keinen Lernfortschritt.