Kinder

Krieg: Wie mit Kindern darüber reden?

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Wie Kindern den Krieg in der Ukraine erklären? Diese Frage treibt dieser Tage viele Eltern und Betreuer(innen) um. Eine Suche nach Antworten bei einer Kriseninterventions-Expertin sowie in der Kinderliteratur.

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Wie Kindern den Krieg in der Ukraine erklären? Diese Frage treibt dieser Tage viele Eltern und Betreuer(innen) um. Eine Suche nach Antworten bei einer Kriseninterventions-Expertin sowie in der Kinderliteratur.

Soldaten platzieren in einem Wald einen Panzer. Die Kinder, die vorher zwischen den Bäumen gespielt hatten, verscheuchen sie. Von einem Versteck aus, beobachten das Mädchen und die beiden Buben die Szenerie. Als die Soldaten wieder verschwinden, inspizieren sie den Panzer. Das Mädchen will eine Prinzessin sein, beschließt, den Panzer zu ihrem Schloss umzufunktionieren. Ihre Spielkameraden lassen sich auf dieses Spiel ein.

Eine Fantasiewelt entsteht, die letztlich auch die zurückkehrenden Soldaten und deren Gegner zum Umdenken bewegt. Die Grazerin Lisa Aigelsperger liefert in ihrem jüngst erschienenen Buch „Panzerschloss“ einen Vorschlag zur Frage, die sich dieser Tage viele Eltern und Pädagogen stellen: Wie erklärt man Kindern den Krieg?

Ehrlichkeit, Sicherheit und Schutz: Diese drei Schlüsselbegriffe nennt die Familientherapeutin und Kriseninterventions-Expertin Monika Baumann als Maxime beim Gespräch mit Heranwachsenden über die gegenwärtige Situation in der Ukraine.

Die Fragen in den Vordergrund stellen

So würde sich der Realitätssinn eines Menschen ungefähr um das achte Lebensjahr entwickeln. Vorher könnten Entwickungsforscher(innen) nur spekulieren, was in den Köpfen der Heranwachsenden vorgeht. Wie ein Kind auf eine bestimmte Nachricht reagiert, sei daher schwer vorhersehbar, was nicht heißt, dass man die Tatsachen von ihm fernhalten oder abstreiten soll. „Ich halte viel von dosierter Ehrlichkeit“, sagt Baumann.

Einem Volksschüler könne man beispielsweise sehr wohl erklären, dass es aktuell ein Problem gibt. „Und zwar in einem Land, das einige hundert Kilometer von uns entfernt liegt.“ Auch könne von Ereignissen gesprochen werden, die nicht schön, ja zutiefst verstörend sind. „Letztlich liegt es im Gespür des Erwachsenen, inwieweit er ins Detail gehen will“, sagt Baumann, die ohnehin dafür plädiert, nicht das Übermitteln von Informationen bei der Kinderarbeit im Vordergrund zu stellen.

Vielmehr ginge es darum, Fragen wie „Was hast du über den Krieg schon gehört?“ oder „Was willst du über den Krieg wissen?“ zu stellen. Die Expertin geht davon aus, dass im Zeitalter der digitalen Medien jeder Heranwachsende in Österreich früher oder später in der Schule oder in seinem Freundeskreis mit dem Kriegsgeschehen in der Ukraine konfrontiert wird. Und genau hier müssten Eltern oder Betreuer ansetzen – wichtig sei vor allem, Kinder mit dem Gehörten oder Gesehenen nicht allein zu lassen, sondern zu helfen, die Fakten oder Bilder einzuordnen. „Ehrlichkeit bedeutet allerdings nicht, die Kleinen mit Sachverhalten zu überfordern.“

Medienkonsum als Gefahr für die Psyche

In Folge rät Baumann im FURCHE-Gespräch, den Bogen von der Ehrlichkeit zur Sicherheit zu spannen. „Wir müssen betonen, dass wir derzeit in Österreich in Sicherheit sind, dass die Gefahr weit weg ist und es Personen gibt, die sich rund um die Uhr für die Rückkehr des Friedens einsetzen.“

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