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Lachen als Therapie

Dass Lachen gesund ist, ist eine Binsenweisheit und braucht nicht näher erläutert zu werden. Seit vielen Jahren wird dieser Ansatz vor allem in der Kinderheilkunde erfolgreich verfolgt. Die Besuche von Clowns auf Stationen mit schwer kranken Kindern bringen den kleinen Patienten nicht nur Abwechslung und Spaß, sondern tragen auch zum Genesungsprozess bei.

Was sich in der Pädiatrie bereits bestens bewährt hat, versuchen die "Roten Nasen Clowndoctors" nun auch in der Geriatrie umzusetzen - Regelmäßige Clownbesuche sollen eine psychische Verbesserung des Allgemeinzustandes der Patienten, sowie Freude und Aufhellung bringen.

War die Idee, Kindern im Spital durch Clowns Freude zu bringen, von Anfang an unumstritten, so sahen sich die Initiatoren des Seniorenprogramms mit großer Skepsis seitens aller Beteiligten konfrontiert. Edith Heller, Leiterin des Seniorenprogramms der Roten Nasen, ist jedoch von dem Konzept überzeugt: "Der alte Patient hat dasselbe Bedürfnis, sich vom Spitalsalltag ablenken zu lassen, wie die Kinder."

Natürlich konnten die Kinderprogramme nicht unmittelbar in der Geriatrie umgesetzt werden. Gemeinsam mit Fachleuten wurden Konzepte erarbeitet, wie man den Ansprüchen des alten Publikums gerecht werden könnte. Der wichtigste Grundsatz dabei ist, den Patienten nie das Gefühl zu geben, dass sie der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Noch mehr als in der Kinderbetreuung wurde daher auf die künstlerische Qualität der Darbietungen Wert gelegt. Der Unterschied beginnt bereits bei den Kostümen der Clowns. Die Clowndoctors treten in geriatrischen Abteilungen weniger als "Kasper", denn als "komische Figur" auf. So wird beispielsweise auf das Markenzeichen, die rote Nase, unter Umständen verzichtet.

Das Repertoire der Clowndoctors ist auf die Lebenswelten und die Jugendzeit des Publikums ausgerichtet und umfasst Themen wie Musik, Schlager- und Literaturzitate, Theater- und Filmpersiflagen, die sich auf die 20er- bis 40er-Jahre beziehen. Wesentlich an den Besuchen der Clowns ist die persönliche Zuwendung zu den Patienten. Heller: "Unsere Clowns kennen die Patienten mit dem Namen, machen sich nach dem Besuch Notizen und können so individuell auf deren Wünsche und Probleme eingehen."

Im vergangenen Jahr wurde das Pilotprojekt des Seniorenprogramms der "Roten Nasen Clowndoctors" an drei Wiener Krankenanstalten gestartet. Die Erfahrungsberichte von Ärzten und Pflegepersonen aller Stationen ähneln einander sehr: Nach Abbau erster Berührungsängste wurden die "Roten Nasen" herzlich aufgenommen und die nächsten Besuche sehnsüchtig erwartet.

Die Besuche bringen den Patienten jedoch nicht nur Abwechslung für wenige Stunden, sondern es zeigt sich auch noch eine nachhaltige Wirkung Tage danach. Vor allem die Regelmäßigkeit - die Besuche erfolgen einmal wöchentlich zu festgesetzten Zeiten - sorgt dafür, dass die Patienten eine Strukturierung ihrer Zeit erfahren. Die Motivation geht so weit, dass eine Patientin, so berichtet Heller, sich am Tag vor dem Clownbesuch eine Spritze verabreichen lässt, um am nächsten Tag mittanzen zu können.

Primarius Franz Böhmer, Ärztlicher Leiter des Sozialmedizinischen Zentrums Sophienspital, betont den therapeutischen Effekt der Clownbesuche: "Die Tätigkeit der ,Roten Nasen' in geriatrischen Institutionen sehe ich als zusätzliche Therapie, welche ihren Platz neben medizinischen, physiotherapeutischen, ergotherapeutischen, medikamentösen und sonstigen Therapieformen einnehmen sollte."

Da die Arbeit der Clowns hohe soziale Kompetenz und großes Einfühlungsvermögen verlangt, legen die Roten Nasen strenge Auswahlkriterien bei der Wahl neuer Mitarbeiter an. Die Clowns sind Künstler, die eine intensive Einschulung und regelmäßige Fortbildung zu absolvieren haben. Denn Betreuung von geriatrischen Patienten, deren Allgemeinzustand von geistig rege bis dement reichen kann, ist auch für die Clowns psychisch belastend.

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