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Leser Briefe

... aber Politik macht das Umfeld und die Stimmung

Politik macht keine Kinder Von Rudolf Mitlöhner Nr. 33, Seite 1

Die Titelzeile Ihres sehr guten Artikels - "Politik macht keine Kinder" - ist sicherlich richtig, aber die Politik macht das Umfeld und die Stimmung. Das viele Geld hilft nur zum Teil, wenn nicht endlich auch jene Frauen, die zu Hause bleiben und sich für die Pflege und Erziehung ihrer Kinder entscheiden, von der Politik geachtet werden, und nicht nur jene Frauen, die Beruf und Karriere suchen, als Vorbilder dargestellt werden. Hier ist tatsächlich die Politik gefragt, die allgemeine Meinung zu korrigieren.

Dkfm. Karl Pilnacek 1160 Wien

Eigenverantwortung, Sparen und Produktion

Schieflage zwischen Alt und Jung Fokus Nr. 34, Seite 3-6

Das wirklich Besorgniserregende an der Debatte über die Generationengerechtigkeit ist die naive Staatsgläubigkeit von Herrn und Frau Österreicher. Allen Beteuerungen und dreisten Lügen der Politiker und Seniorenvertreter zum Trotz wird sich das Rentenniveau in den nächsten Jahren und Jahrzehnten um mindestens zwanzig Prozent oder mehr vermindern. Anstatt nur mit mehr oder weniger erfolgversprechenden Reformbemühungen an umlagefinanzierten, auf Pump aufgebauten und mit Scheingeld finanzierten staatlichen Rentensystemen herumzubasteln, wäre es allerhöchste Zeit, einen nachhaltigen Rahmen für betriebliche, kapitalgedeckte Zusatzpensionen zu schaffen. Ein Blick in die Schweiz ist hier wesentlich hilfreicher als in den hohen Norden. Die Eidgenossen haben bereits 1985 obligatorische Pensionskassen für alle Arbeiter, Angestellten und die öffentlich Bediensteten eingeführt. Diese anteilig durch die Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanzierten, steuerbegünstigten Vorsorgewerke sind die ideale Ergänzung zur ebenfalls obligatorischen, umlagefinanzierten und einheitlichen Staatsrente. Dieses nach oben hin limitierte Einkommen stellt für jedermann einen Sockel dar, welcher das Lebensminimum garantiert, es gibt keine Luxusrenten auf Kosten der Allgemeinheit. Wer mehr verdient, bezahlt auch höhere Beiträge in seine Pensionskasse und erhält bei Pensionseintritt legitimerweise auch die höheren Renten. Heute stellt das Pensionskassenvermögen der Schweizer etwa 600 Milliarden Euro dar. Es ist international gut investiert, hauptsächlich in reale Werte wie Immobilien und Aktien von Unternehmen. Daran sollte sich Österreich ein Beispiel nehmen, Reichtum kommt nur aus Eigenverantwortung, Ersparnissen und Produktion.

Othmar Walser 6900 Bregenz

Expertenmeinungen und das wirkliche Leben

Überschuss an Stoff trifft auf Defizit an Zeit Von Julia Ortner Nr. 33, Seite 14 Die Macht der Sprache Von Veronika Schuchter Nr. 33, Seite 17 Schön langsam mache ich mir Sorgen um das Niveau der FURCHE. Da wird ein Zitat des "Bildungsexperten" Bernd Schilcher angeführt: "Viele AHS-Lehrer [ ] haben nichts vom praktischen Leben gesehen. Wie sie die Schüler (nicht gegendert!; J. B.) auf eben dieses vorbereiten sollen, ist mir schleierhaft." Diese Meinung wird auch im Text von Frau Ortner in keiner Weise hinterfragt. Wenn dem so wäre, wie Schilcher behauptet, müsste die Mehrzahl der AHS-Lehrerinnen und -Lehrer ja Stammkundschaft bei der Schuldnerberatung sein. Wäre es nicht viel interessanter nachzuforschen, wie sich AHS-Maturantinnen und -Maturanten z. B. an der Wirtschaftsuniversität gegenüber den Absolventinnen und Absolventen aus den Handelsakademien behaupten können (wie viele der Studierenden absolvieren das Studium in welchem Zeitraum erfolgreich?). Ähnliche Untersuchungen wären auch bei technischen Studien interessant -schließlich beginnen die AHS-Absolventinnen und -Absolventen ihr Studium ein Jahr früher als jene aus den BHS. Weiters wird in diesem Artikel vehement die Ganztagsschule gefordert. Wenn ich die derzeitige Infrastruktur in den meisten Schulen Österreichs betrachte, stellt sich die Frage: Wer soll das bezahlen? In der gleichen Ausgabe schreibt Frau Veronika Schuchter über "Die Macht der Sprache". Die Einleitung brachte mich zum Schmunzeln. Kafkas "Urteil" muss für eine sehr eigenwillige Schlussfolgerung herhalten: "Es ist allein die Macht der Sprache, die Gregor in den Tod treibt." Wenn man diese Erzählung genau liest, so kommt man doch auf wesentlich mehr Gründe, warum Georg Bendemann (nicht Gregor) bereit ist, das Urteil seines Vaters zu akzeptieren - die sprachliche Überlegenheit des Vaters allein ist es ganz sicher nicht. Weiters nimmt die Autorin auf das ZIB 2-Gespräch zwischen Eva Blimlinger und Heinz Mayer Bezug. Mir ist dabei vor allem aufgefallen, dass Frau Blimlinger auf kein einziges Argument von Herrn Mayer eingegangen ist, sondern immer nur wiederholt hat, dass die Unterzeichner und Unterzeichnerinnen des besagten Briefes die Emanzipation der Frauen abschaffen wollen. Auf das Grundanliegen, das in diesem Brief geäußert wird, geht auch Frau Schuchter mit keinem Wort ein: Texte sollen möglichst gut lesbar sein. Sollte man nicht doch Überlegungen anstellen, wie einem Kind, das gerade lesen lernt, diese Aufgabe möglichst verständlich und leicht gemacht wird? Das Binnen-I trägt ganz sicher nicht dazu bei.

Mag. Johann Brandstötter 3321 Ardagger

Unterschiedliche Maßstäbe in puncto Wissenschaftlichkeit

Die Macht der Sprache

Die Autorin ereifert sich über den von 800 Personen (darunter zahlreiche anerkannte Wissenschafter) unterzeichneten Protestbrief gegen das sprachliche Gendern und bezeichnet diesen vom Inhalt her als sprachwissenschaftlich unhaltbar. Und gleichzeitig wird allen, die gegen das sprachliche Gendern sind, "Misogynie, Xeno-oder Homophobie" bzw. eine andere Art von Minderheitenfeindlichkeit unterstellt -was natürlich sehr wissenschaftlich ist. Auch wenn das Staatsgrundgesetz (StGG) aus 1867 von der "Freiheit der Wissenschaft und Lehre" ausgeht -von "Narrenfreiheit" steht meines Wissens nach nichts dort. Die Autorin sollte einmal Gesetzestexte, in denen ständig gegendert wird, auf die Lesbarkeit untersuchen. Wahrscheinlich haben besonders die Juristen unter den Unterzeichnern daran gedacht.

Dr. Franz John via Mail

Begeisterung für das Gendern geht mir auf die Nerven

Die ungestillte Neugier einer Tausendsassarin Von Doris Helmberger Nr. 33, Seite 24

Ich halte mich zwar auch für emanzipiert -mit eigenem Beruf, Gehalt, Denken und Ideen, aber diese glühende Begeisterung für das Gendern geht mir zunehmend auf die Nerven, und ich weiß auch nicht, bei allem Wissen um die Tatsache, dass Sprache Wirklichkeit schafft, ob wir Worte wie "Tausendsassa" unbedingt durch Anhängen eines "rin" verweiblichen sollten. Dr. Perner ist ein schillernde Frau, da gebe ich Ihnen recht, ob sie gerne Tausendsassarin sein möchte, wage ich zu bezweifeln.

Dr. Sabine Kauffmann-Steinbereithner 1020 Wien

FURCHE-Lob

Dalmatinische Dialoge Von Doris Helmberger Nr. 34, Seite 1

Die Angst der Mächtigen ist unsere Hoffnung, und Ihre "Dialoge" passen eigentlich zur Angst der Mächtigen. Danke für die sozialkritischen Berichte!

Gerd Brunner via Mail

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