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Kampf-und-Droh-Phase hat keine Zukunft

Von gerufenen Geistern Von Martin Tschiderer, Nr. 29, Seite 1

Sozialpartnerschaft, eine gut konstruierte Worthülse, in der sich unter roter Dominanz über Jahrzehnte ein Dschungel von Arbeitswelt-Regeln und Bevormundungen etablierte. Die von den Gewerkschaften und Arbeiterkammern unter dem Motto "entweder - oder!"'erkämpften' Rechte zum Wohle der arbeitenden Bevölkerung sind der derzeitige "Standard" an Sozial-und Arbeitsrechten. 1980 übernahmen wir einen veralteten Kleinbetrieb mit 18 Mitarbeitern, modernisierten ihn und bauten ihn auf über 40 Arbeitsplätze aus. Ein ÖGB-Funktionär stellte Forderungen mit der Drohung: "Wenn ich will, kann ich ihren Betrieb zusperren!" Ganz nach dem Motto Sozialpartnerschaft. Womit leicht zu beweisen ist, dass ein übervolles Fass an Arbeitsweltregeln, auch unter größtem Druck von ÖGB und AK mit "Konsens" nichts am vorhandenen Superstandard ändern kann. Nüchternheit und Sachlichkeit sind daher angebracht. Die bisher erfolgreich praktizierte Kampf-und-Droh-Phase hat keine Zukunft, denn die Wirtschaft sind wir alle, Unternehmer u. Arbeitnehmer.

Josef R. Steinbacher Kundl/Tirol

Auch unter Wissenschaftlern gibt es Krämerseelen

Vom Wissen und vom Glauben Von Florian Freistetter, Nr. 29, Seite 3

Ach, die dummen Esoteriker; meinetwegen. Ach, diese gewissenlosen Homöopathen! Wohin gehören denn die vielen Tierärzte, die den kranken Tieren erst einreden müssen, dass ihre homöopathische Therapie wirkt? Lauter in die Tausende gehende erfolgreiche Pferde-und Hundeflüsterer. Auch unter den Wissenschaftlern, die alles wissen und nichts glauben müssen, gibt es Krämerseelen.

Dr. Josef Pedarnig, 9900 Lienz

Nicht auf einer Stufe mit Heinrich Himmler

Wie oben

Immer wieder finden wir in der Furche Beiträge und Meinungen, die sich mit unseren Überzeugungen decken oder die uns eine neue Sichtweise, oft auch ganz konträr zur eigenen, eröffnen und aufzeigen. Ratlos bleiben wir deshalb nach der letzten Ausgabe zurück, wo im bunten Mix von Esoterik und Astrologie auch die Homöopathie vorkommt. Astronomie -das ist das mit den Horoskopen, oder? Homöopathie - das ist das mit der Esoterik, oder? Ein Astronom, der sich anmaßt, über Homöopathie zu schreiben, der sollte unserer Meinung nach wirklich beim Wissenschaftskabarett bleiben. In all den Jahren und Jahrzehnten, wo wir die Furche lesen und schätzen, haben wir noch nie einen Bericht gelesen, in dem auch ein klassischer Homöopath oder eine Homöopathin (im Übrigen sind das bestens ausgebildete Mediziner) zu Wort kommen. Es ist eine Zumutung für alle Menschen, die durch die Homöopathie Hilfe erfahren haben, auf eine Stufe mit Heinrich Himmler gestellt zu werden.

Ernestine und Friedrich Plötzeneder via Mail

Angst ist Sorge, Mut ist Sorglosigkeit

Leserbrief von Maria Schirk Nr. 29, Seite 14 Der Schutz Europas Von Rudolf Mitlöhner, Nr. 27, Seite 1

Der Leserbrief darf nicht unwidersprochen bleiben, zeigt er doch eine Tendenz des Verständnisses von Christlich-Sozialem, die besserwisserisch und ohne Bedenken der Folgen eine Politik und journalistische Meinung einfordert, die ich als Christ als gefährlich einstufe. Eine Gesinnungsethik ("allen, die Hilfe brauchen, beizustehen") unterscheidet sich von einer Verantwortungsethik wie Tag und Nacht. Geschätzte 6 Milliarden Menschen brauchen nach meiner Meinung Hilfe, wenn es darum geht, aus Unfreiheit und/oder Armut herauszukommen, und da gibt es in unserer Welt nur wenige Länder, die Freiheit und Wohlstand anbieten können. Noch Fragen? Keine Angst, nur Mut? Schon ein Bruchteil dieser 6 Milliarden reicht, um, wie Scholl-Latour sagt, bei uns Kalkutta entstehen zu lassen. Doch nicht nur materielle Verlustangst erzeugt eine Gesinnungsethik der grenzenlosen Hilfe in mir, sondern auch Angst vor religiösem, speziell islamischem, Fanatismus Oft ist Angst gleichzusetzen mit Sorge, Mut hingegen mit Sorglosigkeit. Ja, ich gestehe, ich habe Angst und hoffe, dass Herr Chefredakteur Mitlöhner nicht mutig wird, sondern die Ängste und Sorgen vieler weiterhin artikuliert.

Mag. Heinrich Benz 4050 Traun

bitte ein bisserl mehr aufpassen beim loben

Chapeau, M. le Président Von Rudolf Mitlöhner, Nr. 25, Seite 1

es geht um Ihre zum ausdruck gebrachte begeisterung für macrons arroganten rüffel eines jungen mannes, der seine politik in frage gestellt hat: "Und mach' es in der richtigen Reihenfolge. Wenn du eine Revolution beginnen willst, dann studier' zuerst, um ein Diplom zu bekommen ... Okay? Und dann kannst du andere belehren." lieber herr mitlöhner, Sie sollten ihre gedankenpfeile schon zu ende denken bzw. ihre flugbahn besser berechnen und auf deren treffsicherheit achten, bevor sie sie zugespitzt von der feder schnellen lassen. Ist Ihnen nicht in den sinn gekommen, dass emmanuel macron genau diese worte beim nächsten gipfel-treffen unserem basti entgegenhalten könnte? verzeihung, schon wieder so eine respektlosigkeit. Ich meine natürlich bundeskanzler kurz. Was soll dieser akademische dünkel, dass man zuerst auf eine universität gegangen sein und einen abschluss gemacht haben muss, bevor man den präsidenten der grande nation in frage stellen darf? Die liste erfolgreicher und verdienstvoller schul-und studienabbrecher ist lang ...

Hubert Achleitner via Mail

24-Stunden-Betreuung: Die Kehrseite der Erfahrung

Die Menschen für die letzte Nähe Von Doris Helmberger, Nr. 25, Seite 12

Ich schreibe als Betroffene. Seit zehn Jahren haben wir 24-Stunden-Hilfen in der größeren Familie: für unseren dementen Vater mit 86 Jahren, für unsere 62-jährige Tante nach einer Operation eines Lungenkarzinom und für meinen 26-jährigen Neffen im Rollstuhl, nach einem Unfall zum Pflegefall geworden. Man muss die sogenannten Betreuerinnen und die Pflegerinnen genau voneinander unterscheiden. Generell: unsere Erfahrungen sind schlecht. Ich muss sagen, ich habe nie eine Berufsgruppe vorher kennengelernt, die so geringe Motivation für ihre Arbeit hat. Mehrmals hatten wir eine Hilfe, die einen dreiwöchigen Kurs absolviert hatte und die grundlegende Dinge wie Heben, im Bett Umlagern, Füttern nicht "konnte". Wir mussten erleben, dass der Vater eine Woche nicht aus dem Bett geholt wurde, als wir auswärts waren und nicht täglich kommen konnten, dass der entstandene Dekubitus nicht versorgt wurde, sogar dass Morphium nach der Operation unserer Tante vergessen wurde ... Es mangelt nicht nur an professioneller Qualitätskontrolle, sondern auch an Supervision und der entsprechenden menschlichen Disposition und Vorbereitung auf diesen Beruf. Das Preis-Leistungs-Verhältnis betrachtend, scheinen mir Betreuerinnen eher überbezahlt, bedenkt man, dass sie auch kostenfrei wohnen, essen und alles im Haus Verfügbare verwenden ... Fraglos braucht unsere Gesellschaft diese Frauen (oder auch Männer) aus den östlichen Nachbarländern und zweifelsfrei ist es für diese attraktiver hier zu arbeiten Dass es für beide Seiten nicht leicht ist, muss auch so vermittelt werden. Die FURCHE hat die Seite der zu Pflegenden oder zu Betreuenden nicht thematisiert. Ich kann nur hoffen, dies wird noch nachgeholt. Es ist -zugegeben -ein komplexes Thema.

Familie Rudolf Gent via Mail

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