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Gesellschaft

Liebe, Terror und die WELTREVOLUTION

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Am Bahnhof Gattendorf, mitten im Nirgendwo, hat der Regionalexpress aus Wien ein Dutzend Menschen ausgespuckt. Etwas ratlos stehen sie am Perron und halten Ausschau nach dem Shuttlebus. Doch da ist nichts ringsherum. Nur die Parndorfer Heide und ein bleigrauer Himmel.

Kurz darauf kommen doch noch zwei Kleinbusse angerollt, um die angekommenen Gäste in den Friedrichshof zu bringen. Dort, in einem ehemaligen Gutshof im burgenländischen Zurndorf, hat der Aktionist und Provokateur Otto Mühl ab 1972 mit wachsender Anhängerschaft seine Vorstellungen von einem befreiten Leben umgesetzt. Das Experiment ist grandios gescheitert: 1990 wurde die verschuldete Kommune aufgelöst, 1991 kam Mühl wegen "Unzucht mit Unmündigen" und Verstößen gegen das Suchtmittelgesetz für sieben Jahre ins Gefängnis. Erst 2010, drei Jahre vor seinem Tod in Portugal, entschuldigte er sich in einem offenen Brief bei seinen traumatisierten Opfern.

"Für Sentimentalität besteht kein Anlass", sagt auch Robert Schindel, als er in einen der zwei Shuttle-Busse steigt; für ein wenig Selbstreflexion am Ende des heurigen 1968-Jubiläumsjahres aber schon. Als Mitbegründer der "Kommune Wien" war der Autor einer der prägenden Köpfe der hiesigen 68er-Bewegung. "Man wollte nicht der sein müssen, als der man vorgeprägt ist" - so fasst er die Vision von damals zusammen. Nun soll er am Friedrichshof über "1968 ... und was daraus wurde" sprechen - auf Einladung des "Österreichischen Instituts für Erwachsenenbildung" und gemeinsam mit anderen Zeitzeugen.

Hochzeiten statt freier Liebe

Was aus dem Friedrichshof geworden ist, zeigt sich jedenfalls schon bald nach der Ankunft. Wo einst Provokation und Selbstdarstellung im Zentrum standen, steht heute ein "ideologiefreier Wohnpark mit Gemeinschaftsangebot" für 200 Menschen; wo früher gegen Konsumismus gewettert wurde, gibt es heute ein Gault-Millau-prämiertes Seminarhotel; und wo ehedem die Paarbeziehung verteufelt und freie Liebe gepredigt wurde, ist heute eine begehrte Destination für Hochzeiten. Die Rache der Geschichte kann grausam sein.

Oben, im Seminarhotel, gibt es für die 34 Teilnehmenden indes ein wenig Nostalgie zum Kennenlernen: Wer hatte damals lange Haare? Wer hat den "Marsch durch die Institutionen" angetreten? Und wer sieht sich außerhalb? Neben Robert Schindel steht auch Barbara Coudenhove-Kalergi auf. Sie ist als Jahrgang 1932 nicht nur älter als die meisten im Raum; die gebürtige Pragerin plädiert auch für einen geweiteten Blick. 1968 kommt es ja schließlich nicht nur zur "Uni-Ferkelei", bei der Günter Brus, Otto Mühl und andere am 7. Juni die Wiener Bürger schrecken. Es kommt vielmehr weltweit zu Umbrüchen: Im April wird in den USA der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King erschossen und in Deutschland ein Mordanschlag auf den Studentenführer Rudi Dutschke verübt (Teile der 68er gleiten hier in den Terrorismus ab); im Mai steigen in Paris Studierende und Arbeiter auf die Barrikaden; und im August walzen sowjetische Panzer den "Prager Frühling" nieder. Es ist dieses Ereignis, das für Coudenhove-Kalergi als damalige Redakteurin der Arbeiter Zeitung prägend wird. "Das war ja nicht nur das Ende des Prager Frühlings", sagt sie, "das war auch das Ende der kommunistischen Weltbewegung."

Auch in der katholischen Kirche markiert 1968 ein (vorläufiges) Ende -nämlich jenes der großen Konzilseuphorie. Während von 1962 bis 1965 die Zeichen auf Aggiornamento standen, verbietet Papst Paul VI. im Juli 1968 -einen Monat vor den dramatischen Ereignissen von Prag -mit der "Pillen-Enzyklika" Humanae Vitae alle "künstlichen" Mittel der Empfängnisverhütung. "Beides scheint eine Ähnlichkeit darin zu haben, dass versucht wurde, alte Verhältnisse wiederherzustellen", meint der damalige Präsent-und spätere ORF-Journalist Peter Pawlowsky.

Die Sehnsucht nach Modernität und Befreiung von den als postfaschistisch verstandenen Autoritäten bricht sich gleichwohl anderswo Bahn: an den Universitäten, wo die Studenten gegen den "Muff von tausend Jahren" und für mehr Mitbestimmung kämpfen; und in der Familie, wo als Folge von 1968 die Prügelstrafe verboten und der Mann als "Haupt der Familie" abgesetzt wird.

Antiautoritär und befreiend - das hätte auch der Friedrichshof sein sollen. Mühls Kommune sei "eine extreme Reaktion auf extreme Biederkeit" gewesen, meint die ehemalige Kommunardin Amalia Rausch (s. u.). Selbst sehr autoritär erzogen, sucht sie am Friedrichshof und später auf La Gomera, wo die Kommunarden 1987 eine ganze Bucht erwerben, das "authentische Leben". 1990 kehrt sie nach Zurndorf zurück und leitet dort die Kunstsammlung. Die "Ehrlichkeit zu sich selbst" habe sie fasziniert, sagt Rausch mittags bei einer Führung durch das Areal. "Aber gruppendynamisch hat es uns mit Mühl voran in die Tiefe gerissen."

Umgedrehtes Wertesystem

Die Utopie vom Friedrichshof ist also gescheitert. Doch was ist mit den 68ern insgesamt? Der Journalist Peter Huemer, der 1968 als Geschichte-Doktorand "nur ein Mitläufer" war und bald gemerkt haben will, "wie es einem das Hirn rausbläst, wenn man eingehängt auf der Straße läuft", versucht eine Antwort: "Die 68er sind politisch im Kampf gegen den Kapitalismus und Imperialismus gescheitert", meint er. "Aber sie haben unser gesamtes Wertesystem umgedreht. Bis heute."

Genau dieser Punkt ist es freilich, gegen den derzeit weltweit immer schärfer mobilisiert wird - von Donald Trump über Viktor Orbán bis zur österreichischen Regierung. Programmatisch auf den Punkt gebracht hat es Anfang 2018 der deutsche CSU-Politiker Alexander Dobrindt. In der Welt plädierte er dafür, dass "auf die linke Revolution der Eliten eine konservative Revolution der Bürger folgen" müsse. Österreichs Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) wurde bald danach gegenüber der Tiroler Tageszeitung noch deutlicher: "Diese Regierung steht für einen offensiven Gegenentwurf. Die Thesen der 68er haben sich als falsch herausgestellt. Das Bedürfnis nach Orientierung, Geborgenheit und Heimat wird von uns wieder in ein positives Licht gerückt."

Was sagen die Alt-68er im Friedrichshof zu solchen Ansagen einer konservativen Konterrevolution? "Hinter 1968 zurückgehen heißt: Der Mann wird wieder Haupt der Familie, Homosexuelle werden eingesperrt, Frauenhäuser und die Fristenlösung abgeschafft", betont Peter Huemer (vgl. Artikel rechts). Warum es zum aktuellen Backlash kommen konnte, ist für ihn freilich nachvollziehbar: "Die damalige Zerstörung angemaßter Autorität hat auch sehr viel Glaubwürdigkeit zerstört", sagt er. "Und da diese Autorität nicht ersetzt worden ist, ist vor allem in den sozialen Medien ein wachsender Verwirrungsprozess eingetreten, der ein idealer Nährboden für autoritäre Systeme ist."

Ob sich diese Bahn brechen, darüber scheiden sich im Seminarhotel die Geister. Die einen hoffen auf die Widerstandskraft der Zivilgesellschaft, die 1968 erstmals kraftvoll in Erscheinung getreten sei. Andere sind pessimistischer: 1968 habe man schließlich noch gedacht, dass alles besser werde- und deshalb mehr Freiheit verlangt; heute, angesichts wachsender Zukunftsängste, begehre man eher Sicherheit.

Peter Kowalski, ehemals sozialistischer Studentenfunktionär und später Sektionschef im Wissenschaftsministerium, fühlt sich jedenfalls an 1819 erinnert, als nach der Französischen Revolution der Rückzug ins Biedermeier begann. "Aber das war zugleich auch die Zeit des Vormärz", betont er, "das darf man nicht vergessen."

Für Terese Schulmeister ist und bleibt die soziale Frage der Schlüssel. Selbst die linken Parteien hätten "Casinokapitalismus" betrieben, statt in Arbeitsplätze und Chancen für junge Menschen zu investieren, sagt sie am Ende des Workshops. Dass die Mühl-Kommune gescheitert sei, habe damit zu tun, "dass wir im Widerstand gegen ihn nicht das geleistet haben, was notwendig gewesen wäre", meint die ehemalige Kommunardin. Die Frauen seien mit ihren Kindern voll beschäftigt gewesen und hätten von ihren Eltern, Lehrern und Priestern noch "einen gewissen Respekt, ich will nicht sagen Unterwürfigkeit" gelernt.

Ihr Film "Ungehorsam" macht jedenfalls deutlich, wie das zunächst so frei scheinende Kommunen-Experiment immer mehr zu kippen beginnt. Einige Interessierte bleiben noch da, um das Zerbröseln einer Utopie mitanzusehen. Die anderen treten voll Nostalgie und Ernüchterung den Heimweg an. Der Himmel über der Parndorfer Heide ist längst schwarz geworden. Gleich fährt der Shuttle zurück in die Realität.

Am Bahnhof Gattendorf, mitten im Nirgendwo, hat der Regionalexpress aus Wien ein Dutzend Menschen ausgespuckt. Etwas ratlos stehen sie am Perron und halten Ausschau nach dem Shuttlebus. Doch da ist nichts ringsherum. Nur die Parndorfer Heide und ein bleigrauer Himmel.

Kurz darauf kommen doch noch zwei Kleinbusse angerollt, um die angekommenen Gäste in den Friedrichshof zu bringen. Dort, in einem ehemaligen Gutshof im burgenländischen Zurndorf, hat der Aktionist und Provokateur Otto Mühl ab 1972 mit wachsender Anhängerschaft seine Vorstellungen von einem befreiten Leben umgesetzt. Das Experiment ist grandios gescheitert: 1990 wurde die verschuldete Kommune aufgelöst, 1991 kam Mühl wegen "Unzucht mit Unmündigen" und Verstößen gegen das Suchtmittelgesetz für sieben Jahre ins Gefängnis. Erst 2010, drei Jahre vor seinem Tod in Portugal, entschuldigte er sich in einem offenen Brief bei seinen traumatisierten Opfern.

"Für Sentimentalität besteht kein Anlass", sagt auch Robert Schindel, als er in einen der zwei Shuttle-Busse steigt; für ein wenig Selbstreflexion am Ende des heurigen 1968-Jubiläumsjahres aber schon. Als Mitbegründer der "Kommune Wien" war der Autor einer der prägenden Köpfe der hiesigen 68er-Bewegung. "Man wollte nicht der sein müssen, als der man vorgeprägt ist" - so fasst er die Vision von damals zusammen. Nun soll er am Friedrichshof über "1968 ... und was daraus wurde" sprechen - auf Einladung des "Österreichischen Instituts für Erwachsenenbildung" und gemeinsam mit anderen Zeitzeugen.

Hochzeiten statt freier Liebe

Was aus dem Friedrichshof geworden ist, zeigt sich jedenfalls schon bald nach der Ankunft. Wo einst Provokation und Selbstdarstellung im Zentrum standen, steht heute ein "ideologiefreier Wohnpark mit Gemeinschaftsangebot" für 200 Menschen; wo früher gegen Konsumismus gewettert wurde, gibt es heute ein Gault-Millau-prämiertes Seminarhotel; und wo ehedem die Paarbeziehung verteufelt und freie Liebe gepredigt wurde, ist heute eine begehrte Destination für Hochzeiten. Die Rache der Geschichte kann grausam sein.

Oben, im Seminarhotel, gibt es für die 34 Teilnehmenden indes ein wenig Nostalgie zum Kennenlernen: Wer hatte damals lange Haare? Wer hat den "Marsch durch die Institutionen" angetreten? Und wer sieht sich außerhalb? Neben Robert Schindel steht auch Barbara Coudenhove-Kalergi auf. Sie ist als Jahrgang 1932 nicht nur älter als die meisten im Raum; die gebürtige Pragerin plädiert auch für einen geweiteten Blick. 1968 kommt es ja schließlich nicht nur zur "Uni-Ferkelei", bei der Günter Brus, Otto Mühl und andere am 7. Juni die Wiener Bürger schrecken. Es kommt vielmehr weltweit zu Umbrüchen: Im April wird in den USA der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King erschossen und in Deutschland ein Mordanschlag auf den Studentenführer Rudi Dutschke verübt (Teile der 68er gleiten hier in den Terrorismus ab); im Mai steigen in Paris Studierende und Arbeiter auf die Barrikaden; und im August walzen sowjetische Panzer den "Prager Frühling" nieder. Es ist dieses Ereignis, das für Coudenhove-Kalergi als damalige Redakteurin der Arbeiter Zeitung prägend wird. "Das war ja nicht nur das Ende des Prager Frühlings", sagt sie, "das war auch das Ende der kommunistischen Weltbewegung."

Auch in der katholischen Kirche markiert 1968 ein (vorläufiges) Ende -nämlich jenes der großen Konzilseuphorie. Während von 1962 bis 1965 die Zeichen auf Aggiornamento standen, verbietet Papst Paul VI. im Juli 1968 -einen Monat vor den dramatischen Ereignissen von Prag -mit der "Pillen-Enzyklika" Humanae Vitae alle "künstlichen" Mittel der Empfängnisverhütung. "Beides scheint eine Ähnlichkeit darin zu haben, dass versucht wurde, alte Verhältnisse wiederherzustellen", meint der damalige Präsent-und spätere ORF-Journalist Peter Pawlowsky.

Die Sehnsucht nach Modernität und Befreiung von den als postfaschistisch verstandenen Autoritäten bricht sich gleichwohl anderswo Bahn: an den Universitäten, wo die Studenten gegen den "Muff von tausend Jahren" und für mehr Mitbestimmung kämpfen; und in der Familie, wo als Folge von 1968 die Prügelstrafe verboten und der Mann als "Haupt der Familie" abgesetzt wird.

Antiautoritär und befreiend - das hätte auch der Friedrichshof sein sollen. Mühls Kommune sei "eine extreme Reaktion auf extreme Biederkeit" gewesen, meint die ehemalige Kommunardin Amalia Rausch (s. u.). Selbst sehr autoritär erzogen, sucht sie am Friedrichshof und später auf La Gomera, wo die Kommunarden 1987 eine ganze Bucht erwerben, das "authentische Leben". 1990 kehrt sie nach Zurndorf zurück und leitet dort die Kunstsammlung. Die "Ehrlichkeit zu sich selbst" habe sie fasziniert, sagt Rausch mittags bei einer Führung durch das Areal. "Aber gruppendynamisch hat es uns mit Mühl voran in die Tiefe gerissen."

Umgedrehtes Wertesystem

Die Utopie vom Friedrichshof ist also gescheitert. Doch was ist mit den 68ern insgesamt? Der Journalist Peter Huemer, der 1968 als Geschichte-Doktorand "nur ein Mitläufer" war und bald gemerkt haben will, "wie es einem das Hirn rausbläst, wenn man eingehängt auf der Straße läuft", versucht eine Antwort: "Die 68er sind politisch im Kampf gegen den Kapitalismus und Imperialismus gescheitert", meint er. "Aber sie haben unser gesamtes Wertesystem umgedreht. Bis heute."

Genau dieser Punkt ist es freilich, gegen den derzeit weltweit immer schärfer mobilisiert wird - von Donald Trump über Viktor Orbán bis zur österreichischen Regierung. Programmatisch auf den Punkt gebracht hat es Anfang 2018 der deutsche CSU-Politiker Alexander Dobrindt. In der Welt plädierte er dafür, dass "auf die linke Revolution der Eliten eine konservative Revolution der Bürger folgen" müsse. Österreichs Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) wurde bald danach gegenüber der Tiroler Tageszeitung noch deutlicher: "Diese Regierung steht für einen offensiven Gegenentwurf. Die Thesen der 68er haben sich als falsch herausgestellt. Das Bedürfnis nach Orientierung, Geborgenheit und Heimat wird von uns wieder in ein positives Licht gerückt."

Was sagen die Alt-68er im Friedrichshof zu solchen Ansagen einer konservativen Konterrevolution? "Hinter 1968 zurückgehen heißt: Der Mann wird wieder Haupt der Familie, Homosexuelle werden eingesperrt, Frauenhäuser und die Fristenlösung abgeschafft", betont Peter Huemer (vgl. Artikel rechts). Warum es zum aktuellen Backlash kommen konnte, ist für ihn freilich nachvollziehbar: "Die damalige Zerstörung angemaßter Autorität hat auch sehr viel Glaubwürdigkeit zerstört", sagt er. "Und da diese Autorität nicht ersetzt worden ist, ist vor allem in den sozialen Medien ein wachsender Verwirrungsprozess eingetreten, der ein idealer Nährboden für autoritäre Systeme ist."

Ob sich diese Bahn brechen, darüber scheiden sich im Seminarhotel die Geister. Die einen hoffen auf die Widerstandskraft der Zivilgesellschaft, die 1968 erstmals kraftvoll in Erscheinung getreten sei. Andere sind pessimistischer: 1968 habe man schließlich noch gedacht, dass alles besser werde- und deshalb mehr Freiheit verlangt; heute, angesichts wachsender Zukunftsängste, begehre man eher Sicherheit.

Peter Kowalski, ehemals sozialistischer Studentenfunktionär und später Sektionschef im Wissenschaftsministerium, fühlt sich jedenfalls an 1819 erinnert, als nach der Französischen Revolution der Rückzug ins Biedermeier begann. "Aber das war zugleich auch die Zeit des Vormärz", betont er, "das darf man nicht vergessen."

Für Terese Schulmeister ist und bleibt die soziale Frage der Schlüssel. Selbst die linken Parteien hätten "Casinokapitalismus" betrieben, statt in Arbeitsplätze und Chancen für junge Menschen zu investieren, sagt sie am Ende des Workshops. Dass die Mühl-Kommune gescheitert sei, habe damit zu tun, "dass wir im Widerstand gegen ihn nicht das geleistet haben, was notwendig gewesen wäre", meint die ehemalige Kommunardin. Die Frauen seien mit ihren Kindern voll beschäftigt gewesen und hätten von ihren Eltern, Lehrern und Priestern noch "einen gewissen Respekt, ich will nicht sagen Unterwürfigkeit" gelernt.

Ihr Film "Ungehorsam" macht jedenfalls deutlich, wie das zunächst so frei scheinende Kommunen-Experiment immer mehr zu kippen beginnt. Einige Interessierte bleiben noch da, um das Zerbröseln einer Utopie mitanzusehen. Die anderen treten voll Nostalgie und Ernüchterung den Heimweg an. Der Himmel über der Parndorfer Heide ist längst schwarz geworden. Gleich fährt der Shuttle zurück in die Realität.