Martini - © Foto: Privat
Gesellschaft

Marcello Martini: Mit 14 Jahren im KZ

1945 1960 1980 2000 2020

Ein Ort feiert jetzt das Leben des Marcello Martini: Vom Todesmarsch zur Versöhnung.

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Ein Ort feiert jetzt das Leben des Marcello Martini: Vom Todesmarsch zur Versöhnung.

Dies ist das bittere und doch wunderbare Märchen von einem Menschen, der es geschafft hat, Hass, Gewalt und Rache auszulöschen – erzählt in fünf Akten und einem aktuellen Nachsatz. Der Schauplatz: Der kleine Ort Hinterbrühl liegt südlich von Wien – in unmittelbarer Nähe von Mödling und an der Straße zum Stift Heiligenkreuz. Schon immer war er ein gesuchter Urlaubsort von großen Komponisten, Malern und Entdeckern. Berühmt wurde er auch durch das SOS-Kinderdorf und durch die Seegrotte, einst ein Gipsbergwerk, heute ein Touristenmagnet – mit Europas größtem unterirdischen See.

1. Akt: Wie alles begann

Im Jahr 1986 besuchte eine Gymnasialklasse aus dem nahen Baden die Grotte und erfuhr zwei besonders spannende Geschichten: Dass im einstigen Gipsbergwerk die Transport-Pferde geblendet wurden, um in dunklen Gängen nicht zu scheuen. Und dass hier im Finale des 2. Weltkriegs eine unterirdische Flugzeugfabrik der Nazis war (eine „Wunderwaffe“, die aber nicht mehr zum Einsatz kam). Groß war da das Mitleid der Jugendlichen mit den Pferden – nur ein Bub fragte: „Und wer hat hier unten die Flugzeuge bauen müssen?“ Der Führer darauf: „Das weiß ich nicht!“ Da hatte der begleitende Professor eine Idee: „Wir besuchen in kleinen Gruppen die alten Leute im Ort und erkundigen uns, was damals war“. „Oral history“, von Zeitzeugen erzählte Geschichte, heißen solche Projekte.