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Gesellschaft

Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern: Der Bier-Nipper von der Leberkäs-Etage

1945 1960 1980 2000 2020

Wer ist dieser Söder überhaupt? Woher kommt er? Und wohin will er?

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Wer ist dieser Söder überhaupt? Woher kommt er? Und wohin will er?

Das Schlüsselwort heißt "Leberkäs-Etage". Ohne die wäre Markus Söder nicht dort, wo er heute ist. Den Terminus "Leberkäs-Etage" prägte einst Edmund Stoiber, von 1993 bis 2007 Ministerpräsident Bayerns und politischer Ziehvater Söders. Er meinte damit die hinteren Reihen im Bierzelt, die sogenannten "normalen Leute". So erklärte Stoiber auf einem Parteitag: "Wichtig sind die, die bei einer Maß Bier und einer Portion Leberkäse einmal reinhören wollen, was der da vorne zu sagen hat. Es sind die, die im Gegensatz zu den Parteifreunden vorne nur klatschen, wenn ihnen auch gefällt, was sie hören."

Der promovierte Jurist Markus Söder ist ein Meister darin, den hinteren Teil des Bierzelts zum Grölen zu bringen. Sein Standard-Einstiegssatz für Bierzelt-Reden in Kleinstädten und Dörfern: "Es ist mir eine Ehre heute bei vernünftigen Leuten zu sein." Dabei lässt er durchklingen, dass umgekehrt die unvernünftigen Leute eher in Großstädten wie Berlin, München oder Brüssel zu finden sind.

Doch wer ist dieser Söder überhaupt? Woher kommt er? Und wohin will er? Markus Thomas Theodor Söder wird am 5. Jänner 1967 in Nürnberg geboren. Er wächst im Süden der Stadt auf, einer ärmlichen Gegend. Sein Vater ist selbstständiger Maurermeister, will, dass sein Sohn später die Firma übernimmt. Doch Markus ist handwerklich unbegabt. Trotzdem versucht der Vater "auf eine Art, die heute nicht mehr mit dem Jugendschutzgesetz zu vereinbaren wäre", dem Junior das Maurern beizubringen.

Vaters Kritik, Mutters Schutz

Diese Anekdote erzählt Söder oft. Allerdings eher mit einem Augenzwinkern. Sie dient nur als Einstieg für einen Schenkelklopfer, der zu Söders Standard-Repertoire gehört. So hätte sein Vater irgendwann dann doch aufgegeben und gesagt: "Bub, du hast zwei linke Hände, aber ein großes Mundwerk. Das reicht höchstens für Pfarrer oder Politiker."

Wie schlecht das Verhältnis zu seinem Vater tatsächlich war, erwähnt Söder nie. Bekannte der Familie erzählten Söders Biografen, dass der Vater seinen Buben regelmäßig als "Weichei" beschimpfte und ihm zeitlebens jegliche Anerkennung verwehrte.

Die Mutter dagegen ist Markus Söders Vertraute. Als sie stirbt, steht er erst am Anfang seiner Politik-Karriere. Ihr Tod trifft ihn hart und er sucht Trost in einem protestantischen Gebetskreis.

Mehr Einblicke in sein Seelenleben gewährt Söder der Öffentlichkeit nicht. Auch sein Privatleben schützt er penibel. Seit 1999 ist er mit Karin Baumüller-Söder verheiratet, die aus dem Nürnberger Industrieadel stammt. Das Paar hat drei gemeinsame Kinder. Ein Kind hat Söder aus einer früheren Beziehung. Tatsächlich pflegt der Franke sein Image als grober Klotz, der keine Scheu hat anzuecken. Für Linke und viele Medienschaffende ist er ohnehin eine Reizfigur, eine einzige konservative Provokation. Und auch in der eigenen Partei gibt es niemanden, der Söder als guten Kumpel oder gar als Vertrauten bezeichnen würde. Eher beschreiben ihn Kollegen als skrupellos mit "unbändigem Machtwillen".