Politik und Jugend scheinen sich nicht zu vertragen: Unverständnis bei den einen, Verdrossenheit bei den anderen.

Für Politik interessiere er sich nicht besonders und die "meisten Politiker sind mir unsympathisch, sie grinsen nur und geben leere Versprechen", beschreibt ein 14-jähriger Schüler aus Salzburg seine Haltung zu Politik und scheint damit die weitverbreitete Meinung zu bestätigen, dass Jugend und Politik unvereinbar sind. Auch in zahlreichen Umfragen geben im Durchschnitt lediglich zwischen sieben und zwölf Prozent der befragten Jugendlichen an, sich "sehr" für Politik zu interessieren. Hingegen bekunden meist über 50 Prozent "wenig" bis "gar kein Interesse" an der Materie. Wer Jugendlichen diese Einstellung vorhält, vergisst dabei allerdings geflissentlich auf Studien, die das Desinteresse an Politik als gesamtgesellschaftliches Phänomen ausweisen: Die Ergebnisse sind die gleichen quer durch alle Altersgruppen.

Politikmüde Gesellschaft

Jugendlichen pauschal Desinteresse an politischen Belangen nachzusagen sei nicht möglich, allerdings könne man erkennen, dass sie sich nicht mehr so gerne institutionell engagieren, so Laura Rudas, Wiens jüngste SPÖ-Gemeinderätin, vor zwei Wochen bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Voll geil oder voll daneben? Das Verhältnis von Jugend und Politik". Die seit Jahren rückläufigen Mitgliederzahlen der Parteien beweisen aber in den Augen Manfred Zentners, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien, nicht, dass das Interesse oder das Engagement zurückgegangen wären, sondern bloß die Bereitschaft sich als festes Mitglied zu deklarieren: "Wenn man hinter vorgehaltener Hand mit Partei-Funktionären spricht und diese sich erinnern, wie es früher in der schönen alten Zeit gewesen ist, kommt heraus, dass auch damals immer dieselben die ganze Arbeit gemacht haben."

Ein zentrales Schlagwort in der Debatte über Jugend und Politik ist die "Partizipation", wobei sehr unterschiedliche Dinge darunter verstanden werden können: Angefangen bei der bloßen Information der Jugendlichen über deren Vertretung bis hin zur Selbstbestimmung. Das eigentliche Problem sieht Zentner darin, dass die Ideen, die von den Jugendlichen selbst kommen, noch nicht als wichtig erkannt werden und man bei Jugendarbeit daher oft zu kurz greife, "denn die Jugendlichen sind mit ihren Interessen und neuen Ideen einfach einen Schritt weiter". Dass die Vorstellungen und Aktivitäten von Jugendlichen bei Erwachsenen auf Unverständnis stoßen und selten als politischer Aktivismus wahrgenommen werden, ist kein neues Phänomen. Bestes Beispiel dafür sieht Zentner in der 68er Generation, die heute als so politisch aktiv dargestellt wird. Die Erwachsenen-Gesellschaft habe sich aber damals nicht über ihre politisch aktive Jugend gefreut, sondern diese als Werte-Zerstörer bezeichnet.

Die Bereitschaft von Jugendlichen aktiv bei Projekten mitzuarbeiten, die ihnen von "oben" vorgegeben werden, ist in der Regel eher gering. Von den meisten Jugendgemeinderäten und ähnlichen Versuchen Kinder und Jugendliche durch Gremien in die Politik einzubinden, hält Zentner darum auch nur wenig: "Es wird nach Spielregeln gearbeitet, die von Erwachsenen vorgegeben werden." Außerdem stellt sich die Frage, wieviel Mitbestimmung derlei Gremien tatsächlich eingeräumt wird: Wenn den Jugendlichen ein eigenes Budget zur Verfügung gestellt wird, hat die Mitbestimmung ein ganz anderes Gewicht, als wenn dessen Beschlüsse behandelt werden müssen.

Wählen mit 16

In letzter Zeit ist auch verstärkt die Forderung nach einer Herabsetzung des Wahlalters aufgekommen. In einigen Bundesländern, zum Beispiel in Wien, der Steiermark und im Burgenland, wurde das Wahlalter auf Kommunalebene bereits auf 16 Jahre gesenkt. Das komme auch sehr gut an, so Zentner, der die Vorteile dieser Form politischer Partizipation darin sieht, dass man Jugendliche früher dazu bringt, sich mit politischen Themen auseinander zu setzen.

Kritikfähigkeit fördern

Auch die "politische Bildung", die 2002 in Österreich zum Unterrichtsfach avancierte und in das Fach Geschichte integriert wurde, soll eine möglichst frühe Auseinandersetzung mit politischen Belangen fördern. Die Politikwissenschafterin Karin Liebhart ist jedoch skeptisch und spricht von einem "Allerweltsbegriff", der oft als Allheilmittel herangezogen werde, wenn es in der Gesellschaft Probleme gibt: "Es geht dann dabei sehr oft um Inhalte, die vermittelt werden sollen, zum Beispiel auch bei der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit im Zuge des Gedenkjahres." Bei politischer Bildung müsse es aber auch ganz stark um die Vermittlung von Kompetenzen gehen, wie zum Beispiel dem Umgang mit der medialen Informationsflut: "Es gilt kritikfähige und urteilsfähige Personen heranzubilden."

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