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"Salzburg wird geistiges Zentrum"

Mit einer Stiftungsprofessur und gezielter Förderung von Forschungsschwerpunkten setzt Salzburg neue Maßstäbe in der Forschungspolitik. Landeshauptmann Franz Schausberger will mit dieser Initiative - neben Kultur und Tourismus - ein weiteres Standbein für sein Bundesland schaffen.

Herr Landeshauptmann, Salzburg setzt neue Forschungsschwerpunkte. Worin liegt das Besondere im Unterschied zu anderen Regionen?

Schausberger: Das Land Salzburg wird als erstes Bundesland in Österreich seiner Universität eine eigene Stiftungsprofessur finanzieren. Und zwar für den Bereich Strukturbiologie (siehe Info-Kasten). Das passt hervorragend zum Schwerpunkt unserer Paris-Lodron-Universität: Biowissenschaften und Gesundheit - und stellt eine beträchtliche Bereicherung für die Universität dar. Das Land zahlt dafür jährlich 1,8 Millionen Euro.

Mit wem wird diese Stiftungsprofessur besetzt?

Schausberger: Soviel kann ich jetzt schon sagen: Wir werden einen hochqualifizierten Wissenschaftler bzw. Wissenschaftlerin mit Team nach Salzburg bringen. Die Forschungsarbeiten zur Strukturbiologie betreffen vor allem die Zellforschung und in weiterem Sinn die Krebsforschung - was natürlich auch für die Menschen in unserem Land von großer Bedeutung ist.

Bislang hat Salzburg vor allem auf die Bereiche Kultur und Tourismus gesetzt - warum ist für die Zukunft ein weiterer Schwerpunkt notwendig?

Schausberger: Ich bin der festen Überzeugung, dass Salzburg mehrere Standbeine braucht. Natürlich sind wir, was Kunst Kultur, Tourismus, Sport betrifft, unter den führenden Regionen - das sind Säulen. Aber es gibt noch eine weitere Säule, die eigentlich immer da gewesen ist, und die es jetzt noch mehr zu verstärken und auszubauen gilt. Ich beziehe mich da auch gerne auf einen Ausspruch unseres Erzbischofs Alois Kothgasser, der gesagt hat: Salzburg soll auch wieder stärker ein geistiges Zentrum werden. Und zu einem geistigen Zentrum zählt natürlich Forschung, Innovation und Entwicklung. Ich bin da mit dem Herrn Erzbischof ganz einer Meinung, dass diese geistige Säule in Salzburg noch mehr gestärkt werden muss.

Wie ist es nun konkret zur Salzburger Forschungsinitiative gekommen?

Franz Schausberger: Die Forschungs- und Innovationspolitik in Salzburg geht auf eine mehrjährige klare Strategie zurück: 1999 habe ich ein Zukunftsressort eingerichtet, damit die organisatorischen Voraussetzungen für diesen Bereich geschaffen werden, nachdem das Land Salzburg im Forschungsbereich gegenüber anderen Bundesländern damals durchaus etwas nachgehinkt ist.

Wie sind Sie bei der inhaltlichen Ausrichtung der Salzburger Forschungsinitiative vorgegangen?

Schausberger: Ich habe ein Forschungs- und Wissenschaftsleitbild in Auftrag gegeben, das von der Joanneum Research ausgearbeitet wurde und die Grundlage für unsere Forschungspolitik darstellt. Dieses Leitbild wurde dann einstimmig von der Salzburger Landesregierung beschlossen.

Wie wird das Projekt finanziert?

Schausberger: Es ist mir aus damaliger Sicht darum gegangen, bis zum Ende der Legislaturperiode, also bis jetzt, an die 100 Millionen Schilling aus Landesmitteln für die Forschung zur Verfügung zu stellen. Das ist von einem geringen Standard ausgehend eine beträchtliche Erhöhung, die uns bis 2003 bereits gelungen ist.

Nach welchem Modus wird das Geld verwendet?

Schausberger: Sehr wichtig ist mir, dass diese Mittel nicht einfach nach dem Gießkannenprinzip vergeben werden, sondern ich lasse Experten über die Vergabe beraten. Zu diesem Zweck habe ich einen Wissenschafts- und Forschungsrat mit österreichweit anerkannten Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Medien eingesetzt, der sehr intensiv beraten und bereits einen Vorschlag gemacht hat, wie die Mittel des Landes am besten, zweckentsprechend und sinnvoll eingesetzt werden können. Das Ergebnis liegt jetzt vor, und ich habe dieses Ergebnis eins zu eins zur Umsetzung übernommen.

Warum investiert Salzburg gerade in den Forschungsbereich Gesundheit?

Schausberger: Ich bin sehr froh darüber, dass sich die Salzburger Universität schon vor Jahren diesen Schwerpunkt gesetzt hat. Wir wissen alle, dass der Gesundheitsbereich - auch im Hinblick auf die Entwicklung unserer Altersstruktur - in Zukunft noch mehr als jetzt eine zunehmende Bedeutung bekommen wird.

Die neue Forschungsinitiative konnte aber auch auf bereits bestehende Strukturen aufbauen.

Schausberger: Stimmt, unsere Universität leistet in diesem Bereich schon bisher sehr gute Forschungsarbeit: Zum Thema Altern wird auf der naturwissenschaftlichen Fakultät viel geforscht. Hinzu kommt ein großes Projekt im Bereich der Allergieforschung. Ich gebe zu, dass ich diese Entwicklung in Salzburg mit großer Freude zur Kenntnis nehme - und nach Kräften zu unterstützen versuche. Hier bildet sich nämlich wirklich ein Schwerpunkt heraus, der seinerseits wieder viele Synergieeffekte und Vernetzungen möglich macht. Ich erwähne in diesem Zusammenhang nur, dass wir seitens des Landes ein Institut zur Tumorforschung an den Landeskrankenanstalten finanzieren werden. Die dafür nötigen Beschlüsse sind bereits gefallen. Und auch hier konnten wir einen höchst anerkannten Krebsforscher für Salzburg gewinnen.

Wie ist die neue Medizinische Privatuniversität in diesen Gesundheits-Schwerpunkt eingebunden?

Schausberger: Mit der Paracelsus-Universität hat Salzburg eine dritte Universität bekommen. 42 Studenten haben dort bereits in diesem Herbst mit dem Medizinstudium begonnen. Für uns ist das eine gewaltige Bereicherung, die wunderbar zu unserem Forschungsschwerpunkt passt.

Für die Salzburger Paris-Lodron- sowie die neue Paracelsus-Universität passt der Gesundheitsschwerpunkt optimal - wie aber wird in die Zukunft der Mozart-Universität in Salzburg investiert?

Schausberger: Unter Wahrung der Autonomie der Universitäten wollen wir selbstverständlich das Mozarteum bei der Entwicklung eines Forschungsprofils unterstützen. Das Land Salzburg stellt dafür insgesamt 250.000 Euro zur Verfügung. Damit haben wir in Salzburg insgesamt drei Universitäten: Das ist ein Bildungsangebot, mit dem wir signalisieren, dass wir unserer Jugend eine innovative und qualitativ hervorragende Ausbildung garantieren wollen.

Hat Salzburg ein konkretes Vorbild vor Augen, wenn es jetzt versucht, sich im Europäischen Forschungsraum neu und besser zu positionieren?

Schausberger: Ich möchte nicht sagen, dass wir in diesem Bereich ein konkretes Vorbild haben. Aber wir haben sicher jene Regionen im Blick, die bisher im Forschungsbereich besser waren als wir. Die wollen wir einholen und wenn möglich überholen. Deswegen bin ich froh, dass uns die Vorsitzende des Wissenschafts- und Forschungsrates, Ingela Bruner, versichern konnte, dass Salzburg, mit den jetzt von uns gesetzten Schritten, im Bereich Forschung und Wissenschaft auf der Überholspur ist.

Welche Standortfaktoren hat Salzburg anzubieten?

Schausberger: Wir haben erst vor kurzem einen großen Wirtschafts- und Beschäftigungsgipfel gehabt, bei dem uns der Chef der Austrian Business Agency (ABA) bestätigt hat, dass Salzburg zu den absolut attraktivsten Wirtschaftsstandorten zählt, was auch durch die zweitmeisten Betriebs- und Unternehmensansiedlungen in Österreich über die ABA bewiesen wird.

Was lockt Unternehmen in Ihr Bundesland?

Schausberger: An infrastrukturellen, den so genannten harten Standortfaktoren hat Salzburg sicherlich alles aufzuweisen, was ein Top-Standort heute braucht. Nehmen Sie nur die optimale Verkehrsanbindung: Salzburg hat beispielsweise den zweitgrößten Flughafen in Österreich. Zudem haben wir die schnellsten Verfahren für Betriebsansiedlungen von allen Bundesländern.

Aber was ganz wichtig ist: Wir haben sehr viele positive weiche Standortfaktoren: Kultur, Landschaft, Freizeitangebot... Und die sind heutzutage mehr als früher ausschlaggebend, wenn es darum geht, Unternehmen in eine Region zu bringen. Daher kommt es nicht von ungefähr, dass wir für das nächste Jahr eine zweistellige Zahl von Betriebsansiedlungen in Salzburg erwarten.

Anfang letzten Monats ist es Ihnen ebenfalls gelungen ein Universitätsabkommen mit dem Bildungsministerium unter Dach und Fach zu bekommen. Heißt das, auch der Bund verfolgt mit Wohlwollen die Salzburger Forschungsinitiativen?

Schausberger: Absolut, unsere Initiative wird von Seiten des Bundes sehr wohlwollend gesehen. Ich bin dankbar, dass es jetzt gelungen ist, die seit langem strittigen Fragen der Universitätsneubauten für Salzburg positiv zu entscheiden. Die Voraussetzung dafür war, dass auch wir bereit sind etwas zu tun: Deswegen werden wir als Land Salzburg gemeinsam mit Partnern einen Hochschulfonds einrichten - auch das eine zukunftsweisende Initiative.

Hinter Salzburgs Grenzen in Bayern wird mit dem Motto "Laptop und Lederhose" geworben. Welche Devise geben Sie für Ihr Bundesland aus?

Schausberger: Wir müssen weiterhin sehr stark auf unsere kulturellen Traditionen schauen - das ist und bleibt wichtig. Daneben dürfen und werden wir aber nicht auf die nötigen Innovationen vergessen. Zusammen ergibt das: Mit Tradition und Innovation muss und wird Salzburg in die Zukunft gehen.

Stichwort: Strukturbiologie

Die Strukturbiologie beschäftigt sich mit der Aufklärung der Struktur biologischer Makromoleküle, vor allem von Proteinen und Proteinkomplexen. Obwohl das menschliche Genom inzwischen entschlüsselt ist, muss man Proteinstrukturen immer noch mühsam aufklären.

Die Kenntnis der Strukturen ist nicht nur wissenschaftlich bedeutend, sondern hat auch wichtige Anwendungen: Strukturbasierte

Methoden spielen heute bei der Entwicklung und Verbesserung von Medikamenten eine große Rolle und erlauben beispielsweise die Entwicklung von Medikamenten mit verringerten Nebenwirkungen.

Die Strukturbiologie wird in Salzburg im universitären Schwerpunkt Biowissenschaften und Gesundheit angesiedelt, dessen drei Bereiche Allergieforschung, Bioinformatik und Genomik unmittelbaren Bezug dazu haben. Die Vorhersage von Proteinstrukturen aus Aminosäureabfolgen ist äußerst schwierig, doch eine der weltweit führenden Arbeitsgruppen auf diesem Gebiet ist die Bioinformatik in Salzburg. Die Genomik hat wie die Strukturbiologie das laufende Problem der Bearbeitung großer Datenmengen, sodass hier viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit existieren.

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