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Gesellschaft

Sex als Entertainment, quasi amtlich

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

In dieser Broschüre erscheint Sexualität als banales Alltagsvergnügen. Fragen der (katholischen) Moral sind bewusst ausgeklammert.

Schon der Titel der Broschüre ist Programm: "Love, Sex und so...". Die sprachlich inszenierte Coolness und schnoddrig-anbiedernde Diktion passen zum gebotenen Inhalt. Die Verfasser im Auftrag des Sozialministeriums haben ein stimmiges Dokument zeitgeistigen Sexual-Liberalismus erarbeitet. Sexualmoral quasi "amtlich".

Das mit öffentlichen Mitteln finanzierte Heftchen liest sich wie ein kleines Handbuch zur technischen Bewältigung sexueller Probierfelder der Fun-Generation. Motto: Hol's dir - gib's dir! Konsequent am hedonistischen Imperativ zum größtmöglichen Lustgewinn ausgerichtet, werden die jugendlichen Adressaten mit dessen Botschaften und Werthaltungen infiltriert. Verboten ist nur eines: der moralische Zeigefinger. Verständlich, wenn Elternvereinigungen die Broschüre als ideologische Propaganda abqualifizieren.

Egal, ob Masturbation, "das erste Mal" oder Homosexualität, erlaubt ist, was Spaß macht. "Ob mehrmals am Tag, hin und wieder oder gar nicht - Selbstbefriedigung ist nichts Außergewöhnliches ... du kannst mit deiner Lust spielen und sie ausprobieren". In einer nackten Sprache der Desillusionierung wird die Sexual-"Moral" der Genuss- und Konsumorientierung durch sämtliche Bereiche durchgezogen. Masturbation und Petting werden als Stationen des sexuellen Übungsparcours für den Koitus dargestellt, denn "diese Erfahrungen können dir beim Miteinander-Schlafen helfen", damit nichts schief gehen kann. "Das erste Mal miteinander schlafen" ist - so suggeriert die Broschüre - "keine Frage des Alters". Tipps werden gleich mitgeliefert: "Es ist immer besser, sich dem ersten Mal schrittweise beim Petting anzunähern. Dann ist es nur mehr ein ganz kleiner Schritt, bis der Penis das erste Mal in die Scheide hineingleitet...".

Und wenn etwas "schief geht"? Im Kapitel "Keine Panik - Schwanger?" wird beruhigt. Schwangerschaft wird als leicht beseitigbares Problem dargestellt. Beim Schwangerschaftsabbruch dauert ein Eingriff schließlich nur "ca. 3-5 Minuten ... man spürt gar nichts...".

Nebenbei: "Vielleicht hast du gerade Gefühle für Personen des eigenen Geschlechts. Das ist okay. Du musst dich nicht entscheiden, dich nicht festlegen." Überproportional häufig wird auf Homosexuellen-Initiativen verwiesen. Dagegen sucht man kirchlich bzw. religiös gebundene Beratungsdienste (wie die Beratungsdienste der "Aktion Leben") vergebens.

Wie die knappen Textauszüge verdeutlichen, transportiert die Broschüre geradezu propagandistisch die Ideologie einer "neuen" Sexualethik. Die drei Pfeiler der bisherigen Sexualmoral - Heterosexualität, Monogamie und die Anlage einer sexuellen Beziehung auf Dauer - werden konsequent unterspült. Sex erscheint als banales Alltagsvergnügen und reines Entertainment. Liebe, Treue, Keuschheit und andere Fragen einer (katholischen) Moral sind bewusst ausgeklammert. Themen wie Verzicht oder Aufschub sexueller Bedürfnisse bleiben unerwähnt, Sublimation wird nicht einmal als anachronistisches Fremdwort angeführt.

Aus kinderpsychologischer Sicht behaupte ich, dass die Broschüre dazu beiträgt, Heranwachsende eines wesentlichen Schrittes ihrer sexuellen Entwicklung zu berauben. Wer sexuelle Verhaltensnormen derart explizit vorgibt, bewirkt statt Aufklärung einen Zustand vorzeitiger Abgeklärtheit. Wenn nämlich - wie im vorliegenden "Werk" - der pure Sex bis zum Gipfel der Erregungskurve analysiert wird, jedes Sekret, das dabei fließt, benannt und jede Sekunde des Höhepunktes untersucht wird, können Kinder und Jugendliche die ersten sexuellen Erfahrungen nicht mehr phantasierend vorwegnehmen. Der sexuelle Informations-Overkill bringt sie um ein (zu erforschendes) Geheimnis. Wenn Spaß und Technik derart in den Vordergrund treten, dann ist Sexualität eher von Leistungsethik dominiert als von der Ethik des sozialen Miteinanders.

Sollte Sexualerziehung statt blinder Anpassung an den Zeitgeist nicht auch versuchen, die Kinder ein Stück weit zu immunisieren gegen die überbordende Sexualisierung in Gesellschaft und Medien? Wo bleibt eine Broschüre, die sich zum Ziel setzt, die Faszination der Beziehung zwischen Mann und Frau, das Romantische der Liebe und die Verzauberung durch den Eros darzustellen?

Der Autor ist Psychologe und Psychotherapeut in Innsbruck

In dieser Broschüre erscheint Sexualität als banales Alltagsvergnügen. Fragen der (katholischen) Moral sind bewusst ausgeklammert.

Schon der Titel der Broschüre ist Programm: "Love, Sex und so...". Die sprachlich inszenierte Coolness und schnoddrig-anbiedernde Diktion passen zum gebotenen Inhalt. Die Verfasser im Auftrag des Sozialministeriums haben ein stimmiges Dokument zeitgeistigen Sexual-Liberalismus erarbeitet. Sexualmoral quasi "amtlich".

Das mit öffentlichen Mitteln finanzierte Heftchen liest sich wie ein kleines Handbuch zur technischen Bewältigung sexueller Probierfelder der Fun-Generation. Motto: Hol's dir - gib's dir! Konsequent am hedonistischen Imperativ zum größtmöglichen Lustgewinn ausgerichtet, werden die jugendlichen Adressaten mit dessen Botschaften und Werthaltungen infiltriert. Verboten ist nur eines: der moralische Zeigefinger. Verständlich, wenn Elternvereinigungen die Broschüre als ideologische Propaganda abqualifizieren.

Egal, ob Masturbation, "das erste Mal" oder Homosexualität, erlaubt ist, was Spaß macht. "Ob mehrmals am Tag, hin und wieder oder gar nicht - Selbstbefriedigung ist nichts Außergewöhnliches ... du kannst mit deiner Lust spielen und sie ausprobieren". In einer nackten Sprache der Desillusionierung wird die Sexual-"Moral" der Genuss- und Konsumorientierung durch sämtliche Bereiche durchgezogen. Masturbation und Petting werden als Stationen des sexuellen Übungsparcours für den Koitus dargestellt, denn "diese Erfahrungen können dir beim Miteinander-Schlafen helfen", damit nichts schief gehen kann. "Das erste Mal miteinander schlafen" ist - so suggeriert die Broschüre - "keine Frage des Alters". Tipps werden gleich mitgeliefert: "Es ist immer besser, sich dem ersten Mal schrittweise beim Petting anzunähern. Dann ist es nur mehr ein ganz kleiner Schritt, bis der Penis das erste Mal in die Scheide hineingleitet...".

Und wenn etwas "schief geht"? Im Kapitel "Keine Panik - Schwanger?" wird beruhigt. Schwangerschaft wird als leicht beseitigbares Problem dargestellt. Beim Schwangerschaftsabbruch dauert ein Eingriff schließlich nur "ca. 3-5 Minuten ... man spürt gar nichts...".

Nebenbei: "Vielleicht hast du gerade Gefühle für Personen des eigenen Geschlechts. Das ist okay. Du musst dich nicht entscheiden, dich nicht festlegen." Überproportional häufig wird auf Homosexuellen-Initiativen verwiesen. Dagegen sucht man kirchlich bzw. religiös gebundene Beratungsdienste (wie die Beratungsdienste der "Aktion Leben") vergebens.

Wie die knappen Textauszüge verdeutlichen, transportiert die Broschüre geradezu propagandistisch die Ideologie einer "neuen" Sexualethik. Die drei Pfeiler der bisherigen Sexualmoral - Heterosexualität, Monogamie und die Anlage einer sexuellen Beziehung auf Dauer - werden konsequent unterspült. Sex erscheint als banales Alltagsvergnügen und reines Entertainment. Liebe, Treue, Keuschheit und andere Fragen einer (katholischen) Moral sind bewusst ausgeklammert. Themen wie Verzicht oder Aufschub sexueller Bedürfnisse bleiben unerwähnt, Sublimation wird nicht einmal als anachronistisches Fremdwort angeführt.

Aus kinderpsychologischer Sicht behaupte ich, dass die Broschüre dazu beiträgt, Heranwachsende eines wesentlichen Schrittes ihrer sexuellen Entwicklung zu berauben. Wer sexuelle Verhaltensnormen derart explizit vorgibt, bewirkt statt Aufklärung einen Zustand vorzeitiger Abgeklärtheit. Wenn nämlich - wie im vorliegenden "Werk" - der pure Sex bis zum Gipfel der Erregungskurve analysiert wird, jedes Sekret, das dabei fließt, benannt und jede Sekunde des Höhepunktes untersucht wird, können Kinder und Jugendliche die ersten sexuellen Erfahrungen nicht mehr phantasierend vorwegnehmen. Der sexuelle Informations-Overkill bringt sie um ein (zu erforschendes) Geheimnis. Wenn Spaß und Technik derart in den Vordergrund treten, dann ist Sexualität eher von Leistungsethik dominiert als von der Ethik des sozialen Miteinanders.

Sollte Sexualerziehung statt blinder Anpassung an den Zeitgeist nicht auch versuchen, die Kinder ein Stück weit zu immunisieren gegen die überbordende Sexualisierung in Gesellschaft und Medien? Wo bleibt eine Broschüre, die sich zum Ziel setzt, die Faszination der Beziehung zwischen Mann und Frau, das Romantische der Liebe und die Verzauberung durch den Eros darzustellen?

Der Autor ist Psychologe und Psychotherapeut in Innsbruck