Digital In Arbeit

Steigen wir für die Familie auf die Barrikaden!

1945 1960 1980 2000 2020

Wir sind heute vielfach von einem Werteverfall beziehungsweise einem Werteumbruch ergriffen, der unsere Gesellschaft von innen her zu zerfressen droht.

1945 1960 1980 2000 2020

Wir sind heute vielfach von einem Werteverfall beziehungsweise einem Werteumbruch ergriffen, der unsere Gesellschaft von innen her zu zerfressen droht.

Welche Werte verteidigen wir, wir, damit meine ich die Jugend, die ja im besonderen im Kreuzfeuer der Kritik steht, wenn von Werteverfall und Demoralisierung die Rede ist? Welche Werte habe ich, eine 16jährige und damit Vertreterin dieser "verkommenen" und "desinteressierten" Jugend; habe ich überhaupt noch Werte?

Diese letzte Frage hoffe ich mit "Ja" beantworten zu können. Ich bin der Meinung, daß jeder Mensch irgendwelche Werte haben muß, auch wenn diese von den konventionellen abweichen. Irgend etwas muß es geben, wofür es wert ist zu leben, etwas, das das Leben einfach erfüllter macht.

Trotzdem fällt es mir schwer, spontan konkrete Werte aufzuzählen. Es gibt vieles, was mein Leben lebenswert macht, doch dafür gleich auf die Barrikaden zu steigen, dafür zu kämpfen, dafür auch das Leben zu lassen? Das eigene Leben ist schließlich ein erster Wert. Es gibt nur wenige, die sich mit hohem persönlichem Einsatz zu ihren Werten und Idealen bekennen, wenn dadurch das eigene Leben gefährdet ist. Das sind die Märtyrer, die Widerstandskämpfer, die Rebellen; mit heimlichem Grauen und offener Wertschätzung bewundern wir sie und überlegen insgeheim, ob wir denselben Mut hätten, mit Todesverachtung uns zu etwas zu bekennen, für etwas zu kämpfen.

Welche Werte also sind vor dieses eigene Leben zu stellen?

Gott sei Dank war ich noch nie in einer Situation, wo ich eine solche Entscheidung hätte treffen müssen. Viele Werte, wofür andere früher gekämpft haben, aber auch noch heute kämpfen müssen, besitzen wir und nehmen sie als selbstverständlich hin. Auch ich habe mir wie viele andere noch nie sonderlich darüber Gedanken gemacht.

Ich lebe als Österreicherin in einem freien, demokratischen und friedlichen Land - andere haben darum gekämpft, ein Blick in die Zeitung verrät, wie viele auch heute noch woanders dafür kämpfen.

Ich lebe in gesicherten sozialen Verhältnissen - die Not und das Elend der Nachkriegsgeneration kenne ich nur aus den Erzählungen meiner Großeltern, die Not und das Elend der heutigen Hungerländer nur aus den Medien.

Ich besuche als Mädchen selbstverständlich ein Gymnasium und schimpfe manchmal auch noch darüber - ohne daran zu denken, wie mühsam sich Frauen dieses Recht erkämpft haben und wie vielen Menschen auch heute noch Bildung verwehrt ist.

Ich komme aus einer christlichen Familie, in der Treue und Verantwortung als oberstes Prinzip gelten - was heute vielerorts keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Ich habe Glück gehabt!

Es geht für mich in unserer westlich demokratischen Welt nicht mehr so sehr darum, für diese Werte, die ich als die wertvollsten für das lebenswerte Leben eines Menschen erachte, zu kämpfen, als vielmehr darum, sie zu wahren. Denn heute sind wir vielfach von einem Werteverfall beziehungsweise einem Werteumbruch ergriffen, der unsere Gesellschaft von innen her zu zerfressen droht. Man spricht von einer beängstigenden Politikverdrossenheit vor allem bei der Jugend, materielle Dinge werden im Sinne des Kapitalismus verherrlicht, während traditionelle ethische Werte verblassen. Die Familie hat ihren Stellenwert in der Gesellschaft verloren, was immer mehr Kinder und Jugendliche heimatlos werden läßt. Sie irren ziellos herum, greifen zu Drogen und anderen fraglichen "Problemlösern", weil sie keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen, sprich keine Werte mehr haben, nach denen sie ihr Leben ausrichten können.

Wenn ich so nachdenke, für welchen Wert wir heute bei uns in erster Linie kämpfen müßten, dann würde ich mich im Sinne der Jugend für die Familie entscheiden. Wo sonst als in der Familie sollten Kinder und Jugendliche festen Halt spüren, wer sonst prägt Wertordnungen (Liebe, Geborgenheit, Treue, Verständnis, Glauben) so sehr, wie die Familie, wie sonst, als mit der Hilfe der Familie, können die Kinder und Jugendlichen als gefestigte Erwachsene in die Freiheit ihres selbständigen Lebens entlassen werden, um dort als demokratische und rechtschaffene Menschen zu wirken.

Zurecht wird die Familie die Keimzelle der Gesellschaft genannt. Ich hoffe, das klingt jetzt nicht nach einem "verstaubten" Schulaufsatz, aber besser verstaubt und mit Familie - als modern und ohne Familie. Denn mir scheint, daß das moderne Leben die Familie immer mehr verbannt. Ehen gehen in Brüche, weil es beide Partner verlernt haben, Kompromisse füreinander zu schließen und weil sie das eigene Wohl vor das gemeinsame stellen. Wer bereit ist, seine Freiheit und Unabhängigkeit zugunsten einer Ehe und Familie aufzugeben, gilt als verstaubt. Auch der Staat ist entweder unwillig oder zu unfähig, die Familien entsprechend zu fördern. Selbst die Kirche scheint mehr damit beschäftigt zu sein, ihr gestürztes Bild in der Öffentlichkeit wieder zu errichten, als sich um die Familien zu kümmern.

Die Familie ist ein Grundwert, der prägend für die meisten sozialen und politischen Werte ist und somit die Basis für eine gut funktionierende Gesellschaft darstellt. Daher wird es höchste Zeit, daß sich der Staat, die Kirche und jeder einzelne von uns dessen wieder bewußt werden. Steigen wir auf die Barrikaden: Verlangen wir von der Politik mit Vehemenz ihre Förderung und Unterstützung! Werden wir nicht müde, bei jeder Gelegenheit die Werte der Familie als jene der Gesellschaft, des Staates und der Kirche wieder ins öffentliche Bewußtsein zu heben! Es wäre vor allem die Aufgabe eines verantwortungsvollen Journalismus, in diesem Sinne mit den "Waffen des Wortes" zu wirken und zu kämpfen.

Ich als 16jährige Gymnasiastin habe nicht wirklich die Mittel, mich effektiv für jene Werte einzusetzen, die mir unersetzlich scheinen. Ein erster Schritt ist aber, nicht gleichgültig zu sein, vielmehr mit Wachsamkeit unsere Grundwerte zu hüten und jede Gelegenheit beim Schopf zu fassen, wenn es darum geht, seine eigene freie Meinung äußern zu dürfen. In diesem Sinne möchte ich auch meine Teilnahme an dem Wettbewerb Ihrer Zeitung verstanden wissen.

Barbara Surböck Erst im April hat die Schülerin des BG/BRG Hollabrunn das 16. Lebensjahr vollendet. Einen dritten Platz heimste sie schon als Chefredakteurin der Schülerzeitung "Young Life" beim Internationalen Schülerzeitungswettbewerb von Stiftung Lesen ein. Als Interessen hebt die einem Blockflötenensemble angehörende Ministrantengruppenleiterin der Pfarre Hollabrunn Lesen, Sport, Musik und Freunde hervor.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau