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Der unheimelige Bruder

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Well

"Stofferl" Well über Bayern und Österreich

1945 1960 1980 2000 2020

Was sagt der Well "Stofferl" (Biermösln Blasn) über die Beziehung zwischen den Bayern und den Österreichern? Die FURCHE fragte nach.

1945 1960 1980 2000 2020

Was sagt der Well "Stofferl" (Biermösln Blasn) über die Beziehung zwischen den Bayern und den Österreichern? Die FURCHE fragte nach.

Als die FURCHE beim „Stofferl“ (Christoph) Well anruft, sitzt er gerade am offenen Fenster und bläst seinen Dudelsack ein. „Seit in Bayern der Künstler Berufsverbot hat, spiele ich jeden Tag um sieben Uhr zur Nordseite hinaus“, erzählt der Jüngste der Well-Brüder (ehemals "Biermösl Blosn", tritt seit 40 Jahren gemeinsam mit Gerhard Polt auf). Ein Seitenhieb auf die restriktive Coronapolitik im Freistaat. Rein theoretisch wäre es ein Leichtes, ihn zu erhören. Der bayerische Landtag liegt nur 300 Meter von der Well'schen Wohnung im Münchner Stadtteil Haidhausen entfernt. Der Söder, sagt Well, hätte sich aber noch nicht bei ihm gemeldet. Aber die Nachbarn brächten ihm ab und an einen selbst gebackenen Kuchen vorbei. Warum spielt er ausgerechnet den Dudelsack? „Weil heute Saint Patrick's Day ist.“ An den anderen Tagen wechselte er zwischen Trompete, Dudelhorn, Bariton oder Harfe ab. Am übernächsten Tag ruft er zurück. Er hat ein bisschen nachdenken müssen, so Well, über die Österreicher und die Bayern und wo es Unterschiede gibt. Sein Protokoll:

„Die Grenzen sind natürlich fließend. Aber mei. Es gibt da schon ein paar Klischees. Wobei an jedem Klischee etwas Wahres dran ist. Sonst wäre es ja kein Klischee. Der Kellner zum Beispiel. Wir sagen ja Ober. Der Ober ist in Österreich nicht irgendein Diener. Der ist eine Person, die weiß, was sie kann. Unterwürfig ist die nicht. Was speziell der Münchner und der Wiener gemeinsam haben, ist dieser Grant. Dieses abwartende Lauern. Der andere soll einmal machen, dann wird er schon sehen, wo er hinkommt. So eine Art entsteht in der Stadt, glaub ich. Was in Österreich ausgeprägter ist, ist der Respekt vor Titeln. Der Bayer sagt: „Der ist Professor, aber gar nicht blöd.“ Der Österreicher schaut eher auf zum Herrn Professor. Der Beruf des Künstlers wird in Österreich wiederum mehr geschätzt. Vielleicht wegen dem Hang zur Hochkultur. Mit dem Mozart hat das aber nichts zu tun. Der Mozart war ein Bayer, kein Österreicher. Das muss man wissen. Dem sein Vater war aus Augsburg. Und Salzburg war zu Mozarts Zeiten auch nicht Österreich. Aber wenn man das sagt, dann zieht man sich bei den Österreichern einen Schiefer ein. Vielleicht kann man sich darauf einigen, dass der Mozart ein Weltbürger war.

Der Bayer sagt: "Der ist Professor, aber gar nicht blöd."

Trotzdem haben wir Bayern den Österreichern viel zu verdanken. Unseren schönen Dreiklang zum Beispiel. Der kommt eigentlich aus dem Schneeberggebirge. Vor dem Zweiten Weltkrieg hat man den bei uns kaum gekannt. Ja mei, und unsere Gebirgsschützen. Die wären ohne die Österreicher nie entstanden. Die Österreicher sind immer an den Grenzen eingefallen, haben geraubt und geplündert. Der Staat, der hat damals kein Personal gehabt, das er zur Abwehr ins Oberland hätte schicken können. Deshalb hat man dort Bürgerwehren gegründet. Und aus denen heraus – 1705 – sind die Gebirgsschützen entstanden. Die Bayern waren aber auch keine Engerl, gell.

Apropos himmlische Fügung. Nur so nebenbei. Weißt du, mein Urururgroßvater – der McWell– das war ein Schotte. Ein katholischer Schotte. Und als die Gaudi mit der Maria Stuart war, da ist er ausgewandert. Der hat gewusst, dass irgendwo das Eldorado ist. Österreich hat er gemeint. Hängen geblieben ist er dann aber in Niederbayern.“

Als die FURCHE beim „Stofferl“ (Christoph) Well anruft, sitzt er gerade am offenen Fenster und bläst seinen Dudelsack ein. „Seit in Bayern der Künstler Berufsverbot hat, spiele ich jeden Tag um sieben Uhr zur Nordseite hinaus“, erzählt der Jüngste der Well-Brüder (ehemals "Biermösl Blosn", tritt seit 40 Jahren gemeinsam mit Gerhard Polt auf). Ein Seitenhieb auf die restriktive Coronapolitik im Freistaat. Rein theoretisch wäre es ein Leichtes, ihn zu erhören. Der bayerische Landtag liegt nur 300 Meter von der Well'schen Wohnung im Münchner Stadtteil Haidhausen entfernt. Der Söder, sagt Well, hätte sich aber noch nicht bei ihm gemeldet. Aber die Nachbarn brächten ihm ab und an einen selbst gebackenen Kuchen vorbei. Warum spielt er ausgerechnet den Dudelsack? „Weil heute Saint Patrick's Day ist.“ An den anderen Tagen wechselte er zwischen Trompete, Dudelhorn, Bariton oder Harfe ab. Am übernächsten Tag ruft er zurück. Er hat ein bisschen nachdenken müssen, so Well, über die Österreicher und die Bayern und wo es Unterschiede gibt. Sein Protokoll:

„Die Grenzen sind natürlich fließend. Aber mei. Es gibt da schon ein paar Klischees. Wobei an jedem Klischee etwas Wahres dran ist. Sonst wäre es ja kein Klischee. Der Kellner zum Beispiel. Wir sagen ja Ober. Der Ober ist in Österreich nicht irgendein Diener. Der ist eine Person, die weiß, was sie kann. Unterwürfig ist die nicht. Was speziell der Münchner und der Wiener gemeinsam haben, ist dieser Grant. Dieses abwartende Lauern. Der andere soll einmal machen, dann wird er schon sehen, wo er hinkommt. So eine Art entsteht in der Stadt, glaub ich. Was in Österreich ausgeprägter ist, ist der Respekt vor Titeln. Der Bayer sagt: „Der ist Professor, aber gar nicht blöd.“ Der Österreicher schaut eher auf zum Herrn Professor. Der Beruf des Künstlers wird in Österreich wiederum mehr geschätzt. Vielleicht wegen dem Hang zur Hochkultur. Mit dem Mozart hat das aber nichts zu tun. Der Mozart war ein Bayer, kein Österreicher. Das muss man wissen. Dem sein Vater war aus Augsburg. Und Salzburg war zu Mozarts Zeiten auch nicht Österreich. Aber wenn man das sagt, dann zieht man sich bei den Österreichern einen Schiefer ein. Vielleicht kann man sich darauf einigen, dass der Mozart ein Weltbürger war.

Der Bayer sagt: "Der ist Professor, aber gar nicht blöd."

Trotzdem haben wir Bayern den Österreichern viel zu verdanken. Unseren schönen Dreiklang zum Beispiel. Der kommt eigentlich aus dem Schneeberggebirge. Vor dem Zweiten Weltkrieg hat man den bei uns kaum gekannt. Ja mei, und unsere Gebirgsschützen. Die wären ohne die Österreicher nie entstanden. Die Österreicher sind immer an den Grenzen eingefallen, haben geraubt und geplündert. Der Staat, der hat damals kein Personal gehabt, das er zur Abwehr ins Oberland hätte schicken können. Deshalb hat man dort Bürgerwehren gegründet. Und aus denen heraus – 1705 – sind die Gebirgsschützen entstanden. Die Bayern waren aber auch keine Engerl, gell.

Apropos himmlische Fügung. Nur so nebenbei. Weißt du, mein Urururgroßvater – der McWell– das war ein Schotte. Ein katholischer Schotte. Und als die Gaudi mit der Maria Stuart war, da ist er ausgewandert. Der hat gewusst, dass irgendwo das Eldorado ist. Österreich hat er gemeint. Hängen geblieben ist er dann aber in Niederbayern.“

„ Mein Urururgroßvater – der McWell – war ein katholischer Schotte. Der ist ausgewandert, wollte nach Österreich und ist in Niederbayern hängen geblieben.

"Stofferl" Well im Radio und TV

Die Radiosendung „Stofferls Wellmusik“ wird jeden ersten Sonntag im Monat auf "BR Heimat" ausgestrahlt. In der BR-Mediathek ist Wells Serie "Strawanzen" abrufbar.

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