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Gesellschaft

Tinky Winky, Dipsy, Po & Laa-Laa

1945 1960 1980 2000 2020

Mit den "Teletubbies" kommt Baby-Fernsehen jetzt auch in deutsche TV-Kanäle. Die tapsigen Hauptfiguren begeistern die Kleinen und treiben Eltern und Pädagogen zur Weißglut.

1945 1960 1980 2000 2020

Mit den "Teletubbies" kommt Baby-Fernsehen jetzt auch in deutsche TV-Kanäle. Die tapsigen Hauptfiguren begeistern die Kleinen und treiben Eltern und Pädagogen zur Weißglut.

Längst haben sie die Schnuller-Generation in USA und England erobert und Eltern wie Experten entzweit. Jetzt sind sie auch im deutschen Fernsehen zu sehen und sollen wiederholen, was ihnen seit ihrer Premiere 1997 gelungen ist: Die Herzen der Windelhosenträger zu erobern und Eltern wie Pädagogen zur Weißglut zu treiben. Das wird den Teletubbies, jener mit immensem Aufwand produzierten Serie für Ein- bis Dreijährige, wohl auch hierzulande mühelos gelingen. Seit Montag sitzt der heimische TV-Nachwuchs vor der Flimmerkiste und läßt sich auf dem Kinderkanal täglich (7.30, 9.00, 12.15) ins Teletubbies-Land entführen.

Noch nie wurde Kinderfernsehen so angefeindet wie im Fall der Teletubbies. Schon vor dem Serienstart im deutschen TV gibt es scharfe Kritik: "Sendboten des Satans?" fragt das Fernsehmagazin "TV Movie" in seiner jüngsten Ausgabe. Und auch die deutsche "Die Woche" geht mit dem "Windel TV" scharf ins Gericht. Für viele Eltern habe eine TV-Sendung, die sich dezidiert an Klein(st)kinder wendet, etwas Skandalöses. Es sei zu bedauern, daß nichts mehr die deutsche Ausstrahlung der Teletubbies verhindern kann. Kontra-Stimmen gegen die "klebrige Scheinwelt der Teletubbies", gegen "diese TV-Klone - synthetisch bis in die letzte Faser ihrer Polyester-Anzüge" bringt die Fernsehillustrierte "Gong TV".

Woge der Empörung Empörung und massive medienpädagogische Kritik hat die Serie mit den vier Puppenfiguren in ihren grellbunten Strampelanzügen aber schon seit ihrer Erstausstrahlung im angelsächsischen Sprachraum begleitet. Kaum zu glauben, daß vier glotzäugig-tapsige Figuren namens Tinky Winky, Laa-Laa, Po und Dipsy, die Kinder wie Rattenfänger in ihren Bann ziehen, derartige Kontroversen auslösten: Das US-Blatt "Entertainment weekly" schrieb, die Serie stecke voller Anspielungen auf Drogen und Homosexualität. Ein Fernsehpfarrer aus den USA warf der BBC vor, mit der Sendung die guten Sitten zu gefährden. Bei Elternvereinen in England wogte eine Welle der Entrüstung: Sollen Einjährige überhaupt fernsehen? Ein englischer Erziehungswissenschaftler wetterte, durch die pausbackigen Brabbler verlernten die Kinder das Sprechen. Das Sprach-Gebrabbel der Teletubbies war es schließlich auch, was den schärfsten Protest bildungsbewußter Eltern provozierte. Britische Eltern fürchteten um den geordneten Spracherwerb ihrer kleinen Sprößlinge. Sorgen machten sich auch Programmacher in Dänemark, Australien und den USA, weil die chronisch fröhlichen Teletubbies die Kinder angeblich nicht in angemessener Weise auf das Böse in der Welt vorbereiten. Was hat es auf sich mit der von der BBC vor zwei Jahren in England erstmals vorgestellten Serie, die bei der schnullernden Zielgruppe in über 30 Ländern ein Erfolg wurde?

Die Teletubbies wurden speziell für die Ein- bis Dreijährigen entwickelt und sprechen damit - pädagogisch nicht unumstritten - erstmals Zuschauer an, die für die "Sesamstraße" deutlich zu jung sind. In jeder der bislang 290 produzierten Sendeeinheiten entführt das farbenfrohe Quartett die Kleinkinder für 25 Minuten lang ins Teletubbies-Land.

Unter einer kichernden babygesichtigen Sonne sprießen dort auf der grellgrünen Wiese sprechende Blumen und sonderbare Grammophon-Lautsprecher. Hinter den Hügeln wohnen die Vier in einer grünen Höhle, in ihrem tubbytronischen High-Tech-Iglu. Ihr Alltag ist friedlich und lieb. Die vier tapsig-schrägen Männchen, die aussehen wie genmanipulierte Teddybären, springen und tanzen brabbelnd durch ihre bonbonfarbene Phantasiewelt. Auf ihrem Kopf tragen sie eine Antenne, am rundlichen Bauch einen Monitor, auf dem, wenn sie sich langweilen, lustige Realfilme laufen. Daher auch ihr Name: Tele (für Bildschirm), Tubby (für "Dickerchen"). Nebst TV-Konsum und dem üppigen Verzehr von Toast und Pudding gibt es in der Tubby-Welt lustige Roboter. Ein Staubsauger namens No-No ist permanent mit der Reinigung ihrer Lieblingsspielsachen beschäftigt.

Piepsen & Brabbeln Die Serien durchzieht ein Babysprachen-Singsang, ein piepsendes Gebrabbel von Baby-Sprachfragmenten, begleitet von verlangsamten Bewegungen und ständigen Wiederholungen. "Alo, alo", "winke, winke", "O, aouh!" - mit quäkenden Babystimmen lallen sich die vier ihre Wortfetzen zu. Darin liegt scheinbar das Geheimrezept der Serie: Sie ist exakt auf die Wahrnehmungswelt der Allerjüngsten zugeschnitten.

Erst nach langen Studien mit Kleinkindern hat die BBC die Serie produziert. Die Pädagogin und Produzentin Ann Wood behauptet, die Teletubbies-Idee stamme nicht von Marketingexperten, sondern von Kindern. Im Auftrag des Senders bestätigen hochwissenschaftliche Spracherwerbsfachleute, das Teletubbies-Geplapper entspreche der altersgemäßen Lernschwelle. Und das ewige Wiederholen sämtlicher Äußerungen wird als absolut babyaltersgemäß und für die Gehirnbildung enorm wertvoll dargestellt. Um der deutschen TV-Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen, ließen die Programmplaner von ARD und ZDF laut "Die Woche" zur Präsentation der Sendung den Medienwissenschaftler Jo Groebel auffahren. Unter Mitarbeit von Sprachpsychologen und Kinderbuchautoren wurde das Baby-Englisch in Baby-Deutsch übersetzt.

Die Serie hat sich zwei Jahre nach ihrer Premiere in England im März 1997 nicht nur als einnahmenträchtiger TV-Hit erwiesen. Mittlerweile steht eine Armee von Merchandising-Produkten hinter den bei Kindern außerordentlich beliebten Figuren. Das Big Business mit den kleinsten TV-Kunden läuft punktgenau zum deutschen Start der Serie an. Vom Tubby-Milchpudding bis zu Kinderschuhen gibt es die unterschiedlichsten Produkte. In den Regalen der Spielwarenläden warten schon die grellfarbigen Kuschelfiguren in allen Größen - mit und ohne Sprach-Chip; weiter im Angebot: Teletubby-Rucksäcke, CDs, Kassetten, T-Shirts, Armbänder, Videos und ganze Spielesets. Wochenlang hat sich in England eine Single-CD in den Charts gehalten; ihr Titel erwartungsgemäß vielsagend: "Teletubbies say EH-OH."

Der Autor ist Kinderpsychologe und Psychotherapeut in Innsbruck.

Längst haben sie die Schnuller-Generation in USA und England erobert und Eltern wie Experten entzweit. Jetzt sind sie auch im deutschen Fernsehen zu sehen und sollen wiederholen, was ihnen seit ihrer Premiere 1997 gelungen ist: Die Herzen der Windelhosenträger zu erobern und Eltern wie Pädagogen zur Weißglut zu treiben. Das wird den Teletubbies, jener mit immensem Aufwand produzierten Serie für Ein- bis Dreijährige, wohl auch hierzulande mühelos gelingen. Seit Montag sitzt der heimische TV-Nachwuchs vor der Flimmerkiste und läßt sich auf dem Kinderkanal täglich (7.30, 9.00, 12.15) ins Teletubbies-Land entführen.

Noch nie wurde Kinderfernsehen so angefeindet wie im Fall der Teletubbies. Schon vor dem Serienstart im deutschen TV gibt es scharfe Kritik: "Sendboten des Satans?" fragt das Fernsehmagazin "TV Movie" in seiner jüngsten Ausgabe. Und auch die deutsche "Die Woche" geht mit dem "Windel TV" scharf ins Gericht. Für viele Eltern habe eine TV-Sendung, die sich dezidiert an Klein(st)kinder wendet, etwas Skandalöses. Es sei zu bedauern, daß nichts mehr die deutsche Ausstrahlung der Teletubbies verhindern kann. Kontra-Stimmen gegen die "klebrige Scheinwelt der Teletubbies", gegen "diese TV-Klone - synthetisch bis in die letzte Faser ihrer Polyester-Anzüge" bringt die Fernsehillustrierte "Gong TV".

Woge der Empörung Empörung und massive medienpädagogische Kritik hat die Serie mit den vier Puppenfiguren in ihren grellbunten Strampelanzügen aber schon seit ihrer Erstausstrahlung im angelsächsischen Sprachraum begleitet. Kaum zu glauben, daß vier glotzäugig-tapsige Figuren namens Tinky Winky, Laa-Laa, Po und Dipsy, die Kinder wie Rattenfänger in ihren Bann ziehen, derartige Kontroversen auslösten: Das US-Blatt "Entertainment weekly" schrieb, die Serie stecke voller Anspielungen auf Drogen und Homosexualität. Ein Fernsehpfarrer aus den USA warf der BBC vor, mit der Sendung die guten Sitten zu gefährden. Bei Elternvereinen in England wogte eine Welle der Entrüstung: Sollen Einjährige überhaupt fernsehen? Ein englischer Erziehungswissenschaftler wetterte, durch die pausbackigen Brabbler verlernten die Kinder das Sprechen. Das Sprach-Gebrabbel der Teletubbies war es schließlich auch, was den schärfsten Protest bildungsbewußter Eltern provozierte. Britische Eltern fürchteten um den geordneten Spracherwerb ihrer kleinen Sprößlinge. Sorgen machten sich auch Programmacher in Dänemark, Australien und den USA, weil die chronisch fröhlichen Teletubbies die Kinder angeblich nicht in angemessener Weise auf das Böse in der Welt vorbereiten. Was hat es auf sich mit der von der BBC vor zwei Jahren in England erstmals vorgestellten Serie, die bei der schnullernden Zielgruppe in über 30 Ländern ein Erfolg wurde?

Die Teletubbies wurden speziell für die Ein- bis Dreijährigen entwickelt und sprechen damit - pädagogisch nicht unumstritten - erstmals Zuschauer an, die für die "Sesamstraße" deutlich zu jung sind. In jeder der bislang 290 produzierten Sendeeinheiten entführt das farbenfrohe Quartett die Kleinkinder für 25 Minuten lang ins Teletubbies-Land.

Unter einer kichernden babygesichtigen Sonne sprießen dort auf der grellgrünen Wiese sprechende Blumen und sonderbare Grammophon-Lautsprecher. Hinter den Hügeln wohnen die Vier in einer grünen Höhle, in ihrem tubbytronischen High-Tech-Iglu. Ihr Alltag ist friedlich und lieb. Die vier tapsig-schrägen Männchen, die aussehen wie genmanipulierte Teddybären, springen und tanzen brabbelnd durch ihre bonbonfarbene Phantasiewelt. Auf ihrem Kopf tragen sie eine Antenne, am rundlichen Bauch einen Monitor, auf dem, wenn sie sich langweilen, lustige Realfilme laufen. Daher auch ihr Name: Tele (für Bildschirm), Tubby (für "Dickerchen"). Nebst TV-Konsum und dem üppigen Verzehr von Toast und Pudding gibt es in der Tubby-Welt lustige Roboter. Ein Staubsauger namens No-No ist permanent mit der Reinigung ihrer Lieblingsspielsachen beschäftigt.

Piepsen & Brabbeln Die Serien durchzieht ein Babysprachen-Singsang, ein piepsendes Gebrabbel von Baby-Sprachfragmenten, begleitet von verlangsamten Bewegungen und ständigen Wiederholungen. "Alo, alo", "winke, winke", "O, aouh!" - mit quäkenden Babystimmen lallen sich die vier ihre Wortfetzen zu. Darin liegt scheinbar das Geheimrezept der Serie: Sie ist exakt auf die Wahrnehmungswelt der Allerjüngsten zugeschnitten.

Erst nach langen Studien mit Kleinkindern hat die BBC die Serie produziert. Die Pädagogin und Produzentin Ann Wood behauptet, die Teletubbies-Idee stamme nicht von Marketingexperten, sondern von Kindern. Im Auftrag des Senders bestätigen hochwissenschaftliche Spracherwerbsfachleute, das Teletubbies-Geplapper entspreche der altersgemäßen Lernschwelle. Und das ewige Wiederholen sämtlicher Äußerungen wird als absolut babyaltersgemäß und für die Gehirnbildung enorm wertvoll dargestellt. Um der deutschen TV-Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen, ließen die Programmplaner von ARD und ZDF laut "Die Woche" zur Präsentation der Sendung den Medienwissenschaftler Jo Groebel auffahren. Unter Mitarbeit von Sprachpsychologen und Kinderbuchautoren wurde das Baby-Englisch in Baby-Deutsch übersetzt.

Die Serie hat sich zwei Jahre nach ihrer Premiere in England im März 1997 nicht nur als einnahmenträchtiger TV-Hit erwiesen. Mittlerweile steht eine Armee von Merchandising-Produkten hinter den bei Kindern außerordentlich beliebten Figuren. Das Big Business mit den kleinsten TV-Kunden läuft punktgenau zum deutschen Start der Serie an. Vom Tubby-Milchpudding bis zu Kinderschuhen gibt es die unterschiedlichsten Produkte. In den Regalen der Spielwarenläden warten schon die grellfarbigen Kuschelfiguren in allen Größen - mit und ohne Sprach-Chip; weiter im Angebot: Teletubby-Rucksäcke, CDs, Kassetten, T-Shirts, Armbänder, Videos und ganze Spielesets. Wochenlang hat sich in England eine Single-CD in den Charts gehalten; ihr Titel erwartungsgemäß vielsagend: "Teletubbies say EH-OH."

Der Autor ist Kinderpsychologe und Psychotherapeut in Innsbruck.