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Gesellschaft

Unbegreifliches aus Linz

1945 1960 1980 2000 2020
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Manfred Haimbuchner war geschockt. "Das Bibelwerk der Diözese Linz hat gestern eine gegenderte 'Fa m i l i e n b i b e l' vorgestellt", postete er vergangenen Samstag auf Facebook. "'Söhne Gottes' werden zu 'Kindern Gottes', ein 'Mann' zu 'Mensch' und eine 'Apostelin' gibt es nun auch: Für mich ist das unbegreiflich!" Mit dieser Befindlichkeitsannonce ließ es Oberösterreichs blauer Landeshauptmann-Stellvertreter aber nicht bewenden. Weil so ein Schock auch Stimmung macht, musste ein Online-Voting her. "Was meint ihr? Bibel gendern?", fragte er seine 100.000 Freunde und ließ sie zwischen "Schwachsinn!" oder "Warum nicht?" entscheiden. Das Ergebnis war vorhersehbar.

Was tun, wenn politische Amtsträger offensichtlich nicht über ein Mindestmaß an (intellektueller) Redlichkeit verfügen? Angesichts des Falles Haimbuchner ist diese Frage einmal mehr zu stellen. Dass das Thema Geschlechtergerechtigkeit im freiheitlichen Biotop keine übertriebene Wertschätzung genießt, ist bekannt. Aber dass ein Mitglied einer Landesregierung völlig unbeschwert von Tatsachen eine Kampagne startet - diesfalls gegen die katholische Kirche -, hat doch eine neue Qualität.

Neu und ungewohnt ist indes auch die Klarheit, mit der die Kirche reagierte. "Es dürfte Herrn Haimbuchner schlicht entgangen sein, dass diese überarbeitete und approbierte Einheitsübersetzung für die Katholische Kirche bereits seit gut einem Jahr vorliegt", heißt es in einer Stellungnahme der Diözese Linz. Dass Männer und Frauen in gleicher Weise angesprochen werden (durch "Eltern" statt "Väter" oder "Kinder" statt "Söhne"), entspreche dem hebräischen und griechischen Urtext. Und dass es nicht schon bisher eine Apostelin Junia gab, war ein Übersetzungsfehler. "Vor allem von einem Politiker, der sich gerne auf die christlichen Wurzeln bezieht, wäre zu erwarten, dass er die Entwicklungen im Bereich der Bibelübersetzungen und der aktuellen Bibelforschung besser im Blick hat", heißt es nicht ohne Süffisanz - samt Angebot, Haimbuchner eine druckfrische Familienbibel zukommen zu lassen. Auch für die neue Bundesregierung wäre das ein schönes Geschenk: Vielleicht ließe sich damit manch Unbegreifliches vermeiden.

Manfred Haimbuchner war geschockt. "Das Bibelwerk der Diözese Linz hat gestern eine gegenderte 'Fa m i l i e n b i b e l' vorgestellt", postete er vergangenen Samstag auf Facebook. "'Söhne Gottes' werden zu 'Kindern Gottes', ein 'Mann' zu 'Mensch' und eine 'Apostelin' gibt es nun auch: Für mich ist das unbegreiflich!" Mit dieser Befindlichkeitsannonce ließ es Oberösterreichs blauer Landeshauptmann-Stellvertreter aber nicht bewenden. Weil so ein Schock auch Stimmung macht, musste ein Online-Voting her. "Was meint ihr? Bibel gendern?", fragte er seine 100.000 Freunde und ließ sie zwischen "Schwachsinn!" oder "Warum nicht?" entscheiden. Das Ergebnis war vorhersehbar.

Was tun, wenn politische Amtsträger offensichtlich nicht über ein Mindestmaß an (intellektueller) Redlichkeit verfügen? Angesichts des Falles Haimbuchner ist diese Frage einmal mehr zu stellen. Dass das Thema Geschlechtergerechtigkeit im freiheitlichen Biotop keine übertriebene Wertschätzung genießt, ist bekannt. Aber dass ein Mitglied einer Landesregierung völlig unbeschwert von Tatsachen eine Kampagne startet - diesfalls gegen die katholische Kirche -, hat doch eine neue Qualität.

Neu und ungewohnt ist indes auch die Klarheit, mit der die Kirche reagierte. "Es dürfte Herrn Haimbuchner schlicht entgangen sein, dass diese überarbeitete und approbierte Einheitsübersetzung für die Katholische Kirche bereits seit gut einem Jahr vorliegt", heißt es in einer Stellungnahme der Diözese Linz. Dass Männer und Frauen in gleicher Weise angesprochen werden (durch "Eltern" statt "Väter" oder "Kinder" statt "Söhne"), entspreche dem hebräischen und griechischen Urtext. Und dass es nicht schon bisher eine Apostelin Junia gab, war ein Übersetzungsfehler. "Vor allem von einem Politiker, der sich gerne auf die christlichen Wurzeln bezieht, wäre zu erwarten, dass er die Entwicklungen im Bereich der Bibelübersetzungen und der aktuellen Bibelforschung besser im Blick hat", heißt es nicht ohne Süffisanz - samt Angebot, Haimbuchner eine druckfrische Familienbibel zukommen zu lassen. Auch für die neue Bundesregierung wäre das ein schönes Geschenk: Vielleicht ließe sich damit manch Unbegreifliches vermeiden.