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Mutter-Kind-Pass - © Foto: picturedesk.com / Daniel Scharinger

Vom Mutter-Kind-Pass zum Eltern-Kind-Pass: Renaissance eines Klassikers

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Der Mutter-Kind-Pass soll als digitaler Eltern-Kind-Pass mehr Leistungen bringen. In der Ressourcenfrage bleiben aber Lücken. Und auch die Umsetzung lässt auf sich warten.

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Der Mutter-Kind-Pass soll als digitaler Eltern-Kind-Pass mehr Leistungen bringen. In der Ressourcenfrage bleiben aber Lücken. Und auch die Umsetzung lässt auf sich warten.

Cordula Pröbstl ist schwanger. Bald schon wird ihr Baby zur Welt kommen. „Die Sorge, nicht genug für mein Kind zu tun oder ihm etwas vorzuenthalten, habe ich aber von Beginn an – und für immer“, sagt die werdende Mutter und Ärztin. Schwangerschaft werde eben zugleich tabuisiert und glorifiziert – und jeder bzw. jede hat dazu zwar viel Meinung, aber wenig Expertise: „Es kann einiges schiefgehen während einer Schwangerschaft – aber das ist völlig normal“, ist sich Pröbstl bewusst. „Nur wissen das die wenigsten.“

Um Schwierigkeiten in der Schwangerschaft vorzubeugen, wurde in Österreich 1974 der Mutter-Kind-Pass eingeführt. Er dient der gesundheitlichen Vorsorge für Schwangere und ihre Kinder – bis zu deren fünftem Lebensjahr. „Ein wertvolles Werkzeug, um die wichtigsten Untersuchungen in einem Dokument gesammelt zu haben”, betont die Klinikhebamme Karina Wagner*.

Aus Mutter-Kind wird Eltern-Kind

Derzeit besteht das Programm aus gynäkologischen sowie Ultraschalluntersuchungen, einer Hebammenberatung und einem HIV- bzw. Zuckerbelastungstest. Die Kosten dafür tragen die Krankenkassen. Doch Kassen-Ärztinnen und -Ärzte bemängeln seit langem die niedrigen Tarife: Im Herbst des Vorjahres forderten sie eine Erhöhung um 80 Prozent. Bisher erhalten sie nach Angaben der Ärztekammer ein Honorar von 18,02 Euro pro Mutter-Kind-Pass-Untersuchung – Experten gehen freilich davon aus, dass die wichtigsten davon privat mindestens 100 Euro pro Termin kosten.

Sollte es zu keiner Tarifanpassung kommen, drohen die Vertreter(innen) der Ärztekammer damit, ihre Leistungen einzustellen. Die Debatten über die Neugeburt des gelben Klassikers währen schon lange – doch die 2019 erarbeiteten Änderungen am Muter-Kind-Pass sind bis dato nicht umgesetzt. Kritik daran wird auch im jüngsten Rechnungshofbericht geübt.

Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) betont einstweilen, die Tarife und Leistungen im Zuge der Reform zeitgemäß gestalten zu wollen. Konkret soll der Mutter-Kind-Pass in den kommenden zwei bis vier Jahren digitalisiert, ausgebaut und in „Eltern-Kind-Pass“ umbenannt werden.

Die Grundlage für die Umstellung bilden die Leitlinien für Screenings von Schwangeren und Kindern (0-6 Jahre) des Ludwig Boltzmann Instituts für Health Technology Assessment. Mit der Digitalisierung der medizinischen Daten (siehe dazu auch Seite 9) soll die Dokumentation der Untersuchungsergebnisse verbessert werden: Die Zugänglichkeit der Daten wird vereinfacht – und bleibt auch erhalten, wenn der Pass verschwinden sollte. Bislang steht dieser nur in Papierform zur Verfügung. Geht er verloren, müssen die Ergebnisse aller Untersuchungen und Beratungen neu angefordert werden. Schließlich setzt der volle Bezug des Kinderbetreuungsgeldes die Bestätigung der Vorsorgeuntersuchungen voraus.

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