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Gesellschaft

Wie man heute zum Methusalem wird

1945 1960 1980 2000 2020
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"Die Hälfte der Hundertjährigen hat - bewusst oder unbewusst - den Beschluss gefasst, gesund alt zu werden und dafür etwas zu tun."

"Aktivität und Glück im Alter liegen weit weniger, als von vielen erwartet, in den dunklen Launen des Schicksals oder unabwendbar festgeschrieben in den Genen. (Bert Ehgartner)"

Mit 969 Jahren ist Methusalem der älteste in der Bibel erwähnte Mensch. Mit 187 Jahren zeugt er Lamech, anschließend lebt er noch weitere 782 Jahre und zeugt "Söhne und Töchter", wie es im Buch Genesis heißt. Ob bewusste Ernährung oder regelmäßige Bewegung diese Potenz bis ins hohe Alter möglich machte, darüber schweigt sich die Bibel aus. Wahrscheinlicher ist wohl, dass es Gott einfach so gefiel. Erst später beschränkte er die Lebenszeit der Menschen auf 120 Jahre.

Heute sprengt selbst das noch jede Vorstellung. Wer wollte schon so steinalt werden, geplagt von Arthrose, Demenz und Einsamkeit? Lieber tritt man früher ab, erfreut sich aber bis zuletzt anhaltender Gesundheit. Wie das gelingen könnte, beschreibt Bert Ehgartner in seinem neuen Buch "Der Methusalem-Code". Wobei sich der Wissenschaftsjournalist -abgesehen vom griffigen Titel - weniger auf die Bibel als auf evidence based medicine bezieht. Hunderte Studien hat Ehgartner durchforstet, um den "Geheimnissen der Hundertjährigen für ein glückliches langes Leben" näher zu kommen, wie es im Untertitel heißt.

Gesund alt werden -und etwas dafür tun

Seine Quintessenz: Langlebigkeit liege nicht "in den dunklen Launen des Schicksals oder unabwendbar festgeschrieben in den Genen", sondern könne durch günstige Lebensplanung beeinflusst werden. Forscher hätten bei der Befragung Hundertjähriger schließlich herausgefunden, dass zwar die Hälfte von ihnen gar kein besonders gesundes Leben geführt habe und ihr Geheimnis einfach "eine robuste Natur und ein unverwüstliches Abwehrsystem" sei; die andere Hälfte habe aber irgendwann -bewusst oder unbewusst -den Beschluss gefasst, gesund alt zu werden und etwas dafür zu tun.

Sieben Lebenseinstellungen sind laut Ehgartner zentral -und mit genussfeindlicher Askese hätten sie alle nichts zu tun. Den Anfang macht gleich die Beziehung. Unter dem Titel "Schätze Deinen Partner" beschreibt Ehgartner etwa, warum Paare länger leben, warum Heiraten gesund ist (für Männer noch mehr als für Frauen) und was Ehen Stabilität verleiht (aus Sicht des US-Psychologen John Gottmann ist es die "tiefe Freundschaft" der Paare und ihre emotionale Kompetenz, dafür zu sorgen, dass unweigerlich vorhandene negative Gedanken und Gefühle nicht die positiven überdecken).

Nicht völlig überraschend, aber immerhin auch allein umzusetzen sind Ehgartners weitere Ratschläge: "Beweg Deinen Hintern" zum Beispiel, "Achte auf Dein Essen","Steck die Nase ins Leben!","Bleib heiter und gelassen" oder "Genieße ohne Sucht". Hier zieht der Autor vor allem gegen das Rauchen zu Felde. Es sei "die mit Abstand bedeutsamste Ursache für vorzeitigen Tod, die wir selbst beeinflussen könnten", schreibt er (eine Erkenntnis, die sich in der FPÖ offenbar noch nicht ausreichend herumgesprochen hat). Beim Thema Alkohol sieht er die Chose hingegen ambivalenter: Missbrauch sei hier zwar ein Massenphänomen, in begrenzten Mengen genossen fördere aber beispielsweise Wein auch das "gute" HDL-Cholesterin, erweise sich als Heilmittel punkto Knochendichte und senke sogar das Demenzrisiko.

Glück und Langlebigkeit als Projekt?

Widerspruch könnte Bert Ehgartner indes für sein Kapitel "Lass Dich nicht ängstigen" auslösen, in dem er "Prävention als Krankmacher" bezeichnet und die Sinnhaftigkeit von Screening-Programmen (etwa gegen Brustkrebs) anzweifelt. Auch die generelle Stoßrichtung des Buches, glückliches Altern als zu leistendes "Projekt" zu begreifen, kann man hinterfragen. Höhepunkt dieses Machbarkeits-Paradigmas ist der "Methusalem-Test" gleich zu Beginn des Buches. Anhand von Kriterien wie Body-Mass-Index, Blutdruck und -zucker, Rauch-und Trinkgewohnheiten, körperlichem und seelischem Befinden, Partnerschaft, Sozialleben, Beruf, Finanzen, Ernährung, Medikamentenkonsum, Charakter oder Bewegung (samt "Methusalem-Fitnesstest") sollen die Leserinnen und Leser auf einer "Methusalem-Skala" von null bis hundert eruieren, wieviele Prozent ihres "persönlichen Lebenspotenzials" sie derzeit ausgeschöpfen -und wo ihre Schwächen sind. "Wir machen uns selbst ein Alter, das schön wird", heißt es im "Methusalem-Vertrag" am Anfang des Buches. Wer dazu nicht imstande ist, dem gnade bitte Gott.

"Die Hälfte der Hundertjährigen hat - bewusst oder unbewusst - den Beschluss gefasst, gesund alt zu werden und dafür etwas zu tun."

"Aktivität und Glück im Alter liegen weit weniger, als von vielen erwartet, in den dunklen Launen des Schicksals oder unabwendbar festgeschrieben in den Genen. (Bert Ehgartner)"

Mit 969 Jahren ist Methusalem der älteste in der Bibel erwähnte Mensch. Mit 187 Jahren zeugt er Lamech, anschließend lebt er noch weitere 782 Jahre und zeugt "Söhne und Töchter", wie es im Buch Genesis heißt. Ob bewusste Ernährung oder regelmäßige Bewegung diese Potenz bis ins hohe Alter möglich machte, darüber schweigt sich die Bibel aus. Wahrscheinlicher ist wohl, dass es Gott einfach so gefiel. Erst später beschränkte er die Lebenszeit der Menschen auf 120 Jahre.

Heute sprengt selbst das noch jede Vorstellung. Wer wollte schon so steinalt werden, geplagt von Arthrose, Demenz und Einsamkeit? Lieber tritt man früher ab, erfreut sich aber bis zuletzt anhaltender Gesundheit. Wie das gelingen könnte, beschreibt Bert Ehgartner in seinem neuen Buch "Der Methusalem-Code". Wobei sich der Wissenschaftsjournalist -abgesehen vom griffigen Titel - weniger auf die Bibel als auf evidence based medicine bezieht. Hunderte Studien hat Ehgartner durchforstet, um den "Geheimnissen der Hundertjährigen für ein glückliches langes Leben" näher zu kommen, wie es im Untertitel heißt.

Gesund alt werden -und etwas dafür tun

Seine Quintessenz: Langlebigkeit liege nicht "in den dunklen Launen des Schicksals oder unabwendbar festgeschrieben in den Genen", sondern könne durch günstige Lebensplanung beeinflusst werden. Forscher hätten bei der Befragung Hundertjähriger schließlich herausgefunden, dass zwar die Hälfte von ihnen gar kein besonders gesundes Leben geführt habe und ihr Geheimnis einfach "eine robuste Natur und ein unverwüstliches Abwehrsystem" sei; die andere Hälfte habe aber irgendwann -bewusst oder unbewusst -den Beschluss gefasst, gesund alt zu werden und etwas dafür zu tun.

Sieben Lebenseinstellungen sind laut Ehgartner zentral -und mit genussfeindlicher Askese hätten sie alle nichts zu tun. Den Anfang macht gleich die Beziehung. Unter dem Titel "Schätze Deinen Partner" beschreibt Ehgartner etwa, warum Paare länger leben, warum Heiraten gesund ist (für Männer noch mehr als für Frauen) und was Ehen Stabilität verleiht (aus Sicht des US-Psychologen John Gottmann ist es die "tiefe Freundschaft" der Paare und ihre emotionale Kompetenz, dafür zu sorgen, dass unweigerlich vorhandene negative Gedanken und Gefühle nicht die positiven überdecken).

Nicht völlig überraschend, aber immerhin auch allein umzusetzen sind Ehgartners weitere Ratschläge: "Beweg Deinen Hintern" zum Beispiel, "Achte auf Dein Essen","Steck die Nase ins Leben!","Bleib heiter und gelassen" oder "Genieße ohne Sucht". Hier zieht der Autor vor allem gegen das Rauchen zu Felde. Es sei "die mit Abstand bedeutsamste Ursache für vorzeitigen Tod, die wir selbst beeinflussen könnten", schreibt er (eine Erkenntnis, die sich in der FPÖ offenbar noch nicht ausreichend herumgesprochen hat). Beim Thema Alkohol sieht er die Chose hingegen ambivalenter: Missbrauch sei hier zwar ein Massenphänomen, in begrenzten Mengen genossen fördere aber beispielsweise Wein auch das "gute" HDL-Cholesterin, erweise sich als Heilmittel punkto Knochendichte und senke sogar das Demenzrisiko.

Glück und Langlebigkeit als Projekt?

Widerspruch könnte Bert Ehgartner indes für sein Kapitel "Lass Dich nicht ängstigen" auslösen, in dem er "Prävention als Krankmacher" bezeichnet und die Sinnhaftigkeit von Screening-Programmen (etwa gegen Brustkrebs) anzweifelt. Auch die generelle Stoßrichtung des Buches, glückliches Altern als zu leistendes "Projekt" zu begreifen, kann man hinterfragen. Höhepunkt dieses Machbarkeits-Paradigmas ist der "Methusalem-Test" gleich zu Beginn des Buches. Anhand von Kriterien wie Body-Mass-Index, Blutdruck und -zucker, Rauch-und Trinkgewohnheiten, körperlichem und seelischem Befinden, Partnerschaft, Sozialleben, Beruf, Finanzen, Ernährung, Medikamentenkonsum, Charakter oder Bewegung (samt "Methusalem-Fitnesstest") sollen die Leserinnen und Leser auf einer "Methusalem-Skala" von null bis hundert eruieren, wieviele Prozent ihres "persönlichen Lebenspotenzials" sie derzeit ausgeschöpfen -und wo ihre Schwächen sind. "Wir machen uns selbst ein Alter, das schön wird", heißt es im "Methusalem-Vertrag" am Anfang des Buches. Wer dazu nicht imstande ist, dem gnade bitte Gott.