Wie Weiterbildung sein sollte

Werbung
Werbung
Werbung

Wollen und brauchen ältere Mitarbeiter andere Methoden der Weiterbildung als Junge? Reinhard Nagler vom Wirtschaftsförderungsinstitut in Oberösterreich sagt klar: "Nein."

Nahezu alle kognitiven Fähigkeiten des Menschen nehmen spätestens ab einem Alter von 25 Jahren ab. Ältere Mitarbeiter und Weiterbildung? Das kann ja nicht funktionieren.

Genau. So dachte man noch in den 50er Jahren, und dann wollte im Jahr 1958 auch noch eine Studie die schrumpfende Lernfähigkeit festgestellt haben. Und diese Ansicht sollte bis 1995 herrschende Lehre bleiben, bis die alte Studie endgültig wiederlegt wurde. Mittlerweile ist klar: Erst ab dem Alter von 60 Jahren nimmt die Lernfähigkeit langsam ab. Aber da sie trainierbar ist, ist auch das kein Hindernis für Weiterbildung.

Vorurteil bis heute

Das Vorurteil, ältere Menschen würden langsamer und schwerer lernen und das Gelernte schnell wieder vergessen, hat sich dennoch bis heute gehalten. Teilweise glauben es die Betroffenen sogar selber, teilweise wird es von Personalmanagern, Firmenchefs und Gruppenleitern weitergetragen.

Ein weiteres, immer wieder strapaziertes Vorurteil älteren Arbeitnehmern gegenüber ist die Ansicht, sie seien nicht weiterbildungsbereit. Und tatsächlich nehmen deutlich mehr junge Menschen an Kursen etwa des Wirtschaftsförderungsinstitutes (WIFI) Oberösterreich teil als ältere. Mit fehlendem Bildungswillen muss das freilich nichts zu tun haben, ist Reinhard Nagler überzeugt. Er leitet im Zusammenhang mit dem oberösterreichischen Projekt "WAGE - Winning Age, getting Future" eine Studie über generationsgerechte Didaktik und Methodik. "Sehr viele Kursanbieter sind stark umschulungsorientiert. Das bringt den meisten Menschen um die 50 aber nicht viel. Sie haben ganz konkrete Probleme oder Fragen, die sie erläutert und gelöst haben möchten." Nicht die Vermittlung von großen Wissensblöcken sei in der Regel nötig, sondern "eher kleiner Updates, damit das vorhandene Wissen aktuell bleibt oder wieder wird." Dabei ist der Bedarf oft sehr individuell. Daher wäre Einzelcoaching sinnvoll, vielleicht sogar in der Form, dass ein Experte den Mitarbeiter für eine bestimmte Zeit während seiner Arbeit im Betrieb begleitet und unterstützt. "Aber natürlich ist das, wenn der Experte von außen kommt, eine sehr teure Art der Weiterbildung, die sich viele Unternehmen nicht leisten können und wollen." Wichtig wäre daher, Weiterbildung noch mehr als bisher zu fördern. "Aber schon jetzt gibt es sehr gute Ansätze der Unterstützung, weil ja Weiterbildung von Über-45-Jährigen speziell gefördert wird", zeigt sich Nagler zufrieden.

Was Ältere in der Regel dagegen nicht wollen, sind spezielle Kurse nur für ihre Altersgruppe. "Sie wollen in den selben Kursen sitzen wie die Jungen", ist Nagler nach der Studie überzeugt. Einzig an den Kursleiter werden teilweise andere Anforderungen gestellt: "Außer im EDV-Bereich sollte er nicht zu jung sein, schon gar nicht bei Kursen für Führungskräfte, weil er dann schlicht und einfach ein Autoritätsproblem hat."

Keinen Unterschied zwischen Alt und Jung gebe es jedoch - im Gegensatz zur landläufigen Meinung - in der Anforderung an die Lerninhalte und die Didaktik im Kurs. "Ältere lernen auf die genau gleiche Art wie Jüngere", betont Nagler. Einen Unterschied, fügt er hinzu, gebe es möglicherweise aber doch: Die Älteren seien aus der Schule noch den Frontalvortrag gewohnt. "Und da viele an die Schule nicht die besten Erinnerungen haben, ist es bei Älteren vielleicht sogar noch wichtiger, von dieser Art des Unterrichts wegzukommen." Gruppenarbeit, selbst erarbeitetes Wissen und Learning bei Doing unter Anleitung eines erfahrenen Kursleiters seien schließlich in allen Altersgruppen die wesentlich Erfolg versprechenderen Methoden. Allerdings würden viele Ältere, die diese Methoden nicht kennen, hinterher vom Kurs sagen: "Wozu hab ich jetzt den Kurs gebraucht, ich hab mir das ja alles selbst beigebracht." Was auch - außer für das Ego des Kursleitern - nicht viel ausmacht, schließlich zählt der Lernerfolg.

Vor allem EDV

Und in welchen Bereichen haben Arbeitnehmer über 45 Jahren den größten Nachholbedarf? Eine Umfrage bei 40 oberösterreichischen Arbeitgebern brachte ein wenig erstaunliches Ergebnis: 60 Prozent der befragten Vorgesetzten meinten, die älteren Mitarbeiter würden sich mit Computern zu wenig auskennen, 20 Prozent orteten Defizite im persönlichen Bereich und 17 Prozent nannten Fachwissen als Mankos (Mehrfachnennungen waren möglich). Bessere Sprachkenntnisse dagegen forderten nur weniger als zehn Prozent der Personalisten.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.