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Alles ganz sauber?

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Wildschwein - © pixabay

Wildfleisch: Keine Transporte, kein Schlachtstress“

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Die Herbst-Winter-Zeit gilt als Wildsaison und Wildfleisch als gesunde, klimaneutrale Alternative. Jäger und Geschäftsgründer Daniel Hold spricht im Interview darüber, wieso und wann diese Annahmen einen Haken haben.

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Die Herbst-Winter-Zeit gilt als Wildsaison und Wildfleisch als gesunde, klimaneutrale Alternative. Jäger und Geschäftsgründer Daniel Hold spricht im Interview darüber, wieso und wann diese Annahmen einen Haken haben.

Preisdumping, lange Transportwege, fragwürdige Herkunft: Daniel Hold und sein Geschäftspartner Jörg Neuhauser aus Oberösterreich treten mit ihrer Philosophie gegen klimaschädlichen Konsum an. Sie vertreiben heimisches Wildfleisch und werben für faire Preise. Ein Gespräch über natürliche Ressourcen und problematische Tendenzen.

DIE FURCHE: Die Weltklimakonferenz ist gerade zu Ende gegangen. Wir wissen mittlerweile, dass der exzessive Fleischkonsum massiv das Klima beeinflusst. Sie sagen, Wildfleisch sei die Alternative. Warum? Daniel Hold: Wild ist aus unserer Sicht nicht die Alternative für den gesamten Fleischkonsum, aber es ist zumindest die gesündeste Art, Fleisch zu konsumieren. Alle Attribute, die wir aus der Massentierhaltung kennen, sind hier nicht existent. Wir haben freilebendes Wild aus Österreich. Das heißt: keine Tiertransporte, kein Schlachtstress, keine Medikamente und keine Zufütterungen wie bei einer Massentierhaltung, und deshalb sind wir am Ende CO₂- neutral. Wenn man Fleisch konsumiert, soll man das aus unserer Sicht bewusst machen, weil es wirklich etwas Besonderes ist.

DIE FURCHE: Trotzdem wird in Österreich hauptsächlich Schweinefleisch konsumiert. Wie ist das zu erklären?
Hold:
Wir als Bevölkerung haben es verlernt, mit unseren natürlichen Ressourcen umzugehen. Wir exportieren mehr als die Hälfte unseres heimischen Wilds ins Ausland und reimportieren gleichzeitig Wild mit fragwürdiger Herkunft. Da spreche ich von Wild aus Gatterhaltung, hauptsächlich aus Neuseeland, den USA oder auch aus Spanien. Und außerdem ist ein absolutes No-Go, dass es diese Herkunftsdeklaration und Auskunftspflicht in der Gastronomie nicht gibt. Wenn man heute ein Hirschragout in einem Restaurant konsumiert, käme man nicht auf die Idee, dass es sich um Wild aus dem Ausland handeln könnte. Man hat aber – nicht bei allen, aber bei vielen – mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Neuseeland- oder USA-Hirsch auf dem Teller. Wird ein Rindersteak aus Argentinien angeboten, preist man das als Qualitätskriterium. Beim billigen Hirschragout aus Neuseeland wird die Herkunft nicht angegeben. Das ist zweierlei Maß.

DIE FURCHE: Wildfleisch ist im Vergleich teurer ...
Daniel Hold:
Fleisch ist generell zu billig. Wild ist kein Massenprodukt. Wir bewegen uns in einem richtigen Preissegment, das der Wahrheit entspricht.

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