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Zum Thema: Enttäuschte Erwartungen: Die Pille für den Mann

Noch am 15. Jänner verkündete Christian Egarter von der Universitätsfrauenklinik am Wiener AKH, dass sie endlich funktioniere - die Pille für den Mann. Vier Wochen lang habe sein Patient täglich acht Tabletten eingenommen - eine Kombination des weiblichen Gelbkörperhormons mit dem männlichen Hormon Testosteron. Schon schien sich der Erfolg einzustellen, freute sich der Gynäkologe im Radio-"Mittagsjournal": "Die Spermien gingen unter 10.000, das heißt, der Mann wurde unfruchtbar. Und es gab auch keine Nebenwirkungen." Insgesamt 66 Männer seien weltweit erfolgreich getestet worden, in Wien wie auch in Edinburgh und Shanghai. Jetzt müsse die Pille noch an 120 Männern in fünf europäischen Ländern erprobt werden, dann könne sie weltweit zugelassen werden und als tägliche Tablette bis 2005 am Markt sein. Drei Tage später die ernüchternde Entgegnung: Von einem Durchbruch kann keine (seriöse) Rede sein, meldete sich der Salzburger Urologe Andreas Jungwirth zu Wort. Das Präparat stecke vielmehr noch in den Kinderschuhen. Auch eine Spermienzahl unter 10.000 garantiere keineswegs Sicherheit, so Jungwirth. Es brauche nur "ein Spermium am richtigen Ort" zu sein. Ebenso mahne der Preis der fünfmonatigen Testosteron-Therapie (bis zu 5.000 Schilling) sowie die fehlenden Langzeitergebnisse zur Vorsicht. Fazit: Verhütung bleibt Frauensache. Immerhin 76 Prozent der gebärfähigen Frauen verhüteten nach einer Umfrage des Österreichischen Instituts für Familienforschung von 1996 mit der Pille, sieben Prozent mit der Spirale. Ein Drittel der Männer gab an, Kondome zu verwenden. Und die Kirche? Während Österreichs Bischöfe in ihrer "Mariatroster Erklärung" zwischen der restriktiven Enzyklika "Humanae Vitae" (1968) und der Praxis vieler Gläubiger auszugleichen versuchten und das persönliche Gewissen betonten, ist die Haltung Roms klar: Nur natürliche Empfängnisverhütung ist erlaubt, also der Verzicht auf Geschlechtsverkehr an den fruchtbaren Tagen der Frau. DH

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