Kameras - © Foto: iStock / visual7
International

Die Hightech-Kolonien

1945 1960 1980 2000 2020

Wie China Überwachungstechnologien exportiert – und dabei seinen Einfluss in der Datenwelt sichert.

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Wie China Überwachungstechnologien exportiert – und dabei seinen Einfluss in der Datenwelt sichert.

Wer in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito auf öffentlichen Plätzen unterwegs ist, dem kann es passieren, dass er von einer chinesischen Überwachungskamera gefilmt wird. Mit Chinas Unterstützung hat Ecuador ein staatliches Überwachungssystem mit Namen „ECU 911“ mit landesweit 4500 Video-Kameras installiert. Die Live-Bilder laufen in 16 Kontrollzentren ein, wo sie von insgesamt 3000 Mitarbeitern ausgewertet werden. Wenn in der Zentrale ein Notruf eingeht, schalten sich die Mitarbeiter sofort auf die Überwachungskamera – und scannen die Straßen auf mögliche Delikte wie Drogengeschäfte, Raub und Mord. Mit ihren Joysticks können sie in das Geschehen hineinzoomen. Die Technologie – Kameras, Router, Netzwerktechnik – stammt vom chinesischen Telekomausrüster Huawei.

Der Architekt des Überwachungsnetzes ist die China National Electronics Import and Export Corporation (CEIEC), ein Subunternehmen der staatlichen China Electronics Corporation (CEC), die das chinesische Militär ausrüstet. Das Label „Made in China“ steht längst nicht mehr für Billigprodukte, sondern für High-Tech-Anlagen. Auch das Know-how kommt aus China: Laut einem Bericht der New York Times wurden die ecuadorianischen Überwacher von chinesischem Fachpersonal geschult.

Labor der Überwachung

China kennt sich aus mit Überwachung: Bis 2020 sollen im Reich der Mitte 626 Millionen Videokameras installiert sein. Wer in Metropolen wie Shenzhen bei Rot auf die Straße geht, wird von Gesichtserkennungssystemen erfasst und auf Bildschirmen an den Pranger gestellt. In chinesischen Klassenzimmern werden Schüler von Gesichtserkennungssystemen alle dreißig Sekunden gescannt, ob sie aufmerksam sind und dem Unterricht folgen. Die Gesichtserkennungssysteme sind inzwischen so scharf gestellt, dass sie flüchtige Personen in einer Menschenmenge auf Konzerten identifizieren können. Im nächsten Jahr wird China ein Sozialkreditsystem einführen, wo Bürger in Abhängigkeit ihres Konsum- und Kommunikationsverhaltens einen Score erhalten. Und in der hauptsächlich von muslimischen Uiguren bewohnten Provinz Xinjiang im Westen des Landes werden Menschen in „Erziehungslagern“ interniert und sogar in Moscheen überwacht. Die Region ist so etwas wie ein Labor für eine computergestützte Diktatur. Diese Überwachung, die ja auch ein Geschäfts- und Gesellschaftsmodell ist, will China nun in die Welt exportieren.