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Die Tatsachen beweisen . . .

Die Tatsachen beweisen, daß Könige im allgemeinen nicht schlechter, sondern besser sind als Präsidenten. Dies hat einen praktischen Grund. Denn der Herrscher ist, zu seinem Berufe geboren. Er ist in .ihm aufgewachsen. Im wahrsten. Sinne des Wortes ist. er ein „profes-sionel“, das heißt ein. Sachverständiger auf dem Gebiete der Staatskunst. In allen Sparten des Lebens zieht man den berufsmäßigen Sachverständigen dem genialen Amateur vor, auch wenn dieser jenem an reiner Intelligenz überlegen wäre. Denn gerade auf einem schwierigen technischen Boden — und was ist komplizierter als der moderne Staat? — gehen Erfahrung und Wissen über Intelligenz. Gewiß besteht die Gefahr, daß ein geistig Minderbemittelter der Nächstberechtigte auf den Thron werde. Aber ist nicht auch ein Hitler zum Führer und ein Lebrun zum Präsidenten gewählt worden? In den klassischen Monarchien des Mittelalters hat es fast immer eine Möglichkeit gegeben, einen offensichtlich unfähigen Thronfolger durch einen besseren zu ersetzen. Erst mit der Dekadenz des Königtums im Zeitalter des höfischen Despotismus von Versailles ist dieses Korrektiv aus dem System verschwunden. Nichts wäre daher logischer, als daß in einer den modernen Zeiten entsprechenden Monarchie ein richterliches Forum im Notfalle korrigierend in die Erbfolge eingreifen könne.

Wichtiger noch als die berufliche Befähigung ist die Parteilosigkeit des Herrschers. Der König verdankt eine Autorität nicht der Wahl oder der Unterstützung einflußreicher Faktoren. Er ist unabhängig von diesen an die Macht gekommen. Der Präsident dagegen ist immer irgendwem verpflichtet. Wahlen sind teuer und schwierig. Sie werden meist durch die Macht des Geldes oder der großen Massenorganisationen bestimmt. Ohne deren Hilfe sei es beinahe unmöglich, Staatsoberhaupt einer Republik zu werden. Diese Unterstützung werde aber nicht umsonst gewährt. Sie bedeutet für den Erwählten Abhängigkeit. Daraus folge, daß der Präsident meist nicht der Präsident des ganzen Volkes sei, sondern derjenigen Mächtekonstellation, die ihm zu seinem Amte verholfen hat. Auf diese Weise übernehmen die politischen Parteien oder die wirtschaftlichen Interessengemeinschaften die höchste Spitze des Staates, der damit nicht mehr allen gehört, sondern, zeitweilig oder dauernd, das Reservat dieser oder jener Staatsbürgergruppe wird. Somit bestehe die Gefahr, daß die Republik aufhört, Hüter der Rechte aller zu sein. Dies sei — so betonen die Monarchisten — gerade in der Gegenwart besonders bedrohlich. Denn heute sind die Rechte einzelner und der Minoritäten mehr denn je in Frage gestellt. Finanzielle Konzentrationen und machtvolle Organisationen bedrohen allenthalben die kleinen Existenzen. Gerade in einer Demokratie ist es diesen, da sie kaum organisierbar sind und auch wirtschaftlich kein großes Eigengewicht haben, ungemein-schwer, sich Gehör zu/verschaffen. Denn in der Regel.müssen die politischen Parteien dem Willen der Starken und dej großen Zahl Aufmerksamkeit schenken. Liefere man nunmehr auch die Staatsspitze den Parteien aus, so bestehe keine Stelle mehr, an die sich die Schwachen wenden können. Der Herrscher in der Monarchie dagegen sei unabhängig und daher für alle gleichermaßen da. Er wird daher den Starken gegenüber wesentlich unabhängiger sein und den Schwachen eher zu ihrem Rechte verhelfen. Gerade.in einer Zeit, inder grundlegende Wandlungen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens zu erwarten sind, ist eine überparteiliche Staatsspitze besonders notwendig.

Hier wird vorerst auf eine wichtige Tatsache unserer Zeit hingewiesen. Seit dem zweiten Weltkrieg sind in vielen Staaten Westeuropas Betriebe nationalisiert worden. Mancherorts arbeiten diese, wenn nicht gut, so doch erträglich, während sie sich anderswo zu einer politischen und sozialen Kalamität entwickeln und insbesondere die Rechte der Arbeiterschaft bedrohen. Interessanterweise haben die verstaatlichten Betriebe in Monarchien mehr Erfolg gehabt als in Republiken. Der Grund scheint darin zu liegen, daß die überparteiliche Krone verhindert hat, daß diese Betriebe in Satrapien politischer Parteien umgewandelt werden. Die königliche Regierung hat darüber gewacht, daß die verstaatlichte Wirtschaft im Interesse des Volksganzen verwaltet werde. Und diese neutrale, sachliche Führung hat die Arbeiterschaft in den verstaatlichten Betrieben vor dem gefährlichen Dilemma gerettet, daß die Gewerkschaft und das Unternehmen in der Hand ein und derselben Partei vereinigt werde. Ist dies nämlich der Fall, so besteht die Gefahr, daß auf die Dauer die Gewerkschaften aufhören, Interessenvertretung der Arbeiterschaft zu sein und zur Antreiberorganisation des staatlichen Unternehmers werden. Ferner schützt die unparteiliche Führung verstaatlichter Betriebe auch die politischen Organisationen. Denn eine Partei, die sich nicht mehr ihrer wahren Aufgabe — der politischen Erziehung der Massen — widmet, sondern wirtschaftliche Machtpositionen anstrebt, wird auf die Dauer zwangsläufig korrumpiert.

Darüber hinaus gibt die Krone dem politischen

Leben jene Stabilität, die absolut notwendig ist um die großen Probleme zu lösen In einer Republik fehlt der ruhende Pol. Greifbare Erfolge müssen innerhalb kürzester Zeit nachgewiesen werden, sonst wird man nicht wiedergewählt. Man ist damit zu kurzfristiger Politik verurteilt, die zweifellos nicht der Weg ist, um welterschütternden Ereignissen mit Erfolg zu begegnen.

Schließlich besteht die Gefahr, daß sich mit den neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten die Macht noch mehr in den Händen einzelner konzentriert. Auch darum ist es notwendig, eine überparteiliche Stelle im Staate zu haben, die darüber wacht, daß das Sozialprodukt halbwegs gerecht verteilt werde.

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Gewiß ist es nicht möglich, im Rahmen einer kurzen Studie erschöpfend ein so großes Problem wie das der Staatsform zu behandeln. Es ist nur versucht worden, eine; allerdings wesentliche, Grundwahrheit anzuzeigen: wir können nicht einfach an dieser Frage vorbeigehen. Wir müssen darauf Antwort geben. Insbesondere in jenen zahlreichen europäischen Ländern, in denen man heute von keiner eingelebten Legitimität — in dem Sinne, den Guglielmo Ferrero dem Worte gab — sprechen kann.

Eine solche Debatte, die notwendig ist und die — ob man es will oder nicht — in der Luft liegt, muß mit Vernunftargumenten geführt werden. Propagandaslogans, Sentimentalitäten und falsche historische Reminiszenzen dürfen hierin keinen Platz finden. Von beiden Seiten darf die Frage nur in der Perspektive des öffentlichen Interesses und des Staatswohles gesehen werden.

Dies bedeutet aber auch, daß wir endlich hier in Mitteleuropa aufhören sollten, den Kopf zu verlieren, sobald die Frage der Staatsform aufgeworfen wird. Wir sollten die Auffassung von Republikanern wie von Monarchisten achten. Wir sollten verstehen, daß es auf beiden Seiten ehrbare und aufrechte Männer gibt und daß der Ruf nach dem Staatsanwalt und die Beschimpfungen auf diejenigen zurückfallen, die sie ausstoßen.

Wir werden im Verlaufe einer objektiven Diskussion zu dem Schlüsse kommen, daß auf beiden Seiten die große Mehrheit wohl in den Mitteln verschiedene Ansichten vertritt, jedoch im wesentlichsten eins ist. Denn das Endziel beider Lager sollte nur das Allgemeinwohl und der Schutz der natürlichen Rechte des Menschen sein. Auf dieser Grundlage können sich alle finden.

Autorisierter Nachdruck aus der Zeitschrift „Das neue Abendland“, München, Nr. 2/1956

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