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Küstenrauschen

FOKUS
Mayer - © iStock / Sablin

Donaudelta: Müll von 1980

1945 1960 1980 2000 2020

Plastik ist die Hauptverschmutzungsquelle für viele Meere. Der Großteil des Abfalls strömt zu den Stränden oder in die Küstengewässer - mit erheblichen Folgen.

1945 1960 1980 2000 2020

Plastik ist die Hauptverschmutzungsquelle für viele Meere. Der Großteil des Abfalls strömt zu den Stränden oder in die Küstengewässer - mit erheblichen Folgen.

Zwischen den meterhohen Schilfwänden steht sie, die Luft mit all ihren Aromen: Es riecht nach Diesel aus kleinen Außenbordmotoren. Es riecht nach Moder, nach Moor, nach Algen, nach Wasser, nach Fisch, nach verbranntem Plastik. Hunde bellen in der Ferne, Fischer rufen einander verschlafen zu, Frauen mit festgezurrten Kopftüchern schreien in schroffem Ton dazwischen. In den Kanälen Wylkowes machen Männer in Feinripp-Unterleibchen und ausgebeulten Hosen ihre Boote bereit, um hinaus zu fahren: ein Netz, vielleicht eine Angel, ein Plastiksack mit etwas Proviant.

Wylkowe, das ist das Venedig des Donaudeltas. Hier stehen keine Renaissancepaläste. Viel eher sind es Holzhäuschen mit Schilfdächern zwischen Brücken, Fußpfade und Straßen. Kanäle und Landwege sind ineinander verwoben in dieser Stadt von knapp 8000 Einwohnern. Die Stadt ist der letzte besiedelte Punkt vor der Mündung der Donau in das Schwarze Meer - auf ukrainischer Seite des Deltas, gelegen mitten im Biosphärenreservat Donaudelta.

Wylkowe ist eine Stadt, die zum Wasser hin ausgerichtet ist, eine Stadt, die mehr vom Wasser lebt als vom Land, ein Ort zwischen Fluss und Meer. Einer, der dem Wasser mittels Pfahlbauten, Aufschüttungen und Drainagen über Jahrhunderte mühevoll abgerungen wurde. Und heute: Da ist Wylkowe Wegposten für Schiffe und ebenso für Abertonnen Plastikmüll, die an der Stadt vorbeiziehen ins Meer hinaus.

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