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Eine Schiefertafel zählt die Toten

In der liberianischen Hauptstadt Monrovia informieren sich die Bürger an öffentlichen Plätzen über den Verlauf der Ebola-Epidemie. Mindestens 1013 Todesopfer forderte der bisher schwerste Ausbruch der Geschichte bisher in Westafrika. "Ebola: 7; Regierung: 1" - mit dieser Anspielung auf das WM-Spiel Deutschland-Brasilien, bei dem die Gastgeber-Nation vernichtend geschlagen wurde, kritisieren die Bürger Liberias die Hilflosigkeit, mit der offizielle Stellen auf die Krankheit reagieren. Um diesem Vorwurf vorzubeugen, entschied sich die Weltgesundheitsorganisation WHO zu einem außergewöhnlichen Schritt: Sie stellt einen Impfstoff zur Verfügung, der noch in der Erprobungsphase ist. An Affen wurde der zwar bereits erfolgreich getestet, an Menschen aber noch nie. Seine Wirkung ist daher noch nicht bewiesen, Nebenwirkungen sind noch nicht bekannt. Die ersten verfügbaren Dosen würden wahrscheinlich Ärzten und Pflegepersonal verabreicht werden. In vier bis sechs Monaten könne eine größere Menge des Mittels hergestellt werden. Die besonders kritische Situation rechtfertige diesen ethisch umstrittenen Schritt, meint die WHO. Sie hatte Beratungen zu dieser Frage angesetzt, nachdem zwei amerikanische Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die sich in Liberia angesteckt hatten, mit dem experimentellen Test-Serum behandelt worden waren. Auch der an Ebola erkrankte spanische Priester Miguel Pajares, soll mit dem Mittel behandelt worden sein. Er starb am Dienstag in Madrid. (dol)

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