Entwicklungshlife à la carte - Simone Ungersböck (re.) beim Kontrollbesuch mit österreichischen Expertinnen in einer Tourismusschule in der Hafen-<br />
und Touristenstadt Saranda im Süden Albaniens. - © Foto: Wolfgang Machreich
International

Entwicklungshilfe à la carte

1945 1960 1980 2000 2020

Albanien ist ein Schwerpunktland der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Gefördert werden Tourismusschulen und eine leistungsstarke Verwaltung.

1945 1960 1980 2000 2020

Albanien ist ein Schwerpunktland der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Gefördert werden Tourismusschulen und eine leistungsstarke Verwaltung.

Simone Ungersböck leitet Österreichs Entwicklungszusammenarbeit in Albanien. Bei einem Treffen im Rahmen der FURCHE-Leserreise in Tirana erläuterte sie ihre Arbeit und warum beispielsweise ein Berufsschul-Internat für Mädchen einen großen entwicklungspolitischen Unterschied machen kann.

DIE FURCHE: Frau Ungersböck, die FURCHE-Leserreise war einige Tage in Albanien unterwegs. Zugegeben, der Zustand der Straßen war nicht überall sehr gut und gewisse Regionen am Land wirken noch sehr zurückgeblieben. Prinzipiell überwiegt aber der Eindruck eines boomenden Tourismus-Landes – wozu braucht es da noch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit (OEZA)?
Simone Ungersböck: Stabilität und eine sozial wie ökologisch verträgliche wirtschaftliche Entwicklung Südosteuropas sind für Österreich wichtig. Deswegen unterstützen wir auch stark die europäische Integration dieser Länder. Seit 1992 ist Albanien ein Schwerpunktland der OEZA,­ seit 1995 ist die Austrian Development Agency (ADA), die Agentur der OEZA, mit einem Büro in Tirana vertreten. Wir unterstützen unser Partnerland bei der Heranführung an die EU und dabei, die Armut im Land zu verringern. Aber wie Sie richtig bemerkten: Albanien hat sich zu einem „Land mittleren Einkommens“ entwickelt. Das ist für uns natürlich ein Erfolg. Nun gilt es, unser Engagement an die neuen Bedürfnisse vor Ort entsprechend anzupassen.

DIE FURCHE: Welche sind das?
Ungersböck: Wir unterstützen Albanien beim Aufbau moderner Ausbildungsstrukturen an berufsbildenden Tourismusschulen. Und wir fördern gute Regierungsführung und den Aufbau einer leistungsstarken Verwaltung. Das ist für die Heranführung Albaniens an die EU wesentlich. Die ADA engagiert sich auch bei der Verbesserung der Wasserqualität in Flüssen. In der Vergangenheit haben wir mit dringend benötigter Infrastruktur in der Wasser- und Energieversorgung gute Ergebnisse erzielt.

DIE FURCHE: Wie schauen solche Projekte konkret aus?
Ungersböck: Um gezielt die regionale Entwicklung zu stärken, unterstützten wir Albanien bei der Errichtung von Radwegen und Gästehäusern, dem Ausbau der Straßenbeleuchtung oder bei der Vermarktung von Kunsthandwerk und lokalen Spezialitäten. Dieses Projekt ermöglichte auch die Restaurierung eines Museums und den Bau von Abwasserkanälen, Jugendzentren, Kindergärten sowie Spiel- und Dorfplätzen. Neben unserem Ziel, die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern, liegt der ADA vor allem daran, ländliche Regionen für die heimische Bevölkerung lebenswerter zu machen und die Abwanderung in die Städte bzw. ins Ausland zu verringern. Gleichzeitig wollen wir Investoren ermuntern, in Land und Leute zu investieren.

Simone Ungersböck leitet Österreichs Entwicklungszusammenarbeit in Albanien. Bei einem Treffen im Rahmen der FURCHE-Leserreise in Tirana erläuterte sie ihre Arbeit und warum beispielsweise ein Berufsschul-Internat für Mädchen einen großen entwicklungspolitischen Unterschied machen kann.

DIE FURCHE: Frau Ungersböck, die FURCHE-Leserreise war einige Tage in Albanien unterwegs. Zugegeben, der Zustand der Straßen war nicht überall sehr gut und gewisse Regionen am Land wirken noch sehr zurückgeblieben. Prinzipiell überwiegt aber der Eindruck eines boomenden Tourismus-Landes – wozu braucht es da noch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit (OEZA)?
Simone Ungersböck: Stabilität und eine sozial wie ökologisch verträgliche wirtschaftliche Entwicklung Südosteuropas sind für Österreich wichtig. Deswegen unterstützen wir auch stark die europäische Integration dieser Länder. Seit 1992 ist Albanien ein Schwerpunktland der OEZA,­ seit 1995 ist die Austrian Development Agency (ADA), die Agentur der OEZA, mit einem Büro in Tirana vertreten. Wir unterstützen unser Partnerland bei der Heranführung an die EU und dabei, die Armut im Land zu verringern. Aber wie Sie richtig bemerkten: Albanien hat sich zu einem „Land mittleren Einkommens“ entwickelt. Das ist für uns natürlich ein Erfolg. Nun gilt es, unser Engagement an die neuen Bedürfnisse vor Ort entsprechend anzupassen.

DIE FURCHE: Welche sind das?
Ungersböck: Wir unterstützen Albanien beim Aufbau moderner Ausbildungsstrukturen an berufsbildenden Tourismusschulen. Und wir fördern gute Regierungsführung und den Aufbau einer leistungsstarken Verwaltung. Das ist für die Heranführung Albaniens an die EU wesentlich. Die ADA engagiert sich auch bei der Verbesserung der Wasserqualität in Flüssen. In der Vergangenheit haben wir mit dringend benötigter Infrastruktur in der Wasser- und Energieversorgung gute Ergebnisse erzielt.

DIE FURCHE: Wie schauen solche Projekte konkret aus?
Ungersböck: Um gezielt die regionale Entwicklung zu stärken, unterstützten wir Albanien bei der Errichtung von Radwegen und Gästehäusern, dem Ausbau der Straßenbeleuchtung oder bei der Vermarktung von Kunsthandwerk und lokalen Spezialitäten. Dieses Projekt ermöglichte auch die Restaurierung eines Museums und den Bau von Abwasserkanälen, Jugendzentren, Kindergärten sowie Spiel- und Dorfplätzen. Neben unserem Ziel, die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern, liegt der ADA vor allem daran, ländliche Regionen für die heimische Bevölkerung lebenswerter zu machen und die Abwanderung in die Städte bzw. ins Ausland zu verringern. Gleichzeitig wollen wir Investoren ermuntern, in Land und Leute zu investieren.

Wir wollen die Kluft zwischen Arm und Reich verringern und ländliche Regionen lebenswerter machen, um die Abwanderung in die Städte bzw. ins Ausland zu verringern.

DIE FURCHE: Von Unterstützung in welchem finanziellen Ausmaß reden wir da?
Ungersböck: Von 1995 bis 2016 beliefen sich die gesamten öffentlichen Entwicklungshilfeleistungen Österreichs an Albanien auf 126,35 Millionen Euro. 2017 beliefen sich die Nettoauszahlungen der OEZA für Albanien auf 2,22 Millionen Euro.

DIE FURCHE: Also ein recht überschaubarer Rahmen …
Ungersböck: …, mit dem wir aber im Land einen spürbaren Unterschied machen. Das bestätigen uns interne und externe Evaluierungen – und die Bevölkerung, deren Perspektiven sich durch unsere Unterstützung verbessern. Um effizienter zu sein, bündeln wir unsere Mittel mit anderen Gebern. Bei der Regionalentwicklung etwa arbeiten wir mit der Schweiz zusammen, mit Italien kooperieren wir bei der Verwaltungsreform. Gleichzeitig fördern wir Wirtschaftspartnerschaften mit Unternehmen wie der Lenzing AG oder Projekte mit zivilgesellschaftlichen Organisationen wie der Caritas, die sich gegen Jugendarbeitslosigkeit in Südosteuropa engagiert.

DIE FURCHE: Im Gespräch mit den FURCHE-Leserinnen und -Lesern in Tirana erzählten Sie, wie ein ansprechendes Berufsschul-Internat insbesondere die Eltern von Mädchen motivieren kann, traditionelle Rollenbilder aufzubrechen und ihre Töchter in die Berufsausbildung zu schicken.
Ungersböck: Der Tourismus hat großes Potenzial. Albanien hat sich hier zum Ziel gesetzt, die Qualität von Dienstleistungen zu steigern. Wir unterstützen das mit dem Aufbau von Ausbildungsmöglichkeiten. Und da Sie das Beispiel mit den Mädchen ansprechen – natürlich ist für uns gendersensibler Unterricht ein großes Thema. Wir setzen uns generell dafür ein, unsere Partnerinnen und Partner für Fragen der Gleichstellung zu sensibilisieren.

DIE FURCHE: Wie schaut das konkret aus?
Ungersböck: Die Interessen von Frauen und Männern sollen sich im Staatsbudget gleichermaßen widerspiegeln. Die ADA unterstützte von 2015 bis 2016 Beamtinnen und Beamte in Gemeinden, Bezirksbehörden und Ministerien dabei, Budgets so zu gestalten, dass sie sozial gerecht sind. Sie lernten, die Bedürfnisse von Frauen und Männern in ihren Budgets gleichermaßen zu berücksichtigen. Wenn das Sportbudget einer Gemeinde nur Geld für die Herrenfußballmannschaft vorsieht, aber nicht für die Frauenmannschaft, ist das nicht geschlechtergerecht. Gleiches gilt für Bildung, Gesundheit und alle anderen Bereiche des öffentlichen Lebens. Diese Benachteiligung brechen wir mit unserer Arbeit auf.

Lesen Sie hier die Reportage von der FURCHE-Leserreise in den Westbalkan.