Erfolge in der Arbeit gegen den Tod

"The Halo Trust arbeitet daran, das Land bis 2020 komplett minenfrei werden zu lassen. Zwischen 2010 und 2012 wurden jährlich mehr als 30.000 Minen geräumt."

Die Wunden, die der 26-jährige Bürgerkrieg in Sri Lanka hinterlassen hat, sind auf der berüchtigten Halbinsel Jaffna am nördlichen Ende Sri Lankas allgegenwärtig. Zwischen 1983 und 2009 wütet vor allem im Norden des Inselstaates ein nicht enden wollender militärischer Konflikt zwischen singhalesischen Regierungstruppen und den Paramilitärs der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam), die für eine Unabhängigkeit der mehrheitlich von Tamilen bewohnten Gebiete kämpften.

Auch heute sind die Ressentiments zwischen der singhalesischen Mehrheit und der Minderheit der Tamilen im gesamten Land noch sehr groß. In der Gegend um Mullaitivu reihen sich entlang der Straßen zerstörte Wohnhäuser neben verminten Grundstücken. In der finalen Kriegsphase hatte die LTTE Unmengen an Antipersonenminen gelegt, um ihr letztes Rückzugsgebiet gegen die herannahenden Regierungstruppen zu verteidigen. Die meisten Minen waren noch da, als die ersten Vertriebenen wieder in ihre Häuser nahe Mullaitivu und Kilinochchi zurückkehrten.

Aus dem grünen Dickicht leuchten neben roten Warnschildern, die auf die Präsenz von Landminen aufmerksam machen, immer wieder auch die signifikant hellblauen Uniformen der Minenräumer der britischen NGO "The Halo Trust". Kurz nach Kriegsende hat die Minenräumorganisation damit begonnen, die Altlasten des Bürgerkrieges zu entfernen, um es den bis zu 100.000 Vertriebenen rasch wieder zu ermöglichen, in ihr Zuhause zurückzukehren.

"Während des Krieges bin ich nach Colombo gezogen", erzählt Balraj, ein 67-jähriger, grauhaariger Tamile mit dem charakteristischen Tika, dem hinduistischen Segnungszeichen auf der Stirn. Heute lebt der Mann wieder in Jaffna. Er weiß, wie wichtig die Räumung der Antipersonenminen ist: "Viele Menschen warten darauf, dass es sicher ist, wieder auf dem Land leben zu können, bevor sie in den Norden zurückkehren."

The Halo Trust arbeitet im Eiltempo daran, das Land bis 2020 komplett minenfrei werden zu lassen. Zwischen 2010 und 2012 wurden jährlich mehr als 30.000 Minen geräumt, rasch konnten so Dörfer und Städte weitgehend minenfrei werden.

Gefahren bleiben

Mit 830 Mitarbeitern in Sri Lanka ist The Halo Trust die größte Minenräumorganisation im Land und zugleich ein riesiger Arbeitgeber. Knapp die Hälfte der Minenräumer sind Frauen, viele von ihnen Kriegswitwen, die Waisenkinder ernähren müssen. Zusammen mit der Regierung hat die Organisation untersucht, welche Grundstücke in welcher zeitlichen Reihenfolge entmint werden müssen, um den intern Vertriebenen möglichst rasch Zugang zu ihrem Eigentum zu gewähren.

"Das ist vor allem auch für die Sicherung des ohnehin fragilen Friedens im Land notwendig", erzählt Balraj. Immer wieder kommt es zu Differenzen zwischen Singhalesen und Tamilen. Erst mit der Wahl von Maithripala Sirisena als Präsidenten-Nachfolger des autoritär regierenden Mahinda Rajapaksa kam es 2015 zu einer politischen Trendwende in Sri Lanka. Die anschließende Euphorie konnte auch in der Entminungsarbeit übernommen werden. Erst im Dezember vergangenen Jahres trat Sri Lanka als jüngstes Mitglied der Ottawa-Konvention bei. Der Vertrag zum Verbot von Antipersonenminen wurde 1997 im kanadischen Ottawa unterzeichnet. An seinem Zustandekommen hatte auch Österreich mitgewirkt.

Auch der Sonderbotschafter der Konvention, Prinz Mired bin Ra'ad, zeigte sich zufrieden über die Situation. Dennoch ist die Gefahr weiter präsent. 2017 etwa starben zwei Kinder auf der Halbinsel Jaffna in der Nähe ihres Hauses, als sie eine Landmine entdeckten und zum Spielen verwendeten. Die Tragödie geschah nur kurz nachdem die dänische Entminungsorganisation DDG ihr Büro in der Region aufgrund mangelnder Finanzierung schließen musste.

Die verbliebenen Einrichtungen kämpfen indes weiter gegen die Kriegslast und geben den Einheimischen eine realistische Hoffnung. "Unser Land ist kurz davor, minenfrei zu werden", erzählt Balraj, der grauhaarige Tamile in Jaffna, voller Freude. Tatsächlich rechnet The Halo Trust damit, dass auch im Norden Sri Lankas 2020 die letzte Landmine zerstört werden könnte und die Menschen endlich sicher ihre Felder bestellen können.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau