Beirut Explosion - © Foto: APA/AFP/STR
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Explosion in Beirut: "Die traumatisierten Kinder brauchen Hilfe"

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Die Explosion war die physische Manifestation dessen, was im Libanon in den vergangenen Monaten schiefgelaufen ist, sagt Augenzeuge Clynton Beukes von „World Vision“.

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Die Explosion war die physische Manifestation dessen, was im Libanon in den vergangenen Monaten schiefgelaufen ist, sagt Augenzeuge Clynton Beukes von „World Vision“.

Am Abend des 4. August explodiert ein Silo im Hafen von Beirut. Die Explosion tötet mindestens 220 Menschen, verletzt Tausende und zerstört an die 300.000 Wohnungen. Im Interview spricht Clynton Beukes von „World Vision“ über die Auswirkungen der Explosion und die Krise des Libanon.

DIE FURCHE: Wie haben Sie die Explosion erlebt?
Clynton Beukes:
Ich saß mit meiner Verlobten auf der Couch, und wir sprachen darüber, wohin wir zum Essen gehen wollen. Plötzlich spürte ich einen Druckabfall in den Ohren, und gleich darauf begann das Gebäude zu wackeln. Im ersten Moment dachte ich an ein Erdbeben. Wir liefen zur Tür und wollten das Haus so rasch wie möglich verlassen. Dann hörten wir den lauten Knall. Er klang so nahe, dass wir dachten, das Nachbarhaus stürzt ein. Vor dem Haus waren bereits viele Nachbarn auf der Straße, und Frauen schrien auf den Balkonen. Wir sahen uns um, und da war diese pink­weiße Rauchsäule. Dann erhielten wir die Nachricht, dass es eine Explosion im Hafen gegeben hatte.

DIE FURCHE: Seit Oktober 2019 demonstrieren die Menschen gegen die Regierung. Was bedeutet die Explosion für die Krise im Libanon?
Beukes:
Viele sehen die WhatsApp­Steuer (Steuer, die vorsah, die Nutzung des Messengerdienstes WhatsApp mit sechs US-Dollar pro Monat zu besteuern, Anm. d. Red.) als Grund für die Proteste. Aber das war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und eine Bevölkerung auf die Straße trieb, die seit Jahren unter der dramatischen Wirtschaftskrise leidet. Als dann die Regierung unter Ministerpräsident Saad Hariri zurücktrat, wurde aus der ökonomischen eine politische Krise. Die Covid­-19-­Pandemie hat die Wirtschaft des Landes weiter unter Druck gesetzt. Dazu kam eine galoppierende Inflation.