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Frauen sind noch stärker von HIV/Aids belastet

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Soziale und geschlechtsspezifische Ungleichheiten können das Risiko, sich mit dem HI-Virus zu infizieren, erhöhen. Der Anteil von Frauen, die sich anstecken, ist daher wachsend, mahnt „UNIFEM“, der Entwicklungsfonds der UNO für Frauen, bei der Aids-Konferenz. Frauen sind zudem in Entscheidungsprozessen zur Aids-Bekämpfung zu wenig eingebunden.

Frauen seien noch stärker von Diskriminierung durch HIV/Aids betroffen, sagt die aus Malaysia stammende Aktivistin Kirenjit Kaur im Gespräch mit der FURCHE im Rahmen der Aids-Konferenz in Wien. Überhaupt sei die Stigmatisierung das größte Problem für Betroffene. Sie engagiert sich mit ihrem Netzwerk für eine Ent-Diskriminierung von HIV/Aids-Kranken. „Frauen wissen oft früher von ihrem HIV-Status, weil sie im Zuge von Schwangerschaften getestet werden. Sehr oft wurden sie von ihren Ehemännern infiziert. Oft genug wollen sich diese aber nicht behandeln lassen“, erzählt Kaur. Die Frauen seien dann schwanger, müssten sich um ihren kranken Mann kümmern, und wenn dieser stirbt, müsse sie alleine die Familie versorgen. Die Versorgungsaufgabe der Frauen wirke sich auch dahingehend aus, dass Frauen, die in entfernteren Regionen leben, oft lieber auf Arztbesuche in der Stadt verzichten, um Geld für Nahrung zu haben. „Frauen stellen sich an letzter Stelle. Das ist unsere Kultur in Asien“, sagt Kaur.

Die Aktivistin weiß, wovon sie spricht. Sie ist selbst HIV-positiv. Ihr Ehemann verstarb vor 15 Jahren, er hat sie angesteckt. Sie selbst habe 15 Jahre gebraucht, um hier zu sein, wo sie heute stehe, sagte sie auf der Pressekonferenz des UN-Entwicklungsfonds für Frauen UNIFEM am Montag auf der Aids-Konferenz. Angesprochen auf ihre Erkrankung reagiert Kaur zurückhaltend. „Ich will nicht zu viel über mich sprechen. Aber dennoch vermitteln: Wenn es mir passieren kann, kann es auch dir passieren. Es reicht ein Moment, in dem du Pech hast.“

Junge Frauen: starke Zuwächse

Noch sind Frauen und Männer weltweit quantitativ gleich von der Immunschwächekrankheit betroffen. Doch der Anteil der Frauen, die mit HIV/Aids leben, steigt: 60 Prozent der Infizierten in Sub-Sahara-Staaten sind Frauen. In der Karibik hat die HIV-Rate bei Frauen von 46 (2001) auf 53 Prozent (2008) zugenommen. Zwei Drittel aller neuen Betroffenen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren sind Frauen. Zirka 90 Prozent der 1,7 Millionen infizierten Frauen in Asien haben sich durch ihren Partner angesteckt, mit dem sie in einer langen Beziehung leben. Frauen können sich schon allein aus biologischen Gründen leichter mit HIV anstecken. Doch es gibt umso stärkere Risikofaktoren aufgrund sozialer Ungleichheit: Ungleicher Zugang zu medizinischen Leistungen oder weniger Chancen sich gegen unsichere sexuelle Praktiken zu wehren, sind einige der Gründe, wie UNIFEM betont.

Auch Gewalt gegen Frauen verhindert, dass Frauen sich testen lassen, ihren HIV-Status öffentlich machen oder sich behandeln lassen. Zudem tragen Frauen den Großteil der Versorgungsarbeit HIV-Kranker und der Familie an sich. Das wiederum verhindert, dass Frauen sich bilden oder eigenes Geld verdienen. Zudem: Frauen sind auch in Entscheidungsprozessen, die über Projekte und Strategien im Kampf gegen HIV/Aids entscheiden, unterrepräsentiert, so die Kritik von UNIFEM auf der Aids-Konferenz.

Soziale und geschlechtsspezifische Ungleichheiten können das Risiko, sich mit dem HI-Virus zu infizieren, erhöhen. Der Anteil von Frauen, die sich anstecken, ist daher wachsend, mahnt „UNIFEM“, der Entwicklungsfonds der UNO für Frauen, bei der Aids-Konferenz. Frauen sind zudem in Entscheidungsprozessen zur Aids-Bekämpfung zu wenig eingebunden.

Frauen seien noch stärker von Diskriminierung durch HIV/Aids betroffen, sagt die aus Malaysia stammende Aktivistin Kirenjit Kaur im Gespräch mit der FURCHE im Rahmen der Aids-Konferenz in Wien. Überhaupt sei die Stigmatisierung das größte Problem für Betroffene. Sie engagiert sich mit ihrem Netzwerk für eine Ent-Diskriminierung von HIV/Aids-Kranken. „Frauen wissen oft früher von ihrem HIV-Status, weil sie im Zuge von Schwangerschaften getestet werden. Sehr oft wurden sie von ihren Ehemännern infiziert. Oft genug wollen sich diese aber nicht behandeln lassen“, erzählt Kaur. Die Frauen seien dann schwanger, müssten sich um ihren kranken Mann kümmern, und wenn dieser stirbt, müsse sie alleine die Familie versorgen. Die Versorgungsaufgabe der Frauen wirke sich auch dahingehend aus, dass Frauen, die in entfernteren Regionen leben, oft lieber auf Arztbesuche in der Stadt verzichten, um Geld für Nahrung zu haben. „Frauen stellen sich an letzter Stelle. Das ist unsere Kultur in Asien“, sagt Kaur.

Die Aktivistin weiß, wovon sie spricht. Sie ist selbst HIV-positiv. Ihr Ehemann verstarb vor 15 Jahren, er hat sie angesteckt. Sie selbst habe 15 Jahre gebraucht, um hier zu sein, wo sie heute stehe, sagte sie auf der Pressekonferenz des UN-Entwicklungsfonds für Frauen UNIFEM am Montag auf der Aids-Konferenz. Angesprochen auf ihre Erkrankung reagiert Kaur zurückhaltend. „Ich will nicht zu viel über mich sprechen. Aber dennoch vermitteln: Wenn es mir passieren kann, kann es auch dir passieren. Es reicht ein Moment, in dem du Pech hast.“

Junge Frauen: starke Zuwächse

Noch sind Frauen und Männer weltweit quantitativ gleich von der Immunschwächekrankheit betroffen. Doch der Anteil der Frauen, die mit HIV/Aids leben, steigt: 60 Prozent der Infizierten in Sub-Sahara-Staaten sind Frauen. In der Karibik hat die HIV-Rate bei Frauen von 46 (2001) auf 53 Prozent (2008) zugenommen. Zwei Drittel aller neuen Betroffenen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren sind Frauen. Zirka 90 Prozent der 1,7 Millionen infizierten Frauen in Asien haben sich durch ihren Partner angesteckt, mit dem sie in einer langen Beziehung leben. Frauen können sich schon allein aus biologischen Gründen leichter mit HIV anstecken. Doch es gibt umso stärkere Risikofaktoren aufgrund sozialer Ungleichheit: Ungleicher Zugang zu medizinischen Leistungen oder weniger Chancen sich gegen unsichere sexuelle Praktiken zu wehren, sind einige der Gründe, wie UNIFEM betont.

Auch Gewalt gegen Frauen verhindert, dass Frauen sich testen lassen, ihren HIV-Status öffentlich machen oder sich behandeln lassen. Zudem tragen Frauen den Großteil der Versorgungsarbeit HIV-Kranker und der Familie an sich. Das wiederum verhindert, dass Frauen sich bilden oder eigenes Geld verdienen. Zudem: Frauen sind auch in Entscheidungsprozessen, die über Projekte und Strategien im Kampf gegen HIV/Aids entscheiden, unterrepräsentiert, so die Kritik von UNIFEM auf der Aids-Konferenz.