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In Cordhosen von der Apokalypse träumen

Alexander Gauland, einer der Köpfe der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD), könnte ein typischer Leser des neuen rechtskonservativen Magazins Cato sein: schon etwas älter, gebildet, wohlsituiert, bürgerlich, Cordhosenträger mit national-bis rechtskonservativen Neigungen und einer gehörigen Portion Angst vor der Zukunft und einer Aversion gegenüber den Zumutungen der modernen Welt. Selbstverständlich ist diese Beschreibung etwas zugespitzt, doch nach Lektüre der ersten Ausgabe von Cato kann man sich schwerlich vorstellen, dass zum Beispiel jüngere weibliche Leser zur Zielgruppe der Zeitschrift gehören könnten.

Es war absehbar, dass die linksliberale Publizistik in Deutschland mit einer gewissen Hysterie auf das "Magazin für neue Sachlichkeit" - so der nicht recht einleuchtende und willkürlich klingende Untertitel - reagieren würde. Die Zeit schreibt vom "Römischen Rechtsaußen", und auch die anderen eher linken Gazetten unternehmen den erwartbaren Versuch, die Macher des neuen Magazins als Teil einer neurechten Verschwörung darzustellen.

We s e n t l i ch sachlicher fiel die Besprechung der Zeitschrift durch Marc Felix Serrao in der Neuen Zürcher Zeitung aus, dem Cato vorab exklusiv zugestellt worden war. Doch auch in Serraos Text war zu spüren, dass der Rezensent enttäuscht war: "Wut verzerrt den Blick. Man liest nur noch, was ins Weltbild passt, und man ignoriert die vielen Zwischentöne, die es in allen großen deutschen Verlagshäusern bis heute gibt. [] Für rechte Wut muss niemand bezahlen. Davon quillt das Netz schon über." Gemeint war ein Beitrag des Publizisten Nicolaus Fest über die "Lügenpresse" und den Verfall der Demokratie. Fest war zugleich Direktkandidat der AfD für die Bundestagswahl 2017 im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.

Auch der Autor dieser Zeilen zeigt sich enttäuscht von Cato. Die Zeitschrift ist gefällig aufgemacht und wirkt gediegen. Autoren wie der Brüsseler Althistoriker David Engels oder der britische Konservative Roger Scruton verleihen dem Heft etwas internationalen Glanz. Doch die meisten der rein männlichen Autoren liest man auch in der Wochenzeitung Junge Freiheit. Dazu gehört der Studienrat Karlheinz Weißmann, einer der fleißigsten Autoren der Jungen Freiheit und -auch wenn Andreas Lombard als Chefredakteur von Cato firmiert -wahrscheinlich der Kopf der Publikation. Unter der Überschrift "Brexit in das Reale" liefert Weißmann einen etwas irritierenden Lobpreis auf die einfachen Leute und die Normalität des Lebens fern von "Gay Pride" oder der "Dragqueen" Olivia Jones.

Wer keine Alternative zur Politik und Medienwelt und vor allem auch keinen Zukunftsoptimismus wecken kann, spricht nur die Untergangspropheten an.

Überraschungsfrei

Und so rechnen die Autoren überraschungsfrei mit der Flüchtlingspolitik Angela Merkels ab und kritisieren die sommerliche Feuilletondebatte über das Buch "Finis Germania" von Rolf Peter Sieferle. Dies hat man alles irgendwo schon mal -vielleicht sogar brillanter -gelesen. Es stellt sich die Frage, ob es einen Markt gibt für eine recht überraschungsfreie Zeitschrift, die mit einer Startauflage von 50.000 Exemplaren erscheint und nach einem Einführungspreis von sechs Euro demnächst alle zwei Monate zum stolzen Preis von zwölf Euro erscheinen soll.

Das vorläufige Scheitern von Cato ist schade, denn angesichts der Krise der Tageszeitungen und eines medialen Einerleis hätte man sich über eine neue konservative Stimme gefreut. Doch wenn das konservative Gericht munden soll, dann gehören in Zukunft wesentliche Zutaten hinzu: mehr Humor, ein paar weibliche Autorinnen, mehr Überraschungen, weniger Säuerlichkeit und Weltuntergangsstimmung, mehr Schreiber, die man nicht schon alle zur Genüge aus der Jungen Freiheit kennt. Ob kurze Prosastücke über den Händedruck, über die Frage "Was ist deutsch?", über Walther Rathenau oder Protagonisten der "Konservativen Revolution" wirklich zum Kauf von Cato reizen, darf bezweifelt werden.

Vielleicht pendelt sich ja noch alles ein. Doch bei der ersten Ausgabe hat man noch nicht den Eindruck, dass Chefredakteur Lombard eine rote Linie für sein Heft gefunden hätte. Wer keine Alternative zur kritisierten vorherrschenden Politik und Medienwelt bieten und vor allem auch keinen Zukunftsoptimismus wecken kann, der kann letztlich nur die begeistern, die in Cordhosen bei der erbaulichen Lektüre eines gediegenen Heftes vom Untergang des Abendlandes träumen.

http://cato-magazin.de

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