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In katholischer FREUNDSCHAFT

1945 1960 1980 2000 2020

Polens Amtskirche gilt als Unterstützerin der neuen Regierung in Warschau. Tatsächlich stimmen Staats- und Gesellschaftsvisionen der beiden großen Machtkörper überein.

1945 1960 1980 2000 2020

Polens Amtskirche gilt als Unterstützerin der neuen Regierung in Warschau. Tatsächlich stimmen Staats- und Gesellschaftsvisionen der beiden großen Machtkörper überein.

Anfang Februar veröffentlichte Europe-Infos, das Online-Magazin der Kommission der katholischen Bischofskonferenzen der EU (ComECE), einen kritischen Artikel zu Polen. "Wie kommt es, dass ein Land, das der Krise getrotzt und eine beispielhafte und nachhaltige Entwicklungspolitik in die Wege geleitet hat, nun seine demokratischen Institutionen schwächt und Maßnahmen ergreift, die die bürgerlichen Freiheiten einschränken?", heißt es darin. Die regierende nationalkonservative PiS zentralisiere die Macht und blockiere das Verfassungsgericht, um "auf diese Weise fortan verfassungswidrige Gesetze zu verabschieden". Aber: "Bis jetzt haben sich die katholischen Bischöfe zu keiner öffentlichen Erklärung zu dieser Angelegenheit entschieden", heißt es in dem Beitrag.

Kritischer Beitrag entfernt

Daraufhin bezogen die Bischöfe deutlich Stellung: Die ComECE solle diesen "nicht objektiven Beitrag" aus Europe-Infos entfernen, denn der polnische Episkopat sei vom Autor des Beitrags, dem renommierten katholischen Publizisten Henryk Wozniakowski, nicht zu einer Stellungnahme kontaktiert worden. Zudem mische sich der Beitrag "in innere Angelegenheiten Polens" ein. Das Eingreifen wirkte: Der Artikel wurde entfernt.

Polens Amtskirche pflegte bereits vor dem Machtwechsel im Oktober 2015 einen engen Kontakt zur national-katholischen PiS. Zwar hielt sie sich mit einer klaren Wahlempfehlung zurück. Doch in allgemeinen Stellungnahmen oder Sonntagsessen war der Wink mit dem Zaunpfahl überdeutlich:

Die PiS wäre die legitime Macht im Christenland Polen. Nach dem Regierungswechsel, dürften die Bischöfe zufrieden sein. So will die PiS die Rolle der katholischen Religion im öffentlichen Raum stärker hervorheben und den schulischen Religionsunterricht weiter aufwerten. Auch hat die Regierung das Ende der finanziellen Förderung für künstliche Befruchtung beschlossen, die 2015 gegen den Widerstand der Kirche eingeführt worden war.

Doch der wirkliche Schulterschluss kommt erst. Zwei Ereignisse 2016 dürften Regierung und Kirchenführung da zur Demonstration der neuen Einheit von Staat und Kirche nutzen: den Weltjugendtag in Krakau Ende Juli sowie die Jubiläumsfeiern zum 1050. Jahrestag der Taufe und Staatsgründung Polens am 15. April. "Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es noch nie so eine Situation, in der wir es mit einer derartigen Vereinigung des Denkens über den Staat und die Kirche zu tun gehabt hätten", sagte Bischofskonferenzvorsitzender Stanisław Gadecki dazu.

Bis heute gilt Polen als erzkatholisches Land, als Heimat des "Jahrtausendpapstes" Johannes Paul II., als "Bollwerk des Christentums" - mit der Kirche als stete Fahnenträgerin. Weil diese Bollwerk-Idee von "Polen als Christus der Völker", im 19. Jahrhundert durch den Nationaldichter Adam Mickiewicz entwickelt, eine romantische ist, sind auch die vermeintlichen Angreifer, die es abzuwehren gelte, diffus .Einst war der angeblich barbarische Osten mit dem orthodoxen Russland der Gegner. Heute sind es die liberalen, säkularen Strömungen des Westens und der Islam - auch hier sind sich PiS und Kirchenführung großteils einig.

"Westen" als gemeinsamer Gegner

Polens Kirche und die Nationalkonservativen eint der Gedanke, dass sie fremde, nichtpolnische Elemente stets abzuwehren hätten. Zu diesem Denkmuster trägt noch ein anderer Mythos bei: die Verteidigung Wiens vor den Osmanen 1683, an der Polens König Jan III. Sobieski und sein Reiterheer maßgeblich beteiligt waren. An der Weichsel wirkt der seinerzeitige Sieg des christlichen Abendlandes über den islamischen Orient im Kollektivbewusstsein bis heute ebenso nach wie die Überzeugung von der symbiotischen Verschmelzung von Kirche und Nation.

"Die Kirche in Polen hat innerhalb der letzten zwei Jahrhunderte auch eine Ersatzrolle für die fehlende staatliche Existenz und Unabhängigkeit gespielt, zuletzt im Kommunismus", sagt Zbigniew Nosowski. Der 55-Jährige ist Vizevorsitzender des Polnischen Rates der Christen und Juden und Chefredakteur der liberalen katholischen Zeitschrift Wiez, die, anders als viele polnische Bischöfe, den Kurs von Papst Franziskus begrüßt. "Die katholische Kultur in Deutschland etwa ist viel näher am deutschen Protestantismus als am polnischen Katholizismus", sagt Nosowski.

In Polen, so der Publizist, gibt es hingegen eine klerikalere Kultur. Diese beinhalte ein stärkeres Bestreben, religiösen Einfluss auf Politik und Staat zu nehmen. "In der polnischen Kirche lebt offenbar der Drang zu engen Beziehungen mit der staatlichen Macht wieder auf", schrieb Nosowski vor Kurzem: "Es blüht erneut die Sehnsucht nach einer Situation, in der ein einziges politisches Programm als die gesellschaftliche Widerspiegelung des Evangeliums erachtet wird."

Wohl auch deshalb stört viele Bischöfe ausländische Kritik an der PiS-Regierung. "Aus dem Mund einiger westeuropäischer Politiker sind Vorwürfe an die Adresse unseres Landes zu hören", so Erzbischof Marek Jedraszewski, von Łódz in seiner Neujahrsansprache. "Diese Politiker wollen, dass Europa seine christlichen Wurzeln verleugnet. Ihre Worte zeugen von einem Mangel an Respekt für den Willen der polnischen Bevölkerung, die eine neue Führung gewählt hat und sich dabei von christlichen Werten leiten ließ." Worte wie diese haben großes Gewicht.

Denn 92 Prozent der Polinnen und Polen bekennen sich zum Katholizismus. Auch wenn die Religiosität tendenziell zurückgeht, ist ihr Niveau beachtlich: Jeder Zweite geht regelmäßig zur Sonntagsmesse, neun von zehn Schülern besuchen den schulischen Religionsunterricht, die Erstkommunion im Mai ist ein landesweites Großereignis und für den heimischen Handel ein zweites Weihnachten. Vor allem aber genießen katholische Geistliche - von den Erzbischöfen angefangen über einfache Priester bis hin zu Theologen und Publizisten auch in den vielen fundamentalistisch-christlichen Zeitschriften - beachtlichen Einfluss.

Beachtlicher Einfluss der Kirche

Die Kirche fordert vehement eine Verschärfung des ohnehin restriktiven Abtreibungsrechts und kämpft gegen Gender-Mainstreaming. Selbst Kunst kann die Amtskirche mitunter verhindern, etwa das viel gescholtene Theaterstück "Golgota Picnic" des Argentiniers Rodrigo García, dessen polnische Aufführung 2014 kurzfristig abgesagt wurde - wegen Protesten von Bischöfen und Gläubigen.

Doch es gibt auf der Linie Regierung-Kirche auch Dissonanzen. So ist die Kirchenführung in der Frage der Flüchtlinge zumindest gespalten. Es gibt sowohl jene, die vor einer islamischen Gefahr warnen, als auch Befürworter von mehr christlicher Solidarität. "Der Unwille vieler Polen gegenüber Flüchtlingen kann daher kommen, dass sie einfach nicht viele Möglichkeiten hatten Menschen zu treffen, die vor dem Tod und dem Krieg flüchten", sagte jüngst der für Migranten zuständige Bischof Krzysztof Zadarko. Ein Referendum über die Aufnahme von Asylsuchenden lehnt Zadarko ab. Freunde macht er sich mit solchen Forderungen bei der Regierung ebenso wenig wie Bischof Tadeusz Pieronek, der Ex-Präsident und Solidarnosc-Ikone Lech Wałesa verteidigte, als jüngst Unterlagen über eine Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter der polnischen Stasi auftauchten.

Hilfe von und für "Radio Maryja"

Zudem ist die PiS von Parteichef Jarosław Kaczynski mit ihrer scharfzüngigen Programmatik ideologisch mitunter näher am einflussreichen Redemptoristenpater Tadeusz Rydzyk, der den Sender Radio Maryja und den TV-Kanal Trwam betreibt, denn an der Amtskirche. "Wer auch immer seine Hand gegen die Kirche hebt, hebt seine Hand gegen Polen. Ohne sie, Herr Direktor, hätten wir diesen Wahlsieg nicht", sagte Kaczynski bei einer großen Jubiläumsfeier des Radio Maryja im Dezember. Inzwischen steht sogar eine millionenschwere staatliche Förderung für Rydzyks Privathochschule in Thorn zur Debatte, die wegen massiver Proteste der Opposition zwischenzeitlich gekippt wurde. Doch die Regierung hat das Projekt noch längst nicht aufgegeben.

Der 71-jährige Rydzyk ist dabei nicht nur für die liberale Opposition im Land ein Alptraum. Auch vielen Erzbischöfen war der Geistliche, der seinen Anhängern ultrakonservative Kost serviert und zugleich geistige Linderung für ihre meist schwierige soziale Lage bietet, lange ein Dorn im Auge, auch weil er nicht dem Vatikan untersteht und weitgehend autonom agiert. Doch die Konservativen haben sich inzwischen mit Rydzyk abgefunden, der Krakauer Erzbischof Stanisław Dziwisz, einst die rechte Hand von Papst Johannes Paul II., würdigte vor einem Jahr das Werk Rydzyks öffentlich.

Liberale Bischöfe bilden im Episkopat die Minderheit. Dies dürfte sich nicht so bald ändern -zumal nach der national-katholischen Wende. Der Theologe und Ex-Jesuit Stanisław Obirek, ein scharfer Kritikern des Kirchenkurses, meint: "Die aktuelle Regierung hat sich völlig unkritisch mit dem schädlichsten und geradezu destruktiven Katholizismus vereinigt, der nicht nur die eigenen, vor 50 Jahren beim II. Vatikanum begonnenen Errungenschaften negiert, sondern die Zerstörung seiner Grundlagen zu seinem Programm erklärte."

Was das bedeutet, wird auch an der "Inthronisierung" Jesu Christi als König Polens offenbar. Im November 2016 soll diese in einem symbolischen Akt vollzogen werden. Dieser werde "nicht das Ende, sondern der Beginn des Werkes der Inthronisierung Jesu Christi in Polen und der polnischen Nation sein", sagte Bischof Andrzej Czaja von Opeln. Die Bischöfe standen der Initiative, von fundamentalistischen Gruppen vorgebracht, lange skeptisch gegenüber, hat sich aber dem Druck der Basis gebeugt. Die kirchentreue PiS dürfte dies unterstützen."

Anfang Februar veröffentlichte Europe-Infos, das Online-Magazin der Kommission der katholischen Bischofskonferenzen der EU (ComECE), einen kritischen Artikel zu Polen. "Wie kommt es, dass ein Land, das der Krise getrotzt und eine beispielhafte und nachhaltige Entwicklungspolitik in die Wege geleitet hat, nun seine demokratischen Institutionen schwächt und Maßnahmen ergreift, die die bürgerlichen Freiheiten einschränken?", heißt es darin. Die regierende nationalkonservative PiS zentralisiere die Macht und blockiere das Verfassungsgericht, um "auf diese Weise fortan verfassungswidrige Gesetze zu verabschieden". Aber: "Bis jetzt haben sich die katholischen Bischöfe zu keiner öffentlichen Erklärung zu dieser Angelegenheit entschieden", heißt es in dem Beitrag.

Kritischer Beitrag entfernt

Daraufhin bezogen die Bischöfe deutlich Stellung: Die ComECE solle diesen "nicht objektiven Beitrag" aus Europe-Infos entfernen, denn der polnische Episkopat sei vom Autor des Beitrags, dem renommierten katholischen Publizisten Henryk Wozniakowski, nicht zu einer Stellungnahme kontaktiert worden. Zudem mische sich der Beitrag "in innere Angelegenheiten Polens" ein. Das Eingreifen wirkte: Der Artikel wurde entfernt.

Polens Amtskirche pflegte bereits vor dem Machtwechsel im Oktober 2015 einen engen Kontakt zur national-katholischen PiS. Zwar hielt sie sich mit einer klaren Wahlempfehlung zurück. Doch in allgemeinen Stellungnahmen oder Sonntagsessen war der Wink mit dem Zaunpfahl überdeutlich:

Die PiS wäre die legitime Macht im Christenland Polen. Nach dem Regierungswechsel, dürften die Bischöfe zufrieden sein. So will die PiS die Rolle der katholischen Religion im öffentlichen Raum stärker hervorheben und den schulischen Religionsunterricht weiter aufwerten. Auch hat die Regierung das Ende der finanziellen Förderung für künstliche Befruchtung beschlossen, die 2015 gegen den Widerstand der Kirche eingeführt worden war.

Doch der wirkliche Schulterschluss kommt erst. Zwei Ereignisse 2016 dürften Regierung und Kirchenführung da zur Demonstration der neuen Einheit von Staat und Kirche nutzen: den Weltjugendtag in Krakau Ende Juli sowie die Jubiläumsfeiern zum 1050. Jahrestag der Taufe und Staatsgründung Polens am 15. April. "Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es noch nie so eine Situation, in der wir es mit einer derartigen Vereinigung des Denkens über den Staat und die Kirche zu tun gehabt hätten", sagte Bischofskonferenzvorsitzender Stanisław Gadecki dazu.

Bis heute gilt Polen als erzkatholisches Land, als Heimat des "Jahrtausendpapstes" Johannes Paul II., als "Bollwerk des Christentums" - mit der Kirche als stete Fahnenträgerin. Weil diese Bollwerk-Idee von "Polen als Christus der Völker", im 19. Jahrhundert durch den Nationaldichter Adam Mickiewicz entwickelt, eine romantische ist, sind auch die vermeintlichen Angreifer, die es abzuwehren gelte, diffus .Einst war der angeblich barbarische Osten mit dem orthodoxen Russland der Gegner. Heute sind es die liberalen, säkularen Strömungen des Westens und der Islam - auch hier sind sich PiS und Kirchenführung großteils einig.

"Westen" als gemeinsamer Gegner

Polens Kirche und die Nationalkonservativen eint der Gedanke, dass sie fremde, nichtpolnische Elemente stets abzuwehren hätten. Zu diesem Denkmuster trägt noch ein anderer Mythos bei: die Verteidigung Wiens vor den Osmanen 1683, an der Polens König Jan III. Sobieski und sein Reiterheer maßgeblich beteiligt waren. An der Weichsel wirkt der seinerzeitige Sieg des christlichen Abendlandes über den islamischen Orient im Kollektivbewusstsein bis heute ebenso nach wie die Überzeugung von der symbiotischen Verschmelzung von Kirche und Nation.

"Die Kirche in Polen hat innerhalb der letzten zwei Jahrhunderte auch eine Ersatzrolle für die fehlende staatliche Existenz und Unabhängigkeit gespielt, zuletzt im Kommunismus", sagt Zbigniew Nosowski. Der 55-Jährige ist Vizevorsitzender des Polnischen Rates der Christen und Juden und Chefredakteur der liberalen katholischen Zeitschrift Wiez, die, anders als viele polnische Bischöfe, den Kurs von Papst Franziskus begrüßt. "Die katholische Kultur in Deutschland etwa ist viel näher am deutschen Protestantismus als am polnischen Katholizismus", sagt Nosowski.

In Polen, so der Publizist, gibt es hingegen eine klerikalere Kultur. Diese beinhalte ein stärkeres Bestreben, religiösen Einfluss auf Politik und Staat zu nehmen. "In der polnischen Kirche lebt offenbar der Drang zu engen Beziehungen mit der staatlichen Macht wieder auf", schrieb Nosowski vor Kurzem: "Es blüht erneut die Sehnsucht nach einer Situation, in der ein einziges politisches Programm als die gesellschaftliche Widerspiegelung des Evangeliums erachtet wird."

Wohl auch deshalb stört viele Bischöfe ausländische Kritik an der PiS-Regierung. "Aus dem Mund einiger westeuropäischer Politiker sind Vorwürfe an die Adresse unseres Landes zu hören", so Erzbischof Marek Jedraszewski, von Łódz in seiner Neujahrsansprache. "Diese Politiker wollen, dass Europa seine christlichen Wurzeln verleugnet. Ihre Worte zeugen von einem Mangel an Respekt für den Willen der polnischen Bevölkerung, die eine neue Führung gewählt hat und sich dabei von christlichen Werten leiten ließ." Worte wie diese haben großes Gewicht.

Denn 92 Prozent der Polinnen und Polen bekennen sich zum Katholizismus. Auch wenn die Religiosität tendenziell zurückgeht, ist ihr Niveau beachtlich: Jeder Zweite geht regelmäßig zur Sonntagsmesse, neun von zehn Schülern besuchen den schulischen Religionsunterricht, die Erstkommunion im Mai ist ein landesweites Großereignis und für den heimischen Handel ein zweites Weihnachten. Vor allem aber genießen katholische Geistliche - von den Erzbischöfen angefangen über einfache Priester bis hin zu Theologen und Publizisten auch in den vielen fundamentalistisch-christlichen Zeitschriften - beachtlichen Einfluss.

Beachtlicher Einfluss der Kirche

Die Kirche fordert vehement eine Verschärfung des ohnehin restriktiven Abtreibungsrechts und kämpft gegen Gender-Mainstreaming. Selbst Kunst kann die Amtskirche mitunter verhindern, etwa das viel gescholtene Theaterstück "Golgota Picnic" des Argentiniers Rodrigo García, dessen polnische Aufführung 2014 kurzfristig abgesagt wurde - wegen Protesten von Bischöfen und Gläubigen.

Doch es gibt auf der Linie Regierung-Kirche auch Dissonanzen. So ist die Kirchenführung in der Frage der Flüchtlinge zumindest gespalten. Es gibt sowohl jene, die vor einer islamischen Gefahr warnen, als auch Befürworter von mehr christlicher Solidarität. "Der Unwille vieler Polen gegenüber Flüchtlingen kann daher kommen, dass sie einfach nicht viele Möglichkeiten hatten Menschen zu treffen, die vor dem Tod und dem Krieg flüchten", sagte jüngst der für Migranten zuständige Bischof Krzysztof Zadarko. Ein Referendum über die Aufnahme von Asylsuchenden lehnt Zadarko ab. Freunde macht er sich mit solchen Forderungen bei der Regierung ebenso wenig wie Bischof Tadeusz Pieronek, der Ex-Präsident und Solidarnosc-Ikone Lech Wałesa verteidigte, als jüngst Unterlagen über eine Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter der polnischen Stasi auftauchten.

Hilfe von und für "Radio Maryja"

Zudem ist die PiS von Parteichef Jarosław Kaczynski mit ihrer scharfzüngigen Programmatik ideologisch mitunter näher am einflussreichen Redemptoristenpater Tadeusz Rydzyk, der den Sender Radio Maryja und den TV-Kanal Trwam betreibt, denn an der Amtskirche. "Wer auch immer seine Hand gegen die Kirche hebt, hebt seine Hand gegen Polen. Ohne sie, Herr Direktor, hätten wir diesen Wahlsieg nicht", sagte Kaczynski bei einer großen Jubiläumsfeier des Radio Maryja im Dezember. Inzwischen steht sogar eine millionenschwere staatliche Förderung für Rydzyks Privathochschule in Thorn zur Debatte, die wegen massiver Proteste der Opposition zwischenzeitlich gekippt wurde. Doch die Regierung hat das Projekt noch längst nicht aufgegeben.

Der 71-jährige Rydzyk ist dabei nicht nur für die liberale Opposition im Land ein Alptraum. Auch vielen Erzbischöfen war der Geistliche, der seinen Anhängern ultrakonservative Kost serviert und zugleich geistige Linderung für ihre meist schwierige soziale Lage bietet, lange ein Dorn im Auge, auch weil er nicht dem Vatikan untersteht und weitgehend autonom agiert. Doch die Konservativen haben sich inzwischen mit Rydzyk abgefunden, der Krakauer Erzbischof Stanisław Dziwisz, einst die rechte Hand von Papst Johannes Paul II., würdigte vor einem Jahr das Werk Rydzyks öffentlich.

Liberale Bischöfe bilden im Episkopat die Minderheit. Dies dürfte sich nicht so bald ändern -zumal nach der national-katholischen Wende. Der Theologe und Ex-Jesuit Stanisław Obirek, ein scharfer Kritikern des Kirchenkurses, meint: "Die aktuelle Regierung hat sich völlig unkritisch mit dem schädlichsten und geradezu destruktiven Katholizismus vereinigt, der nicht nur die eigenen, vor 50 Jahren beim II. Vatikanum begonnenen Errungenschaften negiert, sondern die Zerstörung seiner Grundlagen zu seinem Programm erklärte."

Was das bedeutet, wird auch an der "Inthronisierung" Jesu Christi als König Polens offenbar. Im November 2016 soll diese in einem symbolischen Akt vollzogen werden. Dieser werde "nicht das Ende, sondern der Beginn des Werkes der Inthronisierung Jesu Christi in Polen und der polnischen Nation sein", sagte Bischof Andrzej Czaja von Opeln. Die Bischöfe standen der Initiative, von fundamentalistischen Gruppen vorgebracht, lange skeptisch gegenüber, hat sich aber dem Druck der Basis gebeugt. Die kirchentreue PiS dürfte dies unterstützen."