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Kronprinz Allmächtig mit Faible für Churchill

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Diplomaten nennen ihn wegen seiner vielen Posten "Mr. Everything", Spötter ob seiner Geschwindigkeit einen "Duracell-Prinzen" und seit vergangenem Wochenende, an dem er mit einer Verhaftungswelle die saudische Nomenklatura in seine Schranken gewiesen hat, fürchten ihn viele als den "Kronprinz Allmächtig". Mohammed bin Salman hat seit der Thronbesteigung seines Vaters 2015 einen beispiellosen politischen Aufstieg hingelegt. König Salman machte ihn nicht nur zum Nachfolger und Verteidigungsminister. Auch der staatliche Ölriese Aramco steht unter seinen Fittichen. Außerdem leitet er das Reformprojekt "Vision 2030", das Saudi-Arabien modernisieren und unabhängiger vom Erdöl machen soll. Der rasante Aufstieg des 32-jährigen Jus-Absolventen der König-Saud-Universität wurde im eigenen Land und weltweit mit vielen skeptischen Blicken verfolgt.

Der "Spiegel" berichtete von Warnungen des deutschen Bundesnachrichtendienstes: Bin Salmans Machtfülle stehe für eine "impulsive Interventionspolitik" und versuche, den eigenen Einflussraum auch militärisch auszudehnen. Der saudische Militäreinsatz im Jemen und die Blockadepolitik gegen Katar bestätigen diese "Kriegerprinz"-Warnungen. "Die Zeit" schrieb über ihn: "In politischen Kreisen in Riad, aber auch in Teilen der Königsfamilie, ist wenig Gutes zu hören über den Aufsteiger, der als Einziger der Führungsriege nicht im Ausland studierte. Er gilt als hyperehrgeizig, skrupellos, impulsiv und arrogant."

Dazu im Widerspruch scheinen seine Offenheit bei Interviews und sein Bekenntnis zu einer liberaleren saudischen Gesellschaft zu stehen. Die Jugend, über die Hälfte der Saudis ist jünger als 25, sieht im Kronprinzen jedenfalls einen Hoffnungsträger für Reformen.

Auch sein Familienleben entspricht nicht dem des klassischen arabischen Prinzen: Mit seiner einzigen Ehefrau hat er zwei Töchter und zwei Söhne und lebt nach eigener Auskunft monogam. Zwar seien Vielehen im Islam erlaubt, sagte er der Agentur "Bloomberg", in der modernen Welt fehle dafür aber die Zeit.

Nachgesagt wird ihm ein Faible für Winston Churchill. Sehr beherzigt hat der Prinz die politischen Leitlinien des britischen Premiers aber (noch) nicht. Meinte Churchill doch: "Wenn es morgens um sechs Uhr an meiner Tür läutet und ich kann sicher sein, dass es der Milchmann ist, dann weiß ich, dass ich in einer Demokratie lebe." In Saudi-Arabien gibt es diese Sicherheit mit Sicherheit nicht.