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„Mit Fußball-WM sind wir am Radarschirm der Welt“

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Als zwei junge südafrikanische Arbeiter unlängst den 66-jährigen Farmer und rechtsradikalen Politiker Eugene Terreblanche mit einer Machete und einem Schlagstock töteten, hatten sie wohl keine Vorstellung von dem politischen Beben, das sie damit auslösten. Das Bild von einem friedlichen und versöhnten Südafrika zerbröselt – und das gerade jetzt, wo die „Regenbogennation“ massiv um Touristen für die Fußball-Weltmeisterschaft im Juni und Juli wirbt.

Doch der schnelle Verdacht eines politischen Mordes ist immer mehr umstritten. Terreblanche habe seine schwarzen Arbeiter regelmäßig misshandelt und ihnen den Lohn vorenthalten, sagte der Anwalt der Täter vor Gericht und er betonte: „Es gibt nichts Politisches daran.“ Die beiden Täter beendeten offenbar ihren Streit mit Terreblanche über ihren Lohn so, wie viele Konflikte in diesem Land ausgetragen werden: mit Gewalt. Die Mordrate Südafrikas liegt um 20 bis 30 Mal so hoch wie in Westeuropa – ähnliches gilt für andere Gewalttaten. Allgemein akzeptierter Grund für die Unruhen ist die soziale Apartheid, die das Land am Kap nach wie vor nicht überwunden hat.

Teufelskreise aus Apartheids-Zeit

„Diese in der Apartheid Südafrikas wurzelnden Teufelskreise zu durchbrechen, ist sehr schwierig“, sagt Colette Solomon im Gespräch mit der FURCHE. Die stellvertretende Direktorin von „Women on Farms Project (WFP)“, eine Interessenvertretung für in der Landwirtschaft arbeitende Frauen in Südafrika, zählt zu diesen Teufelskreisen häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder, Alkoholmissbrauch oder die Benachteiligung der Frauen am Arbeitsplatz.

Solomon war auf Einladung des Instituts für Umwelt–Friede–Entwicklung (IUFE) in Wien, um unter dem Titel „Widerstandskraft statt Ohnmacht“ über die Aktionen und Projekte ihrer Organisation, die unter anderem von der Dreikönigsaktion unterstützt wird, zu referieren.

Solomon ist froh, dass Südafrika den Zuschlag für die diesjährige Fußball-WM erhalten hat. Der aktuelle Nutzen zur Armutsbekämpfung werde dabei nicht sehr groß sein, sagt sie.

Weltweit Verbündete nützen

Doch die Interessenvertreterin sieht einen anderen wichtigen Nutzen für soziale Bewegungen mit der Weltmeisterschaft einhergehen: „Damit sind wir auf dem Aufmerksamkeitsradar der Welt. Das eröffnet uns viele Möglichkeiten, neue Kontakte zu finden und den Nord-Süd-Dialog zu forcieren. Denn ohne diese Zusammenarbeit sind wir als Interessenvertreter in einer globalisierten Wirtschaftswelt machtlos.“

Gemeinsam mit einer britischen NGO ist es Solomons Organisation gelungen, südafrikanische Produkte solange aus den Regalen einer Supermarktkette in Großbritannien fernzuhalten, bis sich die Farmen in Südafrika zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen für ihre Arbeiterinnen bereit erklärten. Für Solomon wäre es insofern okay, wenn die Fußball-WM noch länger dauern würde. Auch wenn sie sonst an 22 Männern, die 90 Minuten einem Ball nachlaufen, kein Interesse zeigt.

Als zwei junge südafrikanische Arbeiter unlängst den 66-jährigen Farmer und rechtsradikalen Politiker Eugene Terreblanche mit einer Machete und einem Schlagstock töteten, hatten sie wohl keine Vorstellung von dem politischen Beben, das sie damit auslösten. Das Bild von einem friedlichen und versöhnten Südafrika zerbröselt – und das gerade jetzt, wo die „Regenbogennation“ massiv um Touristen für die Fußball-Weltmeisterschaft im Juni und Juli wirbt.

Doch der schnelle Verdacht eines politischen Mordes ist immer mehr umstritten. Terreblanche habe seine schwarzen Arbeiter regelmäßig misshandelt und ihnen den Lohn vorenthalten, sagte der Anwalt der Täter vor Gericht und er betonte: „Es gibt nichts Politisches daran.“ Die beiden Täter beendeten offenbar ihren Streit mit Terreblanche über ihren Lohn so, wie viele Konflikte in diesem Land ausgetragen werden: mit Gewalt. Die Mordrate Südafrikas liegt um 20 bis 30 Mal so hoch wie in Westeuropa – ähnliches gilt für andere Gewalttaten. Allgemein akzeptierter Grund für die Unruhen ist die soziale Apartheid, die das Land am Kap nach wie vor nicht überwunden hat.

Teufelskreise aus Apartheids-Zeit

„Diese in der Apartheid Südafrikas wurzelnden Teufelskreise zu durchbrechen, ist sehr schwierig“, sagt Colette Solomon im Gespräch mit der FURCHE. Die stellvertretende Direktorin von „Women on Farms Project (WFP)“, eine Interessenvertretung für in der Landwirtschaft arbeitende Frauen in Südafrika, zählt zu diesen Teufelskreisen häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder, Alkoholmissbrauch oder die Benachteiligung der Frauen am Arbeitsplatz.

Solomon war auf Einladung des Instituts für Umwelt–Friede–Entwicklung (IUFE) in Wien, um unter dem Titel „Widerstandskraft statt Ohnmacht“ über die Aktionen und Projekte ihrer Organisation, die unter anderem von der Dreikönigsaktion unterstützt wird, zu referieren.

Solomon ist froh, dass Südafrika den Zuschlag für die diesjährige Fußball-WM erhalten hat. Der aktuelle Nutzen zur Armutsbekämpfung werde dabei nicht sehr groß sein, sagt sie.

Weltweit Verbündete nützen

Doch die Interessenvertreterin sieht einen anderen wichtigen Nutzen für soziale Bewegungen mit der Weltmeisterschaft einhergehen: „Damit sind wir auf dem Aufmerksamkeitsradar der Welt. Das eröffnet uns viele Möglichkeiten, neue Kontakte zu finden und den Nord-Süd-Dialog zu forcieren. Denn ohne diese Zusammenarbeit sind wir als Interessenvertreter in einer globalisierten Wirtschaftswelt machtlos.“

Gemeinsam mit einer britischen NGO ist es Solomons Organisation gelungen, südafrikanische Produkte solange aus den Regalen einer Supermarktkette in Großbritannien fernzuhalten, bis sich die Farmen in Südafrika zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen für ihre Arbeiterinnen bereit erklärten. Für Solomon wäre es insofern okay, wenn die Fußball-WM noch länger dauern würde. Auch wenn sie sonst an 22 Männern, die 90 Minuten einem Ball nachlaufen, kein Interesse zeigt.