Brisilda - © Foto: Tobias Zuttmann

Roma in Albanien: „Wir tragen die Veränderung“

1945 1960 1980 2000 2020

Für ihre Arbeit in der Roma-Community des Landes erhielt Brisilda Taco 2019 den Unknown-Heroes-Preis der EU. Dabei arbietet die Roma-Aktivistin sowohl gegen Diskriminierung wie auch an den Dynamiken innerhalb der Community selbst.

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Für ihre Arbeit in der Roma-Community des Landes erhielt Brisilda Taco 2019 den Unknown-Heroes-Preis der EU. Dabei arbietet die Roma-Aktivistin sowohl gegen Diskriminierung wie auch an den Dynamiken innerhalb der Community selbst.

In Albanien werden Roma seit Jahrhunderten diskriminiert. Brisilda Taco (33) ging als erste in ihrer Familie zur Universität. Heute leitet sie die NGO „Rromano Kham“.

DIE FURCHE: Was heißt es für Sie, als Romni in Albanien zu leben?

Brisilda Taco: Es heißt, ständig Vorurteilen zu begegnen. Als ich an der Uni studiert habe, habe ich immer wieder gehört: Nein, du kannst keine Romni sein. Roma betteln auf den Straßen und heiraten als Kinder. Oder als ich neulich zum Arbeitsamt ging und eine Mitarbeiterin bat, einer Freundin zu helfen, die einen Job sucht. Die Angestellte sagte zu mir: „Was machst du denn mit diesen ,Zigeunern’? Die wollen nicht arbeiten, die sind faul.“

DIE FURCHE: Wie sehr verletzt es Sie, solche Diskriminierung zu erleben?

Taco: Ich habe einen starken Charakter und lasse das nicht so nah an mich herankommen. Nur wenn es meine Freunde betrifft, macht mich das wütend. Meine Roma-Freunde mit dunkler Haut werden viel stärker diskriminiert als ich – von der Gesellschaft, in den Medien, beim Arbeitsamt, in Bars.

DIE FURCHE: Noch heute lebt ein Teil der Gemeinschaft in Albanien isoliert – oft ohne Zugang zu fließendem Wasser oder Strom, ohne Chancen, sich aus der Armut zu befreien. Wird sich das jemals ändern?

Taco: Seit einigen Jahren verbessert sich die Situation erheblich, denn es gibt immer mehr gut ausgebildete Roma, die ihre Rechte kennen und dafür kämpfen. Bis vor fünf Jahren waren zum Beispiel illegale Zwangsräumungen ein großes Problem. Die Polizei kam zu den Roma und hat sie aus ihren Häusern geworfen, weil dort Straßen oder Ähnliches gebaut werden sollten. Damals haben wir viele Proteste organisiert.

DIE FURCHE: Sie sind bis zum Premierminister gegangen.

Taco: Ja. Zunächst wusste ich nicht, wie ich mein Anliegen formulieren kann, also ging ich zur Regierung, um gegen die Zwangsräumung zu protestieren. Dort sagten sie, sie seien nicht zuständig, das sei Sache der jeweiligen Stadt. Aber dort schickten sie uns auch wieder weg. Durch die Zusammenarbeit mit Roma in anderen Ländern haben wir viel dazugelernt. Sie sagten uns: Lest das Gesetz, ihr müsst euch weiterbilden, ihr müsst lernen, wie ihr in den Medien auftretet, wie ihr euer Recht einfordert. Als wir unsere Rechte kannten, sind wir mit einem Anwalt zum Premierminister gegangen und haben gesagt: So ist die Gesetzeslage, diese Räumungen sind illegal.

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