Roma - © Foto: Petrut Calinescu , n-ost
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Roma in Rumänien: Abgehängt im Lockdown

1945 1960 1980 2000 2020

Ohne Tablet kein Unterricht: Das gilt in Rumänien seit dem Ausbruch der Pandemie besonders oft für Kinder der Roma-Minderheit. Bereits vor Corona besuchten längst nicht alle von ihnen eine Schule, die Abbruchquote war hoch. Nun drohen noch mehr Kinder und Jugendliche den Anschluss zu verlieren.

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Ohne Tablet kein Unterricht: Das gilt in Rumänien seit dem Ausbruch der Pandemie besonders oft für Kinder der Roma-Minderheit. Bereits vor Corona besuchten längst nicht alle von ihnen eine Schule, die Abbruchquote war hoch. Nun drohen noch mehr Kinder und Jugendliche den Anschluss zu verlieren.

Zăbala ist ein ungarisches 3000-Seelen-Dorf in Siebenbürgen, genauer im mehrheitlich von ethnischen Ungarn bewohnten Kreis Covasna. Dort leben, etwas oberhalb auf den Hügeln, rund 300 Roma. Abrupt enden am Rande des Hauptdorfes die geteerten Straßen, dann führt ein matschiger Pfad hinauf zur Siedlung. Der Aufstieg ist schweißtreibend, und bei Regen, wenn sich der Pfad in einen Sturzbach aus Schlamm verwandelt, mitunter unmöglich. Auf einer Lichtung verstreut stehen die Häuser, ziemlich heruntergekommen, viele haben nicht mehr alle Fenster. In einem großen Baum klettern ein paar Kinder, an einen kleineren Baum ist ein Pferd angebunden.

Das Pferd wiehert, als Kinga Hubbes sich nähert. Kinga, lange dunkle Haare und in Jeans und Turnschuhen sportlich unterwegs, arbeitet für die Caritas Alba Iulia und koordiniert die Projekte für die Roma-Minderheit in Covasna. Die Mimik freundlich, die Stimme sanft – sie entspricht dem Bild, das man in Rumänien den Menschen in Siebenbürgen häufig zuschreibt. Doch hinter der sanften Fassade steckt die energische Entschlossenheit, die jemand braucht, der dafür kämpft, die Lebensbedingungen marginalisierter Gruppen zu verbessern. Kinga kennt die Menschen in Zăbala gut und ist auch an diesem Tag innerhalb kürzester Zeit umringt von Kindern und Erwachsenen, die sie begrüßen und mit ihr einen Plausch halten wollen.

Dass die Schulen, wie in so vielen Ländern, auch in Rumänien seit Ausbruch der Corona-Pandemie, immer wieder wegen Corona geschlossen sind, ist für die Kinder in Zãbala mitunter fatal. Lorenzo, ein Viertklässler mit Fußballer-Haarschnitt, erzählt, dass er seine Lehrerin zwischen dem Ausbruch der Pandemie Mitte März und den Sommerferien genau ein Mal gesehen hat. Da hat sie ihn nach unten in die Dorfschule bestellt, um ihm zu sagen, dass er in die nächste Klasse vorrücken wird. „Hast Du die Schule vermisst?“– „Igen.“ Traurig lächelt Lorenzo und bejaht auf Ungarisch. Seine Oma, eine Frau mit wettergegerbtem Gesicht, bestätigt nickend den Bericht des Jungen und stemmt ihre Hände in die Hüften.

Die Ferien dauerten bis Mitte September. Dann hatten die Kinder aus Zăbala zunächst Glück, die Infektionszahlen in der Region waren relativ niedrig, Zăbala blieb im „grünen Bereich“, womit es für alle Jahrgangsstufen Präsenzunterricht gab. Doch Anfang November wurden abermals alle Schulen landesweit geschlossen. Nur wenige Tage später veröffentlichte das Ministerium für die Vergabe von EU-Fördermitteln eine Stellungnahme, basierend auf Unicef-Schätzungen: Wegen fehlender digitaler Infrastruktur hätten derzeit rund eine Million Kinder und Jugendliche in Rumänien – all jene, die in extremer Armut leben – keinen Zugang zu Bildung. Das entspricht etwa einem Drittel aller Schulpflichtigen. Bis 8. Februar blieben alle Schulen geschlossen, momentan hängt es wieder von den Infektionszahlen ab, ob in einer Region alle oder nur ein Teil der Schüler Präsenzunterricht haben.