Saudi-Arabien - © Foto: Günter Spreitzhofer

Saudi-Arabien: Vorwärts, rückwärts, marsch!

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Saudi Aramco, die staatliche arabische Ölfördergesellschaft, macht zurzeit das Geschäft ihres Lebens und hat ihren Gewinn verdoppelt. Was wird aus Saudi-Arabiens grüner „Vision 2030“ für die Zeit danach? Und was aus der Modernisierung?

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Saudi Aramco, die staatliche arabische Ölfördergesellschaft, macht zurzeit das Geschäft ihres Lebens und hat ihren Gewinn verdoppelt. Was wird aus Saudi-Arabiens grüner „Vision 2030“ für die Zeit danach? Und was aus der Modernisierung?

Das saudische Königshaus fürchtet wenig mehr als einen religiösen Umsturz Marke Iran oder Afghanistan. Die allzu strenge Auslegung des Islam könnte Terrorzellen aufkeimen lassen. Also ein wenig kontrollierte Öffnung, aber nicht zu viel, so lautet die aktuelle Devise der absolutistischen Herrscherfamilie, für die Stockhiebe und öffentliche Enthauptungen weiter zum Alltagsgeschäft gehören – auch wenn auf dem Deera-Platz von Riad, besser bekannt als „Chop Chop Square“, mittlerweile fabelhafte Sound-and-LightShows vergessen lassen, was da sonst so passiert. Ohne Tawakkalna, der nationalen Covid-App, ist der Zutritt jedenfalls verwehrt, egal zu welcher Veranstaltung.

Saudische Könige sind zugleich Premierminister, Oberbefehlshaber der Truppen und Hüter der heiligen Stätten. Das Gesicht der neuen Zeit ist Kronprinz Mohammed bin Salman, oft nur kurz MbS genannt – de facto ist er an der Macht, da die Amtsfähigkeit seines Vaters König Salman ibn Abd alAziz Al Saud (*1935) durch Schlaganfälle und eine mögliche Alzheimer-Erkrankung umstritten ist. 2016 unter viel Beifall der Weltöffentlichkeit implementiert, zielt die Zukunftsstrategie „Vision 2030“ vorrangig auf die Verringerung der Abhängigkeit von Ölexporten – durch Diversifizierung der Wirtschaft, verstärkte Investitionen im öffentlichen Sektor und Ausbau des Tourismus, garniert mit einem Schuss gesellschaftlicher Transformation in Sachen Frauenrechte. Die Ermordung des regierungskritischen Journalisten Jamal Ahmad Khashoggi 2018 beendete die kurze globale Euphorie von JP Morgan bis Google und bewirkte einen Ausstieg zahlreicher renommierter Investorengruppen aus Geschäften mit Saudi-Arabien: Auch weit gediehene Megatourismusprojekte an der jordanischen Grenze von Richard Branson, dem schillernden britischen Businessman, waren plötzlich nicht mehr spruchreif

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