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Sprach Herr Trump ZUM EMIR

1945 1960 1980 2000 2020

Wie die Krise um Katar den US-Strategiewechsel im Nahen Osten zeigt: Business schlägt politisches Kalkül - egal, welche Konsequenzen das hat.

1945 1960 1980 2000 2020

Wie die Krise um Katar den US-Strategiewechsel im Nahen Osten zeigt: Business schlägt politisches Kalkül - egal, welche Konsequenzen das hat.

Psychologisch betrachtet soll Lachen ja eine reinigende Wirkung haben, die den Lachenden von seinen eingefahrenen Denkmustern erlöst. Aber das ist nicht immer der Fall. Man stelle sich vor, das Lachen über den folgenden Reim führte zu "neuen" Denkmustern: "Sprach der Scheich zum Emir, zahlen wir und gehen wir. Sprach der Emir zum Scheich, zahlen wir nicht und gehen wir gleich." Da stehen die neuen Denkmuster also bedeutend ferner als alte Vorurteile und Rassismen gegen Araber an sich: Verschlagenheit, Falschheit, Zechprellerei. Immerhin kann dieser Reim wirtschaftlich verstanden werden in einer Situation, in der der homo oeconomicus den unbedingten Vorteil im Abbruch des Tauschhandels Essen gegen Geld sucht. Es gibt ein Angebot und auch eine Nachfrage, aber dann lässt ein Konsument den Kreislauf zusammenbrechen - zum eigenen Vorteil.

Ganz Ähnliches passiert derzeit auf der arabischen Halbinsel. Der Konsument, der nur seinem eigenen Vorteil nachläuft, sind dort derzeit die USA. Die Geschädigten sind die ohnehin schon von allen Seiten zusammengeschossene Stabilität in der Region, in weiterer Folge aber die politischen Interessen der Amerikaner selbst.

Tatsächlich könnte selbst der Anlassfall von Zynikern als ein bitterer Witz verstanden werden: Saudi-Arabien hat das Emirat Katar vor wenigen Tagen als Terrorfinanzierer bloßgestellt. So weit so überraschend ist die heftige Reaktion. Denn das Faktum der Terrorfinanzierung ist seit Jahren bekannt und wurde in den vergangenen Jahren nicht nur Katar, sondern auch Kreisen in Saudi-Arabien zugeschrieben. Dessen ungeachtet brachen nun die Saudis und alle Nachbarn Katars die diplomatischen Beziehungen mit dem Emirat ab und setzten umfangreiche Sanktionen in Kraft, die Katar von der Zufuhr von Lebensmittel und allen Gütern abschneiden sollen.

Das ergibt eine einigermaßen absurde Lage. Erstes Paradox: Saudi-Arabien, dessen Eliten einige der fundamental-islamistischen Kampfgruppen mit Nähe zur Al Kaida in Syrien unterstützen und finanzierten, beschuldigt Katar, den Terrorismus zu finanzieren. Zweites Paradox: Saudi-Arabien droht dem Iran relativ unverhohlen mit Gewalt auf dem Territorium des Iran. Postwendend kommt es im Iran zu einem Terroranschlag des IS mit 18 Toten. Unter Druck durch Saudi-Arabien bittet der angebliche IS-Unterstützer Katar den Iran um Hilfe Und Katar erhält diese Unterstützung.

Ist das logisch? Trotz allem, ja. Und zwar wenn man den Wunsch nach einer unumschränkten Vormachtstellung Saudi-Arabiens in der Region als eigentliches Motiv unterstellt und eine umfassende Änderung der Politik der USA in der Region.

Jahrzehntelang haben die Vereinigten Staaten versucht, mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln, die Region einigermaßen stabil zu halten und ein austarierendes Gleichgewicht in der unübersichtlichen Lage zu finden. Unter Präsident Donald Trump hat sich das schlagartig geändert. Er will ausschließlich einen "besseren Deal" für die USA - diesem wirtschaftlichen Prätext hat sich die Politik unterzuordnen.

Anlassfall Nahostreise

Klarer als je zuvor wurde das vor wenigen Wochen, als Trump seine Reise zu den Verbündeten im Nahen Osten, also Saudi-Arabien, Ägypten, Israel absolvierte. Nichts schien ihm dabei so großes Vergnügen bereitet zu haben wie seine Waffengeschäfte mit Saudi-Arabien: "Hunderte Milliarden Dollar Investment für die USA und Jobs Jobs Jobs", frohlockte er via Twitter. Im Rahmen dieser Gespräche mit den Saudis muss auch über Katar gesprochen worden sein. Denn die Genugtuung des Präsidenten über die Sanktionen gegen das Emirat kurz nach seiner Abreise war nicht zu überhören. "Katar ist leider seit Jahren ein Finanzier von Terrorismus, die Zeit war gekommen, das zu beenden." Ebenso wenig aber war das Entsetzen aus dem US-Verteidigungs-und dem Außenministerium zu übersehen, die um eine Deeskalierung der Lage bemüht waren und Katar als "engen Freund und Verbündeten" bezeichneten.

Offensichtlich haben die USA Saudi-Arabien im Nahen Osten tatsächlich freie Hand gegeben. Und Saudi-Arabien hat diese freie Hand genutzt, indem es alle regionalen Konkurrenten auszuschalten versucht - sei es nun der große Iran oder das kleine, politisch allzu quirlige Katar und sein Emir.

Der Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, Fürst im Land mit den höchsten Vermögen pro Kopf der Welt, versuchte eine ganz ähnliche Rolle für sich zu kreieren wie Saudi-Arabien: Als unverzichtbarer politischer Teil der Region. Al Thani fuhr dazu eine sehr geschickte Politik. Einerseits machte er sich für die USA unverzichtbar, indem er ihnen sein Land als Stützpunkt zur Verfügung stellte. Zeitgleich schärfte er sein sunnitisches Profil mit zahlreichen Stifungen und der Unterstützung streng wahhabitisch-sunnitischer Zirkel. So kam es auch zu den Geschäftsverbindungen terroristischer Organisationen nach Katar. Aber Al Thani wurde den Saudis noch weitaus gefährlicher. Mit seinem TV-Sender Al Jazeera eroberte er binnen weniger Jahre die Öffentlichkeit in den arabischen Ländern - und damit die Deutungshoheit über die arabische mediale Wirklichkeit.

Iranische Wende

Und diese Wirklichkeit wurde ab dem Zeitpunkt für die Saudis bedrohlich, als Katar und mit ihm Al Jazeera das Abkommen zwischen dem Iran und dem Westen über den Ausstieg aus der Urananreicherung lobten. Dieses Lob war ein unerhörter Vorgang, gemessen an der Intimfeinschaft zwischen den schiitischen Mullahs und den sunnitisch-wahhabitischen Herrschern auf der anderen Seite des persischen Golfs. Dagegen verblassten selbst die Prestigeprojekte des Emirs, wie etwa die Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar, die einen neuen Höhepunkt der arabischen Reputation in der Welt markieren sollte. Aber zu diesem Zeitpunkt saß Barack Obama im Weißen Haus und die Saudis durften nicht, was sie schon damals hätten machen können: eine Strafaktion gegen Katar inszenieren. Nun, unter einem Präsidenten Trump, stellt sich die Lage anders dar. Die USA scheinen nun mehr denn je mit Deals käuflich.

So konnten die Saudis bequem auf die nächste Gelegenheit warten, und die bot sich vor wenigen Tagen, als Hacker eine gefälschte Botschaft des Emirs über dessen eigene Nachrichtenagentur absetzten, in der sich Al Thani den Iran als "Stabilitätsgarant in der Region" loben ließ.

Nun könnte die Angelegenheit aber den Iran in eine noch bessere Position bringen, indem es ihm Katar zutreibt. Und auch Russland muss der Emir nun hofieren. Die Unterstützung beider dürfte wohl letztlich das Schicksal des US-Militärstützpunktes in Katar besiegeln. Mehr noch: Wenn der Iran einmal einen Brückenkopf auf der arabischen Halbinsel selbst etablieren kann, könnte es schnell zu einer Ausweitung der Kampfzone im Nahen Osten kommen. Und was man Weltfrieden nennt, wäre für lange Zeit unerreichbar. Dieser "Deal" wäre also teurer als viele Milliarden Dollar. Es gäbe, um zum schlechten Eingangsscherz zurückzukehren, auch keine Möglichkeit, die Zeche zu prellen und sich heimlich vom Schlachtfeld zu machen.

Psychologisch betrachtet soll Lachen ja eine reinigende Wirkung haben, die den Lachenden von seinen eingefahrenen Denkmustern erlöst. Aber das ist nicht immer der Fall. Man stelle sich vor, das Lachen über den folgenden Reim führte zu "neuen" Denkmustern: "Sprach der Scheich zum Emir, zahlen wir und gehen wir. Sprach der Emir zum Scheich, zahlen wir nicht und gehen wir gleich." Da stehen die neuen Denkmuster also bedeutend ferner als alte Vorurteile und Rassismen gegen Araber an sich: Verschlagenheit, Falschheit, Zechprellerei. Immerhin kann dieser Reim wirtschaftlich verstanden werden in einer Situation, in der der homo oeconomicus den unbedingten Vorteil im Abbruch des Tauschhandels Essen gegen Geld sucht. Es gibt ein Angebot und auch eine Nachfrage, aber dann lässt ein Konsument den Kreislauf zusammenbrechen - zum eigenen Vorteil.

Ganz Ähnliches passiert derzeit auf der arabischen Halbinsel. Der Konsument, der nur seinem eigenen Vorteil nachläuft, sind dort derzeit die USA. Die Geschädigten sind die ohnehin schon von allen Seiten zusammengeschossene Stabilität in der Region, in weiterer Folge aber die politischen Interessen der Amerikaner selbst.

Tatsächlich könnte selbst der Anlassfall von Zynikern als ein bitterer Witz verstanden werden: Saudi-Arabien hat das Emirat Katar vor wenigen Tagen als Terrorfinanzierer bloßgestellt. So weit so überraschend ist die heftige Reaktion. Denn das Faktum der Terrorfinanzierung ist seit Jahren bekannt und wurde in den vergangenen Jahren nicht nur Katar, sondern auch Kreisen in Saudi-Arabien zugeschrieben. Dessen ungeachtet brachen nun die Saudis und alle Nachbarn Katars die diplomatischen Beziehungen mit dem Emirat ab und setzten umfangreiche Sanktionen in Kraft, die Katar von der Zufuhr von Lebensmittel und allen Gütern abschneiden sollen.

Das ergibt eine einigermaßen absurde Lage. Erstes Paradox: Saudi-Arabien, dessen Eliten einige der fundamental-islamistischen Kampfgruppen mit Nähe zur Al Kaida in Syrien unterstützen und finanzierten, beschuldigt Katar, den Terrorismus zu finanzieren. Zweites Paradox: Saudi-Arabien droht dem Iran relativ unverhohlen mit Gewalt auf dem Territorium des Iran. Postwendend kommt es im Iran zu einem Terroranschlag des IS mit 18 Toten. Unter Druck durch Saudi-Arabien bittet der angebliche IS-Unterstützer Katar den Iran um Hilfe Und Katar erhält diese Unterstützung.

Ist das logisch? Trotz allem, ja. Und zwar wenn man den Wunsch nach einer unumschränkten Vormachtstellung Saudi-Arabiens in der Region als eigentliches Motiv unterstellt und eine umfassende Änderung der Politik der USA in der Region.

Jahrzehntelang haben die Vereinigten Staaten versucht, mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln, die Region einigermaßen stabil zu halten und ein austarierendes Gleichgewicht in der unübersichtlichen Lage zu finden. Unter Präsident Donald Trump hat sich das schlagartig geändert. Er will ausschließlich einen "besseren Deal" für die USA - diesem wirtschaftlichen Prätext hat sich die Politik unterzuordnen.

Anlassfall Nahostreise

Klarer als je zuvor wurde das vor wenigen Wochen, als Trump seine Reise zu den Verbündeten im Nahen Osten, also Saudi-Arabien, Ägypten, Israel absolvierte. Nichts schien ihm dabei so großes Vergnügen bereitet zu haben wie seine Waffengeschäfte mit Saudi-Arabien: "Hunderte Milliarden Dollar Investment für die USA und Jobs Jobs Jobs", frohlockte er via Twitter. Im Rahmen dieser Gespräche mit den Saudis muss auch über Katar gesprochen worden sein. Denn die Genugtuung des Präsidenten über die Sanktionen gegen das Emirat kurz nach seiner Abreise war nicht zu überhören. "Katar ist leider seit Jahren ein Finanzier von Terrorismus, die Zeit war gekommen, das zu beenden." Ebenso wenig aber war das Entsetzen aus dem US-Verteidigungs-und dem Außenministerium zu übersehen, die um eine Deeskalierung der Lage bemüht waren und Katar als "engen Freund und Verbündeten" bezeichneten.

Offensichtlich haben die USA Saudi-Arabien im Nahen Osten tatsächlich freie Hand gegeben. Und Saudi-Arabien hat diese freie Hand genutzt, indem es alle regionalen Konkurrenten auszuschalten versucht - sei es nun der große Iran oder das kleine, politisch allzu quirlige Katar und sein Emir.

Der Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, Fürst im Land mit den höchsten Vermögen pro Kopf der Welt, versuchte eine ganz ähnliche Rolle für sich zu kreieren wie Saudi-Arabien: Als unverzichtbarer politischer Teil der Region. Al Thani fuhr dazu eine sehr geschickte Politik. Einerseits machte er sich für die USA unverzichtbar, indem er ihnen sein Land als Stützpunkt zur Verfügung stellte. Zeitgleich schärfte er sein sunnitisches Profil mit zahlreichen Stifungen und der Unterstützung streng wahhabitisch-sunnitischer Zirkel. So kam es auch zu den Geschäftsverbindungen terroristischer Organisationen nach Katar. Aber Al Thani wurde den Saudis noch weitaus gefährlicher. Mit seinem TV-Sender Al Jazeera eroberte er binnen weniger Jahre die Öffentlichkeit in den arabischen Ländern - und damit die Deutungshoheit über die arabische mediale Wirklichkeit.

Iranische Wende

Und diese Wirklichkeit wurde ab dem Zeitpunkt für die Saudis bedrohlich, als Katar und mit ihm Al Jazeera das Abkommen zwischen dem Iran und dem Westen über den Ausstieg aus der Urananreicherung lobten. Dieses Lob war ein unerhörter Vorgang, gemessen an der Intimfeinschaft zwischen den schiitischen Mullahs und den sunnitisch-wahhabitischen Herrschern auf der anderen Seite des persischen Golfs. Dagegen verblassten selbst die Prestigeprojekte des Emirs, wie etwa die Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar, die einen neuen Höhepunkt der arabischen Reputation in der Welt markieren sollte. Aber zu diesem Zeitpunkt saß Barack Obama im Weißen Haus und die Saudis durften nicht, was sie schon damals hätten machen können: eine Strafaktion gegen Katar inszenieren. Nun, unter einem Präsidenten Trump, stellt sich die Lage anders dar. Die USA scheinen nun mehr denn je mit Deals käuflich.

So konnten die Saudis bequem auf die nächste Gelegenheit warten, und die bot sich vor wenigen Tagen, als Hacker eine gefälschte Botschaft des Emirs über dessen eigene Nachrichtenagentur absetzten, in der sich Al Thani den Iran als "Stabilitätsgarant in der Region" loben ließ.

Nun könnte die Angelegenheit aber den Iran in eine noch bessere Position bringen, indem es ihm Katar zutreibt. Und auch Russland muss der Emir nun hofieren. Die Unterstützung beider dürfte wohl letztlich das Schicksal des US-Militärstützpunktes in Katar besiegeln. Mehr noch: Wenn der Iran einmal einen Brückenkopf auf der arabischen Halbinsel selbst etablieren kann, könnte es schnell zu einer Ausweitung der Kampfzone im Nahen Osten kommen. Und was man Weltfrieden nennt, wäre für lange Zeit unerreichbar. Dieser "Deal" wäre also teurer als viele Milliarden Dollar. Es gäbe, um zum schlechten Eingangsscherz zurückzukehren, auch keine Möglichkeit, die Zeche zu prellen und sich heimlich vom Schlachtfeld zu machen.